An dieser Stelle seien
ein paar Worte vorausgeschickt, um der weitverbreiteten Fehleinschätzung
entgegenzutreten, wonach die Einsicht in historische Archive einer Elite
vorbehalten ist und sehr restriktiv gehandhabt wird. Das Nutzungsrecht in
derartigen Institutionen unterliegt dem Bundesarchivgesetz und räumt
grundsätzlich jedem, unabhängig von Referenzen, akademischen Titeln oder
offiziellen Forschungsaufträgen, die Einsicht in Archivbestände ein.
Bei Antragstellung auf
Nutzung ist lediglich der Zweck (wissenschaftlich bzw. publizistisch) und
das Thema einer Forschungsarbeit zu benennen sowie eine Erklärung zu unterzeichnen,
die insbesondere zur Rücksichtsnahme auf Urheber– und Persönlichkeitsrechte
Dritter verpflichtet. Dies bedeutet, daß grobe Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen
auch den Ausschluß zur Folge haben können.
Bei exakter Benennung
eines Forschungsprojektes sind die Archivare dazu in der Lage, die Recherchen
optimal vorzubereiten, indem diese relevante Signaturen ermitteln,
bestellen und schon beim ersten Besuch der Lesesäle zur Verfügung stellen.
Darüber hinaus hat der
Nutzer jederzeit die Möglichkeit, anhand von oftmals umfangreichsten
Findmittelbüchern, digitalisierten sowie Mikrofiche– und Zettelkatalogen alle
erdenklichen Archivalien eigenständig zu ermitteln, die aus den Magazinen
vorgelegt werden sollen.
Prinzipiell gilt, daß
die erhaltenen Bestände nach einer Sperrfrist von 30 Jahren der Öffentlichkeit
zur Einsicht zugänglich gemacht werden müssen. Eine der wenigen Ausnahmen ist
z. B. dann gegeben, wenn diese einen sehr schlechten Erhaltungszustand aufweisen.
Da solches Material jedoch oftmals laufend mikroverfilmt wird, ist ein
derartiger Fall sehr unwahrscheinlich.
Auffällige Indizien für
die Existenz von oftmals vermuteten Giftschränken oder ominösen
Geheimbeständen können hier selbst nach zahlreichen Recherchen in den unterschiedlichsten
Institutionen nicht benannt werden. Diese Beobachtung beschränkt sich jedoch
auf Universitäts– und Staatsbibliotheken sowie
staatliche Einrichtungen, die historische Archivbestände verwalten.
Die in der BRD sehr
günstigen Bedingungen sind keineswegs selbstverständlich und ermöglichen
oftmals Forschungsergebnisse, die auf Grund der Einzigartigkeit von Archivalien
auf keinem anderen Wege zu erzielen sind.
Nach Auskunft des PAAA
sind über 40 % der privaten Nutzer Personen nicht deutscher Staatsangehörigkeit.
Die große Mehrzahl dieser Nutzer recherchiert nach wie vor in den
Aktenbeständen der Nazidiktatur (1936 – 1945) und reisen
dazu oftmals eigens nach Berlin!
Die Besucherstatistik
des Bundesarchivs für das Jahr 2005 weist unter „ 3.1 Persönliche
Benutzungen“ 8446 Personen auf, welche die Archive für ihre Recherchen
konsultierten. Auf diese Gesamtzahl entfallen 1358 Personen mit nicht
deutscher Staatsangehörigkeit. Des weiteren wurden in
dieser Institution insgesamt 63068 schriftliche Benutzungen und Beantwortungen
von Emailanfragen verzeichnet. Im Vergleich zur Jahresstatistik 2004
sind diese Zahlen nahezu gleichbleibend hoch.
Ein besonders extremes
Beispiel für restriktiven Umgang mit historischen Archiven ist das türkische
Nationalarchiv „Milli Kütüphane“ in Ankara, das sich unweit des Militärhauptquartiers!
befindet. Selbst für international renommierte Historiker ist der Zugriff auf
die relevanten Bestände gesperrt. Dies trifft insbesondere auf die Archivalien
zu, die einen direkten Bezug zum Völkermord an den Armeniern vor, während und
nach dem Ersten Weltkrieg aufweisen.
Die erhaltenen
Archivdokumente zur Nostradamus-Propaganda und den darin involvierten
Einzelpersonen sind als ausgesprochener Glücksfall zu werten, da ein Großteil
der Aktenbestände des RMVP und des PAAA, die vor und während des Zweiten Weltkrieges
entstanden, entweder vorsätzlich oder durch Kriegseinwirkung (Bombardierungen,
Wassereinbrüche in Archiven ect.) vernichtet wurden.
Beispielsweise gingen über 60 % der Aktenbestände des A. A. von 1936 – 1945
durch einen Unfall während eines Auslagerungstransportes unwiederbringlich
verloren. Bis heute sind Mitarbeiter des PAAA damit beschäftigt, Akten, die
dabei nicht gänzlich verbrannten, zu restaurieren.
Zu den Beständen des
RMVP ist zu sagen, daß insbesondere die Vernichtung der Geheimakten schon
Anfang Februar 1945 beschlossene Sache war. Im Vergleich zu den überlieferten
Generalaktenplänen ist der heute zugängliche Umfang des Signaturenbestandes
R 55 als äußerst lückenhaft zu bezeichnen. So sind in den entsprechenden
Findmittelbüchern keinerlei Hinweise aufzufinden, welche die behördeninternen
Korrespondenzen zur Nostradamus-Propaganda enthalten, noch sind Dokumente
ermittelbar, die Hintergrundinformationen zu relevanten Personenzusammenhängen
in diesem Kontext liefern könnten. Auch ist davon auszugehen, daß das gesamte
Plakat – und Flugblattarchiv sowie das Archiv der Geheimsender vor Kriegsende
vernichtet wurde.
Archivdokumente, die
anhand der „Akten der Parteikanzlei der NSDAP, 1983“ ermittelt werden
konnten, sind nicht mit vollständigen Bestellsignaturen anzugeben. Es können
nur die Bestandssignaturen und das haltende Archiv für die einzelnen Dokumente
benannt werden. Bei den „Akten der Parteikanzlei der NSDAP, 1983“
handelt es sich um ein mehrbändiges Index– und Regestenwerk
mit einer dazugehörigen Mikrofichesammlung. Auf diese Edition, die einen sehr
schnellen und unkomplizierten Zugriff auf gesuchte Archivdokumente ermöglicht,
wurde in der Berliner Staatsbibliothek zugegriffen.
Die nachfolgenden
Dokumente werden als Transkriptionen und der chronologischen Reihenfolge
ihrer Entstehung möglichst in vollem Umfang wiedergegeben. Gelöschte Scanfaksimiles werden nicht mehr hochgeladen!
Das Originaldokument
stammt nicht aus historischen Archiven! Es handelt sich dabei um ein
Einladungsschreiben des Gemeindekirchenrates zur Wiedereröffnung der Schliebener Martinskirche am 3.11.1934, unterschrieben mit Centgraf.
Magdeburg, den 8.März 1935
Beschluß
Der Pfarrer Alexander Centgraf in Schlieben, geboren am 8. März 1893 in Thale (Harz), ist
verdächtig,
1. In den Jahren 1928 bis 1934 mit der Krankenschwester Elfriede Buchholz, wohnhaft in Berlin, ein Liebesverhältnis unterhalten zu haben.
2. während dieser Zeit auch mit anderen Frauen unerlaubte Beziehungen unterhalten zu haben.
3. Elfriede Buchholz zur Abgabe unwahrer Erklärungen seiner vorgesetzten Behörde gegenüber veranlaßt zu haben.
4. Über seine Beziehung zu Elfriede Buchholz Herrn Bischof Peter gegenüber unter der Abgabe seines Ehrenwortes unwahre Angaben gemacht zu haben.
Pfarrer Centgraf hat sich hierdurch der Achtung, des Ansehens und
des Vertrauens, welche sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Es wird deshalb
das förmliche Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Entfernung aus dem Amt
gegen ihn eröffnet.
Ferner wird seine
vorläufige Suspendierung vom Amte verfügt ( §§ 2, IV, 18, 41 des kirchlichen
Disziplinargesetzes vom 16. Juli 1886 – kirchliches Gesetz- und
Verordnungsblatt Seite 81.)
Zum
Untersuchungsführer wird der Gerichtsassesor Dr. Dalhoff und zum Vertreter der Anklage Konsistoral
– Rat Schulz bestimmt.
Vermerk bei XII Nr.
653
Aktenzeichen, Schlieben – Centgraf
Disziplinarakten
Abschrift geht zu den
Personalakten
Magdeburg, den 8. März 1935
Unterschrift
Anmerkung:
Die erhaltenen Konsistoriumakten zu
Alexander Centgraf sind derart umfangreich, daß an
dieser Stelle nur das maßgebliche Dokument wiedergegeben wird.
SD – Namenslisten „Deutsche
Astrologen“
Anmerkung:
Die Namenslisten des SD
(Sicherheitsdienst) entstanden im Laufe des Jahres 1936. Dieser Umstand ergibt
sich aus einem tabellarischen Lebenslauf des Astrologen Heinz Noesselt. Dort gab er für die Jahre 1935 / 36 seinen
Wohnsitz in Gauingen auf der Rauhen Alb und Öhningen
am Bodensee an. In den Namenslisten des SD wiederum findet sich ebenfalls ein
Heinz Noesselt mit Wohnsitz in Gauingen.
Erst im Oktober 1936 wurde Heinz Noesselt in Berlin –
Kleinmachnow ansässig.
Die Verhaftungswelle,
die sich gegen die esoterische und okkultistische Subkultur im NS-Staat
richtete, ist als „Aktion Hess“ geläufig. Weitestgehend unbekannt ist jedoch, daß der SD
spätestens ab 1936 begann, umfangreiche Namens– und Adressenlisten von Astrologen,
Theosophen, Anthroposophen ect. zu
erstellen. Dabei wurde nicht unterschieden, ob es sich um aktive
Parteimitglieder oder um politisch und sozial unliebsame Personen handelte.
Dieser Vorgang ist in einer erhaltenen Akte des RSHA gut nachzuvollziehen,
die Hunderte von Personen auflistet, die ins Visier des SD gerieten. Karl E.
Krafft, Hans Hermann Kritzinger, Heinz Noesselt sowie einige andere Personen, die in Ellic Howes Buch genannt wurden,
sind in diesen Listen präsent, nicht jedoch Alexander Centgraf!!
Der frühen
geheimdienstlichen Erfassung dieser Personenkreise im Dritten Reich sowie der
darauf folgenden Verhaftungswelle im Rahmen der „Aktion Hess“ lag ein prinzipieller Charakter im Sinne der Staatsräson
zugrunde. Man ging davon aus, daß diese Kreise dazu in der Lage sein könnten,
im Auftrag oder auf Eigeninitiative hin staatsfeindliche Propaganda zu
produzieren und zu verbreiten, da diese vor Kriegsausbruch über weitreichende
internationale Organisations- und Kommunikationsstrukturen verfügten.
Ein weiterer
entscheidender Faktor, der zur „Aktion Hess“ führte, ist wohl in dem Umstand
zu sehen, daß stets gemutmaßt wurde, der zweite Mann im Nazistaat stünde unter
massivem Einfluß von Okkultisten jeglicher Couleur.
Der Sicherheitsdienst
des Reichsführers
SS
Düsseldorf,
den 5.3.1938
Der SD-Führer des SS
– Oberabschnittes West
II/2111 - 12
E - 233
Nk/Roe.
An den
Reichsführer-SS
Chef des Sicherheitshauptamtes
Zentralabteilung II/2,
Berlin.
Betr.:
Pseudowissenschaften – Astrologie.
Vorg.: Ohne.
Anlg.: 4.
Es gelang der
hiesigen Dienststelle, die beigefügten, in der Schweiz erscheinenden
astrologischen “Wirtschaftsberichte und kulturpolitischen Studien“ zu
ergreifen. Verfasser ist der “Statistiker“ K. E. KRAFFT“, Zürich, über dessen
Arbeitsweise in Kürze berichtet wird.
Inzwischen wird um
Mitteilung gebeten, ob an der Angelegenheit Interesse besteht.
Der SD-Führer des SS-Oberabschnitts West
iV.
(Handschrift unleserlich)
SS-Hauptsturmführer
(Handschriftlicher
Vermerk):
1.) Bericht über
Krafft abwarten
Parteistatische
Erhebung der NSDAP 1939
Anmerkung:
Aus der erhaltenen
Studentenkarte von Alexander Centgraf ist zu ersehen,
daß er im Juni 1938 als Rottenführer aus der SA ausschied. Deshalb ist
seine SA–Mitgliedschaft in der „Parteistatistischen
Erhebung 1939“ nicht mehr angegeben.
Gesandter Frh. von Dörnberg
Berlin am 8.3.1940
Aufzeichnung:
Dem Herrn Gesandten
von Dörnberg wurde seitens einer Verwandten der
beigefügte Schriftwechsel eines Herrn K. E. Krafft mit einem Angehörigen der
Rumänischen Gesandtschaft in London sowie eine Stellungsnahme zu einem Artikel
der Genfer Zeitung LA SUISSE überreicht. Der Schriftwechsel und die
Stellungsnahme befassen sich in mehr oder weniger „wissenschaftlicher“ Weise
mit okkultistischen und astrologischen Studien, die belanglos wären, wenn der
Verfasser, Herr Krafft, nicht – bewußt oder unbewußt politische Dinge berührte,
die schon aus propagandistischen Gründen nicht ohne Interesse sein können. Die
Art und Weise wie Herr Krafft die Ansichten derjenigen Kreise, die die
Nostradamus – Forschung für ihre Zwecke und Interessen in Anspruch nehmen,
widerlegt, und gleichzeitig für das Reich propagandistisch ausbeutet, erscheint
hier nicht ungeschickt. Vielleicht können die Bestrebungen des Herrn Krafft,
sofern es dort für dienlich gehalten wird, noch intensiviert werden.
Herrn Geh. Rat Altenburg
m. d. B. um Prüfung, ob
gegen die Fortsetzung des Schriftwechsels Bedenken erhoben
werden müssen.
LR. Dr. Rahn
Berlin, den 19.März 1940
Die Informationsabteilung beabsichtigt seit längerer Zeit,
die in einer zweckentsprechenden Lenkung und Auswertung des okkultistischen
und astrologischen Schrifttums liegenden Möglichkeiten einer Beeinflussung
weitester Kreise der Bevölkerung des neutralen und feindlichen Auslands in den
Dienst der Auslandspropaganda zu stellen.
H. E. wäre Herr Krafft, der als Nostradamus – Forscher
bereits einen Namen gewonnen hat, hierfür durchaus geeignet. Es darf daher ergebenst gebeten werden, Herrn Krafft veranlassen zu
wollen, möglichst bald in der Informationsabteilung vorzusprechen und sich
bei dem Unterzeichnenden zu melden.
Bei dieser Gelegenheit könnte auch die Frage der Fortsetzung
des Schriftwechsels des Herrn Krafft mit einem Angehörigen der Rumänischen
Gesandtschaft in London geklärt werden.
Hiermit: Herrn Gesandten
Freiherr
von Dörnberg mit der Bitte
um entsprechende weitere Veranlassung
Ref.
Dr.
Wilmanns
Inf. 6593
Berlin,
den 6. Mai 1940
1)
Herrn
Karl E. Krafft b. Holzapfel
Berlin – Wilmersdorf
Joachim – Friedrichstr. 54
Sehr
geehrter Herr Krafft
Mir
wurde von dritter Seite mitgeteilt, daß Sie sich lange Zeit mit Nostradamus –
Studien beschäftigt haben. Im Anschluss daran, wäre ich Ihnen dankbar, wenn
Sie sich an einen der nächsten Vormittage mit meinem Sachbearbeiter Dr.
Wilmanns, den Sie persönlich und fernmündlich in der Kurfürstenstr.
137 über mein Vorzimmer erreichen, in Verbindung setzen würden.
Heil Hitler
gez. Rahn
Ref.
IV
Berlin,
den 27. Mai
1940
Herrn
L. R. Dr. Rahn ergebenst
Betr.:
Nostradamus – Broschüre
Ich
habe mit Herrn Krafft Disposition der von ihm abzufassenden NOSTRADAMUS – Broschüre
besprochen und ihn ab morgen für etwa eine Woche aus seiner Übersetzungstätigkeit
beim DNB zur Fertigstellung des Manuskripts freigemacht. Ich rechne mit dem Manuskript
Anfang der nächsten Woche.
Durch
Herrn Krafft höre ich, daß sich im Promi Herr Dr. Seifert ebenfalls mit einer
Nostradamus – Broschüre beschäftigt ist, die ein Dr. Kritzinger
schreiben soll. Herr Krafft behauptet, Herr Kritzinger
hat versucht, Material beim ihm herauszulocken.
Da
das Auswärtige Amt für die Auslandspropaganda zuständig und Herr Krafft auf dem
NOSTRADAMUS – Gebiet ohne Frage hinreichend sachkundig ist, schlage ich vor,
der Angelegenheit beim Promi nicht weiter nachzugehen.
27/5
Wi. (handschriftlich)
Anmerkung:
DNB war die amtliche
Abkürzung für Deutsches Nachrichtenbüro, die Nachrichtenagentur der NS–Regierung. Die Nachrichtenbeschaffung des DNB hatte
auch einen geheimdienstlichen Charakter, denn große Mengen von aus der ganzen
Welt übersandten Meldungen unterlagen der Geheimhaltung und durften in keinem
Fall veröffentlicht werden. Der Begriff Promi war die meist gebräuchliche umgangssprachliche
Kurzform für Propagandaministerium.
Zwischen dem A. A., dem
RMVP und der Wehrmachtspropaganda kam es immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten,
die insbesondere die Auslandspropaganda betrafen. Diese äußerst komplexen Vorgänge
sind in zahlreichen Aktenvorgängen des BArch und des PAAA
dokumentiert. Die politische Ursache dafür war ein sog. Führerbefehl vom
08.09.1939, der diesen Bereich ausdrücklich dem A. A. übertrug, was zur Folge
hatte, daß sich das RMVP und die Wehrmachtspropaganda übergangen fühlten
und in ein teilweise scharfes Konkurrenzverhältnis zu einander traten (Vergl. hierzu Joseph Goebbels Tagebucheintrag 12. Juli
1940). Der Jahresbericht 1940 – 1941 des Reichspropagandaamtes,
Abteilung Ausland sah die Ursache im allgemeinen Desinteresse und Inkompetenz
des Auswärtigen Amtes und zog folgendes Resümee:
....................
....................
In
den Unterredungen, die zur Gründung des RPA. Ausland führten, stellte der Herr
Reichminister für Volksaufklärung und Propaganda dem Amt die Aufgabe, durch Einsatz
des in der AO (Auslandsorganisation) gegebenen weltweiten Apparates eine
wirksame Breitenpropaganda in den fremden Völkern sicherzustellen. Der Herr
Reichsminister betonte dabei, dass nur über ein Ansprechen der Massen propagandistische
Erfolge auf längere Zeit zu erreichen sei.
Das
neue Amt (Reichspropagandaamt Ausland) stand damit
sofort in einem unbeabsichtigten, aber scharfen Gegensatz zum Auswärtigen
Amt, das einmal die Notwendigkeit einer Breitenpropaganda kaum zu erkennen scheint
und zum anderen die gerade in dieser Hinsicht im Zusammenwirken des RMVP mit
der AO gegebenen Möglichkeiten übersieht. (Zitat aus: BArch
– NS 28/794)
....................
....................
NOSTRADAMUS – Propaganda
Die Prophezeiungen
des NOSTRADAMUS über den Niedergang Englands spielen im Ausland bereits eine
Rolle. In der Anlage wird eine kürzlich in der Schweiz erschienene Flugschrift
beigefügt. Aus der anliegenden DNB – Meldung ist ersichtlich, daß ähnliches
auch in Jugoslawien verbreitet worden ist. Wie ich höre, soll auch eine Athener
Zeitung den NOSTRADAMUS – Komplex aufgegriffen haben.
Es besteht Grund zur
Annahme, daß die Schweizer und Belgrader Veröffentlichungen durch das Promi
veranlaßt worden sind, das sich dadurch in die Auslandspropaganda einmischt.
Welche tiefgreifende
Propagandawirkung mit den NOSTRADAMUS – Prophezeiungen zu erreichen ist, geht
aus dem anliegenden Artikel des V. B. sowie der DNB – Meldung hervor.
Die Frage, ob es zweckmäßig
ist, NOSTRADAMUS – Prophezeiungen zu verwenden, habe ich mit Herrn Dr. Fesel vom SD – Hauptamt erörtert. Herr Fesel
bearbeitet dort die Fragen der geistigen Kriegsführung, soweit sie in den
Zuständigkeitsbereich des SD fallen. Die Frage wurde von dort lebhaft bejaht
und hinzugefügt, daß NOSTRADAMUS höchstens Halbjude war.
Der Autor des hier
zur Zeit vorliegenden Manuskripts ist schweizer
Staatsbürger. Die Veröffentlichungen erscheinen propagandistisch zweckmäßig,
sollten aber in einer Form erfolgen bei der die offizielle Beteiligung nicht
ersichtlich ist.
Wi. (handschriftlich)
Anmerkung:
Wie wir von Ellic Howe wissen, rekrutierte
Dr. (Heinrich) Fesel Karl E. Krafft zur Zusammenarbeit
mit dem RSHA. Er war Beamter des SD und wird auch in dem Gedächtnisprotokoll
von Anna Theresia Krafft van de Koppel als Gewährsperson für ein angestrebtes
Entschädigungsverfahren angegeben
Das Dokument 8 ist ohne
Abfassungsdatum, der Zusammenhang legt jedoch nahe, daß es Ende Juni 1940 von
Dr. Wilmanns erstellt wurde. Denn der im Dokument erwähnte und in der
Anlage beigefügte DNB–Bericht über die Wirkung der Nostradamus–Propaganda in Jugoslawien trägt das Datum
vom 23.06.1940. In der beigefügten Anlage befinden sich außerdem:
1. ein Nostradamus-Artikel
des V.B. „Völkischer
Beobachter“ vom 27.05.1940, Nr.148,
S.2. Dieser Artikel bezieht sich im wesentlichen auf die Wirkung der Nostradamus-Propaganda
in Frankreich und trägt die Überschrift: „Die Kolonne des Nostradamus“.
(Vergl. dazu Tagebucheintrag Joseph Goebbels vom 26.
Mai 1940. Da sich die Tagebucheinträge immer auf den Vortag beziehen, kannte
Goebbels den Inhalt des Artikels zwei Tage vor dem Erscheinen.)
„Die Kolonne des Nostradamus“
Von unserem diplomatischen Berichterstatter
.................
.................
Der kleine, schmierige Jude Mandel, der jetzt in Frankreich
das Volk bespitzelt, hat inzwischen eine neue Kolonne entdeckt. Es ist
die „6. Kolonne“, die „Kolonne des Nostradamus“. Gegen sie führt das „Oeuvre“
schwerstes Geschütz auf. Ein Mitarbeiter des Blattes ist im Laufe eines
einzigen Tages von, wie er schreibt, „drei Damen von bester Gesellschaft“
angesprochen worden, die sich vollen Ernstes über die Voraussagen des Nostradamus
unterhielten. „Man soll uns doch mit diesen vermaledeiten Voraussagen des Nostradamus
in Ruhe lassen“, heißt es weiter. „Wo jetzt
Der von 1503 bis 1566 lebende Pariser Astrologe Michel de Notredame (Nostradamus) hatte in einer berühmten
Prophezeiung für das Jahr 1940 die Zerstörung von Paris und die Vernichtung
Englands angekündigt. „Daß Damen der besten Gesellschaft“ seinen Prophezeiungen
mehr vertrauen, anstatt wie Herr Reynaud auf das
„Wunder“ in Gestalt von General Weygand zu vertrauen,
wirft in der tat ein bedenkliches Licht auf die „Moral gewisser Leute“. (Zitat
aus: Völkischer Beobachter, 27. Mai 1940, Nr. 48, Seite 2)
...............
...............
2. jeweils ein Originalexemplar
der 1940 in Genf und Belgrad erschienen Nostradamus–Broschüre.
Herrn Legationsrat Dr. Rahn, Abt. Inf.
Betr. Manuskript Nostradamus.
Auf Grund einer mündlichen Absprache zwischen Herrn Wilhelm
und Dr. Wilmanns bin ich damit einverstanden, dass das mir vorgelegte
Manuskript im ausländischen Buchhandel, am besten
in der Schweiz, untergebracht wird. Die erforderlichen Schritte bitte
ich zu veranlassen.
Ich möchte zu erwägen geben, in dem Manuskript vor der
Weitergabe die Stelle Seite 66 über das „deutsche Herz aus Troyanerblut“
noch einmal mit dem Verfasser zu überprüfen.
Mir scheint plausibler, den Hinweis auf Troya
ins Verhältnis zu Griechenland zu setzen und darin eine Art Parallele zu Hitlers
Herkunft aus Österreich im Verhältnis zum deutschen Altreich zu erblicken. Ausserdem wird es sich vielleicht empfehlen, noch folgende
drei Verse mit hereinzunehmen, die vielleicht gerade in der Schweiz
wirkungsvoll sein können:
Z.6, 20 Die geheuchelte Union wird nicht von
langer Dauer sein,
Die meisten haben sich reformiert und verändert.
Auf Schiffen wird ein hartnäckiges Volk sitzen.
Dann wird ein neuer Leopard in Rom sein.
Z.1, 47 Die Gerüchte vom Genfer See
werden mutlos machen.
Es zieht sich Tage, Wochen, Monate und Jahre hin.
Dann wird alles plötzlich fallen,
Die Staaten verdammen die leeren Gesetze.
Z.6, 90 Die abscheuliche Verleumdung stinkt zum Himmel,
Doch nach dem Ereignis erkennt man die Wahrheit.
Von allen Seiten wird man sich entschuldigen,
Auch wenn der große Neptun sich um Frieden neigt.
Die Deutsche Informationsstelle stellt unabhängig davon sofort
eine kurze Flugschrift über Nostradamus zusammen, die im Rahmen der Informations – Schriften erscheint und nur im Ausland
Verwendung finden soll. Zu diesem Zwecke ist das Manuskript entnommen worden,
nachdem festgestellt wurde, dass Dr. Wilmanns im Besitze eines weiteren Exemplars
ist.
(handschriftlich) Berber
(Gesandter Berber)
Berlin, den 23. Juli
1940
Informationsabteilung
Berlin, den 20. August 1940
Referat D IV ergebenst
In der Anlage wird das Manuskript K. E. Kraft „Nostradamus
sieht die Zukunft Europas“ in 15 Exemplaren zur Verbreitung im Auslande
übersandt. Wie aus dem anliegenden Vorgang ersichtlich, um dessen
Rückgabe gebeten wird, hat das Manuskript Herrn Prof. Berber vorgelegen.
Eine Verbreitung des Manuskriptes in Deutschland ( nicht
Drucklegung für Auslandsauflagen ) ist nicht ins Auge gefasst, da sie voraussichtlich
seitens des Promi als unerwünscht bezeichnet werden würde.
Klischierfertiges Material für Abbildungen und Wiedergabe
der Prophezeiungen im Original wird in etwa 2 Tagen übersandt.
Der Verfasser, der als französischer Übersetzer im DNB tätig
ist, fertigt eine französische Übersetzung selber an, die in aller Kürze vorliegt.
Im übrigen darf darauf verwiesen
werden, dass die Übersetzung des Textes in Fremdsprachen nicht ganz
leicht ist. Vielleicht empfiehlt es sich deswegen die notwendigen Übersetzungen
durchgängig im Auslande vornehmen zu lassen.
( handschriftlich ) Simon
Bericht
Über die Tätigkeit der Abteilung Ausland
in der Zeit
vom 1. Januar bis 31. August 1940
I.
Sendungen für das Ausland
………………
……………...
c) die Geheimsender
unter Dr. Raskin
……………….
...................
2) Ist für alle
Sendungen in das Ausland ( mit Ausnahme der Geheimsendungen ) eine einheitliche
Durchgangsstelle in den Länderschriftleitungen des Drahtlosen Dienstes
geschaffen worden, die eine Abstimmung der verschiedenen Sendungen aufeinander
gewährleisten.
………………
………………
II.
Veröffentlichungen für das Aus-
land
Auf dem Gebiet des
Schrifttums besteht die Tätigkeit der Abteilung in der Herausgabe von Büchern und Broschüren unter Mitwirkung
am Manuskript und Druck und in der Verteilung in eigener oder fremder
Regie hergestellter, zum Teil im Buchhandel käuflich erworbener Bücher und
Schriften, wobei sie sich der dem Ministerium gehörenden Terramare
– Versandstelle bedient.
Seitdem einmal
Massenproduktion und Massenversand von Kriegsbroschüren zu Beginn des Krieges
auf die Informations – Abteilung des Auswärtigen
Amtes unter Professor Berber und dem Gesandten Altenburg übergegangen war, hat
es die Abteilung Ausland unterlassen, hiermit in Wettbewerb zu treten, was
nur den Schaden verschlimmert hätte, der durch die Überschwemmung des
Auslandes mit Makulatur angerichtet worden ist. Einzelne Auslandsempfänger
haben zwischen 30 und 50 Exemplare der gleichen Schrift erhalten.
Die Zentralkartei für
den Versand hatte sich zudem das Auswärtige Amt gesichert. Die
Auslandsabteilung hat sich unter diesen Umständen darauf beschränkt, nur
wenige Schriften herauszubringen.
Gegenüber dem
unentgeltlichen Propagandaversand von Schriften wurde der Druck, Verlag und
Vertrieb von Schriften im Ausland selbst durch ausländische Verlage und ausländische Buchhandlungen der Vorzug gegeben.
Es fanden dieserhalb in Zusammenarbeit mit dem Auslandsreferat der Abteilung
Schrifttum verschiedentlich mit allen an Auslandspublikationen interessierten
Stellen Besprechungen statt, um Auslandspublikationsmöglichkeiten zu
erschließen. In der Zukunft wird dies die gegebene Publikationsform für
Propagandaschriften zu bilden haben.
Der wahl – und ziellose Versand durchschnittlicher Schriften,
von denen ein propagandistischer Effekt nicht zuverlässig erwartet werden
kann, wurde abgestellt. Zusammen mit der Abteilung Schrifttum wurde eine
regelmäßige Buch – und Schriftenplanungs – Konferenz
eingerichtet, in der alle überflüssigen Buchvorhaben von vornherein
unterbunden werden können.
Herausgegeben wurde im laufenden Jahr:
1) Die NOSTRADAMUS – Schrift, in einer Gesamtauflage von 83000, die sich verteilen: auf eine französische (20000), eine holländische (5000), eine italienische (10000), eine serbische (10000), eine kroatische (25000), eine rumänische (5000), ein schwedische (5000) und eine englische Ausgabe für USA (3000).
2) Catholicus: “Gods will is gerechtigheid“.
Eine Zusammenfassung von Prophezeiungen
aus der Offenbarung des Johannes, die den
Untergang von London voraussagen.
...................
...................
9) Eine schwedische
Ausgabe der Schrift von Stael von Holstein: “ Unsere Neutralität,“ mit einem Vorwort des ehemaligen Oberbefehlshabers
der schwedischen Marine.
Es behandelt das Thema: Kann England siegen?,
der Seekrieg und die Neutralen.
10)
Eine schwedische Ausgabe des Teils II der Schrift von Stael von
Holstein: “Unsere Neutralität“,
Behandelt den Abwehrkampf der Neutralen gegen die
englische Unterdrückungspolitik.
11)
Eine schwedische Ausgabe der Schrift von Stael von
Holstein: “ Das neue Europa“.
Behandelt die veränderte Lage Europas und die Per-
spektiven, die sich hieraus für einen
wirtschaftlichen
Kontinentalblock ergeben.
12) Eine englische
Ausgabe der Schrift von Stael von Holstein: “Churchill
und die Haltung Amerikas“.
Auszug aus den
drei vorgenannten Schriften unter
der besonderen Berücksichtigung der amerikanisch-
en Interessen.
……………….
...................
FLUGBLÄTTER Entworfen
wurden einige Flugblätter
UND
zum Abwurf über Frankreich und England.
PLAKATE:
...................
...................
gez. Dr.
Brauweiler
Anmerkung:
Das gesamte Dokument
umfaßt 22 maschinen geschriebene Seiten. Die angegebenen Auflagezahlen zur Nostradamus–Schrift beziehen sich tatsächlich auf mehrere
Titel, wobei italienische, kroatische und rumänische Originalexemplare
bisher nicht zu lokalisieren waren.
Auch führten bisher alle
Versuche, die Existenz des Titels „Gods
will is gerechtigheid“ nachweisen,
zu keinem Erfolg. (Vergl. hierzu Joseph Goebbels
Tagebucheintrag 23. Februar 1940).
Aufzeichnung
Der
Inhalt der Broschüre “Hoe Zal
Deze Oorlog endigen?“ (Den Haag 1940) deckt sich –
abgesehen vom Vorwort – ganz genau mit zwei anderen Schriften, welche im Jahre
1940 ebenfalls über Nostradamus erschienen sind, und zwar
1.) “Prédictions“ (Edition Ant. Genf)
unter dem Titel (verdeutscht):„ Was wird zwischen dem Frühjahr
1940 und Frühjahr 1941 geschehen?“
2.)
“1940“ (Belgrad) – eine wörtliche Übersetzung der oben zitierten
Genfer Veröffentlichung.
In
den obigen beiden Schriften lassen sich nach Inhalt und Reihenfolge wörtliche
Zitate aus H. H. Kritzingers “Mysterien von Sonne und
Seele“ nachweisen (Berlin 1922). Insbesondere deckt sich die in der
holländischen Schrift verwandte Illustration (Wiedergabe des Titelblattes der
Amsterdamer Ausgabe von 1668) mit einer Illustration des genannten Buches.
Ich
habe Gründe anzunehmen, dass zwar Dr. Kritzinger
nicht der Verfasser der drei gleichartigen Propagandaschriften ist, wohl aber
über deren Herkunft Bescheid weiss. Mit größter
Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass sie aus dem Promi hervorgegangen sind.
Inhaltlich
decken sich die Propagandaschriften nur zum Teil mit dem Inhalt meiner eigenen
Nostradamus – Studie. Von über 20 dort zitierten Vierzeilern finden sich bei
mir nur 6, davon 2 in bedeutend besserer Fassung. Umgekehrt finden sich von den
in meiner Broschüre zitierten 37 Stellen und Vierzeilern in der
„Konkurrenzschrift“ nur 9, davon 3 in unzulänglicher Übertragung.
Die
Überschneidung der beiden Schriften erscheint demnach so gering, dass eine gegenseitige
Konkurrenzierung nicht vorliegt.
Zusammenfassung:
Mögen
die oben erwähnten Schriften aus Den Haag, Genf und Belgrad einem Konkurrenzunternehmen
zu den Bestrebungen des Auswärtigen Amts entspringen, so erscheinen sie doch
weder nach Inhalt noch nach Qualität so gestaltet, dass sie einer gleichzeitigen
Veröffentlichung meiner eigenen Studie ernsthaft im Wege stehen könnten.
Im
übrigen gilt gerade im Bereich der Veröffentlichungen über Nostradamus
nachweislich die Wahrheit des Sprichwortes: „Konkurrenz hebt das Geschäft“.
Berlin, den 17. Oktober 1940
K. E. Krafft (handschriftlich)
Anmerkung:
Das Gutachten von Karl
E. Krafft zu möglichen Autoren anderer Nostradamus-Propagandaschriften ist als
internes Schreiben von der Inf IV des A. A.
abgeheftet worden, und kann deshalb nur an Dr. Wilmanns, dem Leiter dieses
Referates gerichtet gewesen sein.
Titelblatt „Nostradamus sieht die Zukunft
Europas, 1940“
Anmerkung:
Eine vollständige Kopie
der unveröffentlichten deutschsprachigen Urschrift liegt vor. Dieses
maschinengeschriebene Manuskript wurde nach Auskunft des IGPP wahrscheinlich
zu Beginn der 1980er Jahre als Kopie von einer anonym gebliebenen Person an das
Institutsarchiv überreicht.
Unter PAAA – 66.658 liegt jedoch eine weitere
Blaupausenkopie vor, die sich im Abgleich mit dem aus dem IGPP stammenden
Exemplar als inhaltlich nahezu identisch erweist. Außerdem befinden sich dort
umfangreiche fotokopierte Materialien zur Erstellung von Textgraphiken, die
ebenfalls in identischer Form im vorliegenden Urmanuskript Verwendung
fanden.
Die hier beschriebenen sehr spezifischen Umstände schließen
deshalb zuverlässig jede Spekulation darüber aus, daß es sich bei dem anonym
überreichten Exemplar an das IGPP um eine nachträgliche Fälschung aus der
Nachkriegszeit handeln könnte.
Das Deckblatt weist interessanterweise den Empfänger E. Hans Mahler in Zürich auf, ehemaliger Generaldirektor der Züricher Warenhauskette Globus. Ellic Howe begegnete diesem im Laufe seiner Nachforschungen und der war durchaus bereit, über die Person von Karl E. Krafft zu sprechen. Er unterließ es jedoch tunlichst zu erwähnen, daß ihm sein Ex-Angestellter ein Nostradamus-Manuskript mit pronazistischen Tendenzen zusandte.
Karl E. Krafft war im
Hause Globus von 1929 bis Mitte 1932 als psychologischer Berater der obersten
Geschäftsführung tätig; sein schlechtes Betragen führte zu einer Kündigung
des Arbeitsverhältnisses. Jahre später versandte er sein Manuskript nach
Zürich, weil die Informationsstelle auch in der Schweiz eine Veröffentlichung
beabsichtigte, was jedoch nicht nachweislich realisiert wurde.
E. Hans Mahler schien
dazu deshalb eine sehr prädestinierte Adresse zu sein, da das Warenhaus Globus
auch den eigenen in der Schweiz sehr populären Globi-Buchverlag
betrieb, der heute noch existiert.
Am 25.10.2005 erschien
in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Artikel über die Person von
Karl E. Krafft, der in sachlicher Hinsicht als weitestgehend richtig zu werten
ist. Obwohl dem Verfasser Frank-Rutger Hausmann das Urmanuskript von Karl E.
Krafft vorlag – das Titelblatt des Urmanuskripts wurde ebenfalls abgedruckt –
ging er in seinem Artikel „Natürlich liegt Troja in Tirol“ mit keinem
Wort auf den prominenten Empfänger ein.
Der „Armenien-Arminien-Coup“
im Originalwortlaut
Durchschlag als Konzept
Berlin, den 7. November
1940
Zu Nr. D IV 4694 /
LS. Betz
Auf den Bericht vom
25. v. M., nr. 785
Mit dem Vorschlag,
auch eine flämische Ausgabe der Schrift „Nostradamus sieht die Zukunft Europas“
zu veranstalten, erkläre ich mich einverstanden und bitte, demgemäss
das Weitere zu veranlassen.
Bei der Festsetzung
der Auflagenhöhe ist zu berücksichtigen, daß die dort erscheinende französische
Ausgabe nicht nur in Belgien, sondern auch in Frankreich und der Westschweiz
verbreitet werden soll, während die flämische Ausgabe zugleich für eine
Verbreitung in Holland bestimmt ist.
Im Auftrag
(i. R. ) gez. Betz
1.) An
die Dienststelle des
Auswärtigen Amts
Brüssel
2.) WV. 4 Wochen
Abtl. Inf.
IV
Berlin, den 17.
Januar 1941
Der Autor der von
Herr Wilhelm bearbeiteten neuen NOSTRADMUS – Broschüre für die Informations – Schriften ist Herr Kritzinger,
der die wiederholt im Ausland erscheinenden Konkurrenz zu der Kraft’ schen Arbeit für das PROMI bearbeitet hat.
Gegenüber den
Missionsberichten über die Übersättigung des ausländischen Marktes mit
NOSTRADAMUS – Schriften weist Herr Wilhelm darauf hin, daß die Informationsschriften
nicht nur im Ausland, sondern vor allem auch in den Gefangenenlagern verteilt
werden, und daß sie anders als die bisher im Ausland erschienenen NOSTRADAMUS
– Schriften von den Missionen als Beipack verwendet werden.
Am 13.05.1941 ereignete
sich für die grauen Eminenzen des RMVP und des A. A. ein in seiner Form wohl
einzigartiger „worst case“
von Preisgabe sensibler Informationen in einer Zeitung.
Denn das Zentralorgan
des Deutschen Studentenbundes „Die Bewegung“ veröffentlichte einen
Artikel, in dem die großen Leistungen der Studentenschaft in der Propagandamaschinerie
an die große Glocke gehängt wurden, was einen Eklat ersten Ranges im RMVP und
im A. A. zur Folge hatte.
Der äußerst redselige
und mitteilungsbedürftige Autor dieses Artikels, Dr. H. (elmut)
Eckert, gab zahlreiche Einzelheiten über die Organisationsstrukturen und
Arbeitsteilungen zur Erstellung und Verbreitung von Kriegspropaganda zum
Besten. Auch wollte er nicht darauf verzichten, eine Schrift hervorzuheben, die
im Propagandaeinsatz als sehr wirkungsvoll gewertet und von ihm selber
verfaßt wurde. Der Titel „Der Genius urteilt über England“ wurde
schließlich in mindestens sechs Sprachen übersetzt und zirkulierte weltweit.
Der „Verteilungsplan Nr. 409“ in der PAAA – Akte 66.713 vom 06.09.1941
sah vorerst vor, 8000 deutsche, 4000 englische, 8000 französische, 6000
spanische und 5000 italienische Exemplare dieser Schrift zu drucken und
auszuliefern. Aus PAAA – 66.712 ist jedoch zu ersehen ,
daß 1941 nochmals 30.000 Exemplare aufgelegt wurden und bis in die USA und nach
Brasilien vertrieben wurden.
So wurde schon damals in
begrenztem Umfang bekannt, daß die Informationsschriftenreihe, die von dem
fingierten Europa–Verlag herausgegeben wurde, als das
vorrangigste Propagandamedium des A. A. betrachtet wurde.
Indes wählten die
geistigen Avantgardisten von „Die Bewegung“ den denkbar ungünstigsten
Zeitpunkt für die Publikation dieser Lobesrede in eigener Sache. Denn Rudolph
Hess Flucht, die bei den Sicherheitsbehörden ohnehin für eine verschärfte Krisenstimmung
sorgte, lag gerade erst drei Tage zurück.
Nach Erscheinen des
Zeitungsartikels wurde Dr. Helmut Eckert „mit sofortiger Wirkung beurlaubt“.
Die ursprüngliche
Absicht des RMVP, „Die Bewegung“ sofort zu schließen, wurde nicht
umgesetzt, denn das Erscheinen dieser Zeitung ist bis zum Oktober 1942 nachgewiesen.
Aus dem Dokument 18 zur
„Affäre Dr. H. Eckert“ ist zu ersehen, daß die politisch Verantwortlichen des
Reichsstudentenbundes ihren Einfluß bei den entsprechenden NS-Behörden zur
Schadensbegrenzung geltend machten.
Angesichts dessen, daß
das RMVP Dr. Helmut Eckert Geheimnisverrat vorwarf, ging man auch mit ihm nicht
allzu streng ins Gericht, denn nur kurze Zeit nach seinem schriftstellerischen
Betriebsunfall publizierte das „Institut für deutsche Studentengeschichte,
Würzburg“ ein weiteres Buch aus seiner Feder:
Helmut Eckert,
Studenten sind Soldaten: Zeugnisse v. Waffentaten u. Kriegsdienst dt. Studenten
in 6 Jhn, Limpert Berlin,
1942“
Diese Buchpublikation
weist darauf hin, daß ihm die Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer
nicht entzogen wurde, ohne die er keinesfalls hätte publizieren können!
Seine milde Behandlung
ist wahrscheinlich ausschließlich auf den Umstand zurückzuführen, daß die
Auslieferung der kompromittierenden Ausgabe über die Landesgrenzen hinweg
rechtzeitig verhindert wurde und die ganze Angelegenheit somit ohne weitere
politischen Konsequenzen blieb.
Die
umfassenden Arbeiten des studentischen Kriegsleistungskampfes
Von Dr. H. Eckert
Durch
Befehl des Reichsstudentenführers Mitte 1939 wurde dem Deutschen Studententum mit der Schaffung des Kriegsleistungskampfes
eine neue verantwortungsvolle Aufgabe gestellt.....
Der
ursprünglich als Kriegspropagandaeinsatz gedachte Arbeitsbereich ist bald über
seine geplante Form hinausgewachsen und hat inzwischen Gebiete umfaßt, die das
deutsche Studententum als bewußte
Träger neuer wissenschaftlicher Forschung zeigen und als solche aus der
studentischen Arbeit nicht mehr fortzudenken sind.
Es
gilt, an dieser Stelle Rückschau über die bisherigen Arbeiten zu halten. In
Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt wurden im Rahmen der amtlichen
Informationsschriften Arbeiten herausgebracht, die in allen wichtigen
Sprachen erschienen und als das hauptsächlichste Propagandamaterial des
Auswärtigen Amtes im Ausland anzusprechen sind. Das den Schriften zugrunde
liegende Material entstammt der Arbeit der Arbeitskreise. Die Verfasser sind
sämtlich entweder Studenten oder vom Kriegsleistungskampf dem Auswärtigen
Amt genannt worden. Sie behandeln Englands Ausbeutungskampf in Indien, die Not
der Bauern in England und haben weiterhin Untersuchungen über die soziale
Frage, über Frauen und Kinderarbeit zum Thema.
Von
den vom Auswärtigen Amt unter der Tarnung des Europa – Verlages herausgebrachten
kleinen Informationsschriften, die in allen wesentlichen Sprachen weit verbreitet
sind, konnten sieben Hefte ausschließlich vom Kriegsleistungskampf gestellt
werden.
Während
des Frankreichfeldzuges wurden für das Auswärtige Amt umfangreiche Frankreicharbeiten
ausgeführt, die Themen wie „Französische Selbstkritik“ und „Englische
Übergriffe“ gegenüber Frankreich im Laufe der Geschichte umfaßten. Auf Wunsch
des Auswärtigen Amtes wurde ein Sendereinsatz West und ein Sendereinsatz Nord
aufgebaut. Eine Reihe weiterer Arbeitskreise wurden herangezogen. Das skandinavische
Material wurde vom Auswärtigen Amt ausgewertet, desgleichen die Ergebnisse
des Einsatzes West, die in zwei Stoffsammlungen vom Auswärtigen Amt erfaßt
wurden: „Die Westmächte als Feinde der Holländer, Flamen und Luxemburger“,
„Die Verbundenheit der Westlande mit dem Deutschen Reich“. Ein in Köln
zusätzlich durchgeführter Sondereinsatz von kurzfristiger Dauer hatte die
Bestände des niederländischen Instituts durchzuarbeiten.
An
der Zersetzungspropaganda des jetzigen Botschafters Abetz
konnte der Kriegsleistungskampf während des Krieges in Frankreich
teilnehmen. Sowohl die Geheimsender wie auch die über Frankreich abgeworfenen
Propagandazeitungen “Paris Noir“ und „Le Journal de Cambronne“
erhielten Material von uns.....
In
jüngster Zeit konnte noch eine andere wirkungsvolle Schrift zusammen mit der
Informationsstelle des Auswärtigen Amtes herausgebracht werden. „Der Genius
urteilt über England“, deren Wert auch die Besprechung an dieser Stelle
ausdrücklich hervorhob.
Die
Zusammenarbeit mit dem Propagandaministerium war sehr fruchtbar. Das Erscheinen
des von Reichsminister Goebbels durch Ministerialrat Dr. Ziegler herausgegebenen
Dokumentenwerkes über die englische Demokratie ist der Mitarbeit des studentischen
Kriegsleistungskampfes zu verdanken...... (Zitat: „Die Bewegung, 13. Mai
1941, 9. Jahrgang / Folge 18/19, S. 10“)
Herrn Dr. Simon
Beiliegend übersende ich Ihnen die in der Planungssitzung
bereits von mir erwähnte Inf. – Schrift Nr. 38 „Der Seher von Salon“. Es handelt
sich um die bereits von mir angekündigte neue Nostradamus – Schrift, die das
Heft Nr. 18 ergänzt und vor allem in Hinblick auf die Verwendung der
französischen Fassung in den französischen
Gefangenenlager hergestellt wurde.
Berlin, den 28.1.41
Dr.Bü/al
(handschriftlich) Büttner
Vorlage
Das
Propagandaministerium wird u. a. auch die Einstellung des Zentralorgans
des NSD-Studentenbundes
„ Die Bewegung “
veranlassen.
In
diesem Zusammenhang habe ich vom Propagandaministerium nachstehenden Schriftsatz
erhalten:
“
In dem beigefügten Exemplar des Zentralorgans des NSD-Studentenbundes
Nr. 18/19 vom 13. Mai 1941 befindet sich ein Aufsatz des Leiters des
studentischen Kriegsleistungskampfes, Dr. H. ECKERT, über “Die umfassenden
Arbeiten des studentischen Kriegsleistungskampfes“. In diesem Artikel werden
unzählige Einzelheiten über Qualität und Quantität der deutschen
Propaganda behandelt, unzählige Kanäle der Propagandaarbeit werden aufgewiesen
und dabei in unfaßlicher Weise politisch wichtige und geheime Tatsachen verraten.
So wird u. a. gesprochen “von
den vom A. A. unter der Tarnung des Europa-Verlages herausgebrachten kleinen
Informationsschriften.....“
Weiter
heißt es: “An der
Zersetzungspropaganda des jetzigen Botschafters Abetz
konnte der Kriegsleistungskampf während des Krieges in Frankreich teilnehmen.
Sowohl die Geheimsender wie auch die über Frankreich abgeworfenen
Propagandazeitungen “Paris Noir“ und “Le Journal de Cambronne“
erhielten Material von uns.“
Es
wird dann im weiteren eingegangen auf die mit dem Propagandaministerium und
die hier getätigte Zusammenarbeit. Ebenso wird hingewiesen auf die Materiallieferungen
in Bezug auf die Besatzungszeit des Rheinlandes; hierbei heißt es wörtlich: “Es bedeutet einen wichtigen Bestandteil der den
Friedensschluß mit Frankreich vorbereitenden Propaganda.“
Im
weiteren gibt der Aufsatz eine Fülle von detaillierten Schilderungen zur
Methode der deutschen Propaganda.
Handschriftliche Randbemerkung:
Die
Veröffentlichung solcher Dinge ist natürlich maßlos schlecht! Sie kann entsetzlich
schaden, zumal wegen der Tätigkeit Abetz ! Ein Glück, daß die Nummer gesperrt werden konnte ! Was
sagt eigentlich Eckert selbst ?
- 2 -
Politisch-propagandistisch
ist der Aufsatz einfach völlig unverständlich und in seiner Zusammenstellung
überhaupt gar nicht vorstellbar. Sofortige telefonische Rücksprache mit dem
Reichsstudentenführer Dr. Scheel führte dazu, daß von München aus sofort
weitere Auslieferungen sowohl beim Eher-Verlag wie
auch bei sämtlichen Postzeitungsstellen gesperrt wird. Der verantwortliche
Hauptschriftleiter der “Bewegung“, Dr. Heinz Wolff, verwies darauf, daß der
Aufsatz ihm als offizieller Bericht eines Amtsleiters der Reichsstudentenführung
zugegangen ist und daher nicht mehr einer so strengen Prüfung unterzogen
werden konnte, wie sonst üblich. Redigiert sei der Aufsatz von einer
Mitarbeiterin der Schriftleitung, der Schriftleiterin Renate Heidner.
Der
Sonderbeauftragte des Reichsstudentenführers, Dr. Bähr,
und ebenso der Student Harald Jahrl riefen an und
legen Wert auf die ausdrückliche Feststellung, daß sie von diesem Artikel
nichts gewußt haben und ihn erst aus der fertigen Zeitung kennen lernten. Herr
Dr. Bähr wies herbei darauf hin, daß sich die in
diesem Artikel befindlichen Angaben in einem vertraulichen für den
Reichsstudentenführer Dr. Scheel bestimmten Bericht befinden, den dieser dem
Stellvertreter des Führers seinerzeit übergeben hat.
Die
Presseabteilung ist orientiert und wird ebenfalls von sich aus die Auslieferung
sofort sperren.
Heil Hitler !
Gez. Dr. Heinrichsdorff
P.S.
Soeben erfolgt ein neuer Anruf der Reichsstudentenführung. Der Reichsstudentenführer
Dr. Scheel teilt mit, daß er Dr. Eckert mit sofortiger Wirkung beurlaubt hat.
Der bevollmächtigte Stellvertreter des Reichsstudentenführers im Kriege, Dr.
Gmelin, wird morgen in Berlin im Auftrage Dr. Scheels mit dem Gesandten
Professor Dr. Berber sprechen.
Praktisch
sei folgendes veranlaßt worden:
1. Die Abwehrstelle
der Wehrmacht hat alle Auslandslieferungen gesperrt und versichert, daß
bisher noch keine Exemplare ins Ausland gegangen sind.
- 3 -
2.
Das Postzeitungsamt München hat die Auslieferung für
das gesamte In – und Ausland gesperrt.
3.
Der Verlag hat alle Auslieferungen gesperrt.
Der
Verlag schlägt vor, die Auslieferung ab Donnerstag wieder insoweit freizugeben,
daß bei der Auflage das einliegende Blatt von 4 Seiten, das den fraglichen
Aufsatz enthält, fortgelassen wird, was technisch leicht möglich ist. Die
Nummer würde dann erscheinen ohne den umstrittenen Aufsatz. Der
Hauptschriftleiter der „Bewegung“ ist morgen in Berlin, um verschiedene
Fragen zu klären.
D.O
“
Tießler (handschriftlich)
Berlin,
den 15. 5. 1941
Ti/Hu
Geheimbefehl „Aktion
gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften“ vom
04.06.1941
National Sozialistische Arbeiterpartei
Der
Stellvertreter des
Führers
München 33, den 7. Mai 1941
Stableiter
Braunes Haus
Streng vertraulich!
Rundschreiben
(nicht zur Veröffentlichung!)
An alle Gauleiter
Betr: Aberglaube, Wunderglaube und Astrologie als
Mittel staatsfeindlicher Propaganda
![]()
In der letzten Zeit
haben konfessionelle und okkulte Kreise durch bewusste Verbreitung von
Wundergeschichten, Prophezeiungen, astrologischen Zukunftsberechnungen usw.
wieder vermehrt Unsicherheit und Verwirrung in die Bevölkerung zu tragen
versucht.
So werden in Wort und
Schrift systematisch Hölle und Teufel, Fegefeuer und Weltuntergang mit allen
Schrecken den Volksgenossen eindringlich dargestellt, sagenhafte Visionen und
Wunderheilungen verbreitet und konfessionelle Weissager über die angebliche
politische und militärische Zukunft durch Flüsterpropaganda ins Volk getragen.
Der Handel mit
Heiligenbilder, Medaillen und Amuletten zu persönlichem Schutz gegen
Fliegerbomben blüht und ebenso wie das konfessionelle Kettenbriefwesen.
Bezeichnend ist ein Fall, in dem nach der Predigt eines Pfarrers vom
Weltuntergang sich zahlreiche Frauen auch
-2-
aus weiterem Umkreis,
Kerzen und Streichhölzer kauften, die sie vom Pfarrer weihen lassen.
Ferner nutzen
Wahrsager, Hellseher, Sterndeuter und Kartenleger immer gerade jetzt die
natürliche Spannung aus, mit der die Volksgenossen die weitere politische und
militärische Entwicklung erwarten.
Es handelt sich hier um
systematische konfessionelle Propaganda, teils um gedankenlose Nachschwätzerei
sensationslüsterner Menschen, die auf volksfeindliche Machenschaften von
Elementen hereinfallen, die die Furchtsamkeit gewisser Menschen für ihre Macht
und ihre Geschäfte missbrauchen.
Diese Vorgänge
zeigen, wie wichtig gerade während des Krieges die weltanschauliche Schulung
und Aufklärung ist. Die Auffassung mancher Gauleiter, sie hätten jetzt zu
wenig Arbeit und bedürfen neuer Aufgaben, lehnt der Führer daher auch rundweg
ab. Die Parteigenossen, in erster Linie die Politischen Leiter, und unter
ihnen besonders die Ersatzmänner während des Krieges, sind gegen jegliche Beeinflussung
durch konfessionelle Wunderprediger und politisierende Wahrsager
weltanschaulich und politisch zu festigen. Die auf wissenschaftlichen
Erkenntnissen der Rasse, – Lebens - und Naturgesetze aufgebaute
nationalsozialistische Weltanschauung muss solche Vergiftungsversuche unserer
Feinde wirkungslos an den Parteigenossen abprallen lassen.
Die Hoheitsträger
sind hierüber mündlich zu unterrichten.
Sie haben dafür zu
sorgen, dass sich besonders auf dem Lande, kein Parteigenosse an der
Weiterverbreitung politischer Weissagungen, konfessionellen Wunder – und
Aberglaubens sowie okkulter Wundermittel beteiligt.
-3-
Jedem derartigen
Gerücht, das in ihrem Bereich auftaucht, haben sie entgegenzutreten. Erwiesene
Urheber und systematische Verbreiter solcher politischen Weissagungen und
Gerüchten sind den zuständigen Stellen staatlicher Organe zur weiteren
Verfolgung bekanntzugeben. Wo notwendig, ist mit geeigneten
nationalsozialistischen Parolen zu antworten, so dass derartige Gerüchte
nicht ernstgenommen werden. Darüber hinaus kann diese Frage auch in
politischen Versammlungen von geeigneten Rednern in geschickter Form
behandelt werden.
Die Partei kann und
wird es nicht dulden, dass unverantwortliche Elemente durch mittelalterliche
Methoden das unter Opfern und im langen Kampf erworbene Vertrauen des Volkes in
die politische Führung mit allzu durchsichtigen Zielen zu beeinflussen
versuchen.
Heil Hitler
(M. Bormann)
Aktennotiz für Pg. Gutterer
über
Pg. Imhoff
Ich habe in der
Angelegenheit des Rundschreibens „Aberglaube, Wunderglaube und Astrologie“ als
Mittel staatsfeindlicher Propaganda soeben mit München gesprochen.
Reichsleiter Bormann
will mit dem Rundschreiben erreichen, dass die Prophezeiungen, die von den
kirchlichen und okkulten Kreisen kommen, lächerlich gemacht werden.
Diese Prophezeiungen beziehen
sich in erster Linie auf Festlegung von Terminen zum Friedensschluß.
Aus dem Rundschreiben
geht weiter klar hervor, dass gegen den Unfug des Handelns mit Heiligenbildern,
Medaillen und Amuletten zum persönlichen Schutz gegen Fliegerbomben sowie gegen
das konfessionelle Kettenbriefwesen von Schulung und Propaganda entsprechende
Schritte unternommen werden.
Die Anordnung an die
Gauleiter soll erreichen, dass sich kein Parteigenosse an der Weiterverbreitung
politischer Weissagungen, konfessionellen Wunder-und
Aberglaubens sowie derartigen Wundermitteln beteiligt. Die Gegenparolen – dies
geht klar aus dem Rundschreiben des Reichsleiters hervor – beziehen sich nicht
Gegenvorträge auf okkultistischem Gebiet, sondern lediglich auf diese poli-
-2-
tische
Gerüchtemacherei und Amulettenunfug. Auch das
Schreiben an den Minister bezieht sich auf dasselbe Gebiet, desgleichen die Anordnung
des Propagandaministeriums vom 4.6.1941 an die Reichspropagandaämter,
die lediglich auf das Rundschreiben des Reichsleiters Bormann an die Gauleiter
hinweist.
Diese Fragen haben
also gar nichts mit der soeben in der Besprechung behandelten
Gebiet einer Gegenpropaganda in Fragen in der Art der Eubisch-Vortäge
zu tun.
Berlin, den 11.6.1941
Ti/Hu
Lagebericht auf dem Gebiet des astrologischen
Schrifttums
.
.
.
Anlage 7
NIEDERSCHRIFT
Betr. Kriegspropaganda durch Nostradamus
Auf Grund der hier
beigefügten Niederschrift vom 30. Januar 1940 wurde durch Reichsleiter
Alfred Rosenberg die Entscheidung getroffen, dass Prophezeiungen des Michel
Nostradamus parteiseitig nicht mehr zitiert werden dürfen.
Dessen ungeachtet
haben bekannte Zeitschriften, und zwar “Der Reichswart“ und der “Märkische
Adler“ zur Jahreswende 1940/41 je einen ganzseitigen Beitrag über diesen
Propheten mit Auslassungen über die gegenwärtige Kriegslage gebracht. Ausserdem aber sind die in der vorher erwähnten
Niederschrift Abzüge einer Originalausgabe der Prophezeiungen des
Nostradamus inzwischen tatsächlich hergestellt und
an führende Männer der Partei verteilt worden. Das Wesentliche hierbei
ist, dass diesen Fotokopien eine gedruckte „Einführung zu den Prophéties“ aus der Hand eines bekannten Berufsastrologen
beigefügt und damit die ganze Angelegenheit ins rein astrologische Fahrwasser
geleitet wurde.
Der hier in Rede
stehende Sterndeuter Karl Ernst KRAFFT ist der gleiche, der auch in einer Broschüre,
die das Amt der Schrifttumspflege aus der Hand des Pg. Schulte – Strathaus erhielt, als derjenige erscheint, der eine
“wissenschaftliche Bereinigung“ der Astrologie durchzuführen in der Lage wäre.
Wenn man den
Prophezeiungen des Nostradamus folgen will, so begibt man sich damit restlos
auf den Boden des Fatalismus, denn wie sollte sonst die Behauptung begründet
werden, dass Orakelworte aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Ereignisse des 20.
Jahrhunderts also vollkommen feststehend enthalten.
“Der Reichswart“ in
seiner Folge 50 lässt sogar zu, dass der Verfasser jenes Aufsatzes, C. Loog, in vollkommen eindeutiger Weise den Ausdruck
Nostradamus “Kapitän von Großdeutschland“ auslegt und somit die Person des
Führers in die Sache hineinzieht. Loog lässt unter
der Vorgabe, den Schlüssel zu den Prophezeiungen des Nostradamus zu besitzen,
durchblicken, dass er jedes von dem Propheten angeblich vorher gesagte Ereignis
entziffern könne, d. h. also mit anderen Worten, dass führende Männer sich nur
an ihn zu wenden brauchten, um zu erfahren, was nach der Vorschau nunmehr zu
erfolgen habe.
Kriegsprophezeiungen
sind an und für sich schon höchst unerwünscht, wenn sie aber gar von massgebenden Stellen gefördert werden, dann muss man sie
in Ansehung der kritischen Gesamtlage im Bereich der Astrologie als höchst
bedenklich bezeichnen.
Wir bitten daher, für
die Unterdrückung von Kriegsprophezeiungen im allgemeinen und solche des Nostradamus
im besonderen nachdrücklichst einzutreten. Hinzuzufügen
ist, dass von der DAF. eine Sonderausgabe in Höhe von einigen 100 Exemplaren
der Prophezeiungen des Nostradamus herausgegeben wurde, die den führenden
Persönlichkeiten der Bewegung zugestellt wurde.
Abteilung
Inf.
IV
Berlin,
19. Juni 1941
Dr.
Wilmanns
Geheim!
An
das Büro Inf.
Im
Zuge neuer Entwicklungen ist astrologische Propaganda auch im Ausland bis auf
weiteres unerwünscht. Da gleichzeitig im Reich überall dafür Sorge getragen
wird, daß mit astrologischem Schrifttum kein Mißbrauch getrieben werden kann,
sind in Zukunft sämtliche Vorgänge in der Inf. – Abteilung, die sich auf
astrologische Propaganda beziehen, als Geheimsache zu führen. Ich bitte
deswegen, folgende Vorgänge herauszusuchen, als Geheimsache zu bezeichnen und
entsprechend zu behandeln.
1. Alle Vorgänge, die
sich auf Nostradamus – Propaganda, sowie den Nostradamus – Kenner K. E.
Krafft beziehen.
2. Berichte und
Erlasse der Dienststelle Brüssel, betreffend der
astrologischen Zeitschrift DEMAIN.
3. Vorgänge
betreffend der Schrift von Noesselt „Sterne helfen
den Deutsche siegen“, sowie entsprechender Schriftwechsel mit Herrn Noesselt, Berlin.
Anmerkung:
Die „neueren
Entwicklungen, die astrologische Propaganda auch im Ausland“ zum unerwünschten
Gegenstand werden ließen, nämlich Rudolph Hess Flucht nach England, zog den
Geheimbefehl „Aktion gegen die Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften“
vom 04.06.1941 nach sich (siehe Dokument 20).
Abtl. Inf. IV
Berlin
22. Oktober 1941
Dr. Wilmanns
Betr.: Astrologische
Propaganda
Im vorigen Jahr sind
von uns mit gutem Erfolg Bearbeitungen der Nostradamus – Prophezeiungen
eingesetzt worden. In diesem Jahr hatte ich eine Broschüre fertig stellen
lassen „Sterne helfen den Deutschen siegen“, die den bisherigen Kriegsverlauf
unter astrologischen Gesichtspunkten zeigt, die zeigt unter welch günstigen
Vorzeichen die deutschen Offensiven gestanden haben und wie günstig die
Vorzeichen der deutschen Heerführer sind. Die Schrift schließt auf Seite 88 ff
mit Vorsagen für das Jahr 1941, die man bei einiger gläubiger Fantasie und
geschickter Auslegung sogar halten könnte.
In Vorbereitung war
eine weitere Schrift, die auf die schlechten Vorzeichen der englischen
Politiker hinweist. Beide Autoren sind im Anschluß an die Angelegenheit Hess
von der Geheimen Staatspolizei zusammen mit mehreren Hundert anderen Berliner
Astrologen festgesetzt worden.
Bei der
telephonischen Rücksprache mit der Geheimen Staatspolizei (Herrn Ehrhardt)
wurde von dort der Standpunkt vertreten, daß Propaganda mit astrologischen
Mitteln auch im Ausland unerwünscht seien. Die Arbeit an obigen Schriften sind
alsdann vorläufig eingestellt worden.
Im vorigen Winter ist
im übrigen auf unsere Veranlassung in Brüssel die astrologische Zeitschrift „Demain“ unter der Zensur des dortigen Militärbefehlshabers
wieder eröffnet worden.
Hiermit Herrn
Generalkonsul WÜSTER
Vorgelegt mit der
Bitte um grundsätzliche Entscheidung:
1. ob in Zukunft im
Ausland wieder Propaganda mit astrologischen Mitteln betrieben werden soll,
2. ob und in welcher
Form wir uns mit der Geheimen Staatspolizei wegen einer gegebenenfalls zeitweisen Beurlaubung der für uns notwendigen Autoren in
Verbindung setzen sollen.
Anmerkung:
Bei den beiden in
Dokument 24 genannten Autoren, die nach der Flucht von Rudolph Hess
festgesetzt wurden, handelt es sich um Karl E. Krafft und den Astrologen Heinz Noesselt, über den eine umfangreiche Personenakte der
Reichsschrifttumskammer existiert ( BArch
(ehemals BDC), SSO Noesselt Heinz, 5.11.1900)
Von Karl E. Krafft
wissen wir, daß er im Mai 1941 sein nie veröffentlichtes Manuskript „Das Schicksal des British Empire“ fertigstellte, welches im PAAA
vorliegt. Zwar waren über Heinz Noesselt und den
Verwendungszweck der deutschsprachigen Propagandaschrift „Sterne helfen den Deutschen siegen“ keine Dokumente im PAAA aufzufinden, aber dieses Werk
wurde von der Informationsstelle in den Druck gegeben, denn in der BSB ist es
unter der Signatur 50
MA 15322 bestellbar. Am 30.07.1941 füllte
er ein Antragsformular auf Mitgliedschaft in der Reichschrifttumskammer aus und
die darin gemachten Angaben widerlegen die bisherige Annahme, daß es sich bei
Heinz Noesselt um ein Autorenpseudonym für Hans
Hermann Kritzinger handeln könnte.
Dokumente zu Heinz Noesselt sind im BArch R
einzusehen.
Die Negativbeurteilung
der NS-Zensurbehörden zum Manuskript „Martin Luther als Judenfeind“ ist
Bestandteil eines erhaltenen Aktenvorganges, der insgesamt 19 Seiten umfaßt.
Aus dem Gesamtkontext
geht hervor, daß der Verfasser sein Manuskript am 09.09.1941 selbst beim RMVP
einreichte, und daß dieses am 29.04.1942 mit einem Vermerk aus der Münchner
Reichskanzlei nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Außerdem sind aus
diesen Dokumenten zwei weitere Schriften ersichtlich, die Alexander Centgraf verfaßte und zur Prüfung
vorlegte:
„Wo stünde Martin
Luther heute?“
„Wahrheit statt
Legende“
Da alle drei Titel
zwischen 1940 – 1941 entstanden und heute nicht mehr nachweisbar sind, muß
angenommen werden, daß diese nie in den Druck gingen. Ganz im Gegensatz dazu
wird der publizierte Titel „Ein Jude treibt Philosophie“ in diesem Aktenvorgang
nicht genannt und ist bis heute noch in zahlreichen Bibliotheken einzusehen.
Beurteilung
des
Manuskripts „Martin Luther als Judenfeind“ von Dr. Alexander Centgraf.
Die
von Centgraf vorgelegte Zusammenstellung ist m. E.
nicht zu einer Veröffentlichung geeignet, da sie eine christliche
Tendenzschrift darstellt.
Gerade
wegen ihres volkstümlichen Charakters müssen an solche Schriften stärkste Anforderungen
gestellt werden. Die Abhandlung Centgrafs ist aber
völlig aus dem christlichen Gesichtspunkt heraus geschrieben. Der Verfasser
will, wie er im Vorwort selbst angibt, mit seiner Darstellung weite und
breite Kreise des evangelischen Kirchenvolkes, denen bis heute die Mitteilung
über die Judenfeindschaft Luthers vorenthalten wurde, erfassen.
Zwar
verspricht der Verfasser im Vorwort, den religiösen Blickpunkt der bisherigen
Veröffentlichungen zu diesem Thema zu überwinden, dieser
programmatischen Forderung wird der Verfasser jedoch in seinen Abhandlungen
nicht gerecht.
Vor
allem scheint mir die These des Verfassers, Luther sei der erste deutsche und
vielleicht größte Antisemit vor Adolf Hitler gewesen ( Vorwort ) und Luther
sei der erste unter allen großen Deutschen, der das jüdische Problem vom
rassischen Standpunkt aus betrachtete habe, ( S.22 ) politisch deshalb so
gefährlich, weil Centgraf in seiner Darstellung
nachzuweisen sucht, daß die aus rassischen Gesichtspunkten hergeleitete
Gegnerschaft gegen das Judentum und die aus christlichen Gesichtspunkten erwachsende
Judenfeindschaft sehr wohl sich vereinigen lassen und in Martin Luther bereits
eine tragfähige Vereinigung gefunden habe.
In
der Erhärtung dieser These scheint mir die bedenkliche Auswirkung der Centgrafschen Darlegung und ihre verschleierte politische
Absicht zu liegen. Der rassisch gegründete Antisemitismus und der christlich
gefärbte Antisemitismus werden damit in eins gesetzt und die Forderungen des
Nationalsozialismus als christliche Forderungen aufgezeigt.
Wenn
Centgraf so ausführt, Luthers Hass gegen die Juden
entspringe also nicht zuerst seinem religiösen Empfinden, sondern seinem
Blute ( S. 21 ), so wird damit in seiner Abhandlung
zum Ausdruck gebracht, daß rassische Erkenntnis und christliche Haltung
durchaus zu vereinbaren seien.
Die
christliche Gebundenheit des Verfassers spricht ja aus fast allen seinen
Formulierungen, wenn er sich an die christlichen Kreise wendet ( S. 6 ) oder an die christliche Lebensgesinnung appelliert
oder zum Christenvolk spricht usw. Darüber hinaus formuliert der Verfasser
auf Seite 8 ausdrücklich, er wolle „die evangelischen Christen mit der unverfälschten
Meinung Luthers gegen die Juden bekanntmachen“ und ihnen nachweisen, Luther
habe festgestellt, daß das Evangelium über den Juden versage und jeder Bekehrungsversuch
an einem Israeliten nichts weiter sei, als ein Versuch an einem untauglichen
Objekt ( S.20 )
Auch
die Schilderung auf Seite 7 unten – von dem deutschen Bauern, „der doch noch
oft in seinem schlichten Gotteshaus inmitten des dörflichen Friedens seine
Seele still werden läßt vor dem Ewigen“ – zeigen deutlich eine politische
Absicht. Wie wäre sonst die Formulierung „noch oft“ zu verstehen?
Auch
die Darstellung der inneren Haltung Luthers zum Problem des Judentums ist m. E.
nicht überzeugend ( S.19 ).
Ein
Grund, eine Verteidigungsschrift dafür zu schreiben, daß Luther immer
konsequent in der Judenfrage gedacht und gehandelt habe, besteht m. E. nicht.
Letztlich vermag die Abhandlung Centgrafs das Bild
eines in dieser Frage schwankenden Luthers nur zu bestärken.
Die
politische Absicht der Schrift liegt jedoch m. E. darin, den Rassengedanken mit
dem Christentum zu versöhnen und in dieser Sicht hat der Verfasser recht, wenn
er schreibt, daß das Judenproblem auch über die Zukunft des christlichen
Glaubens und der christlichen Idee überhaupt entscheidet. Wenn man statt
Judenproblem Rassenproblem sagt, wird die Gefährdung, die der Verfasser mit
seiner Abhandlung bekämpfen will, eindeutig sichtbar. Die Centgrafsche Schrift ist als eine reine christliche Tendenzschrift,
die den Nachweis erbringen soll, Rassenbewußtsein und Christentum seien grundsätzlich vereinbar, abzulehnen.
gez. Knöpfel
Verdiente Männer der
Wissenschaft vom Führer ausgezeichnet
Berlin, 31. Januar.
Der Führer hat aus
Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages der Machtsübernahme eine Anzahl um
die Lösung von Kriegsaufgaben besonders verdiente Männer der Wissenschaft den
Titel Professor verliehen; es sind dies:
Der Generalarzt z. V.
med. Richard Hamann in Berlin-Dahlem, der Generalarzt Dr. med
Hans Müller in Berlin Wilmersdorf, der Leiter der Auslandsabteilung der
Reichsärztekammer in Berlin, Dr. med. Hellmut Haubold,
der Ministerialrat Dr. Eugen Stähle in Stuttgart, der Chefarzt der
Chirurgischen Abteilung des St.-Hedwig-Krankenhauses
in Berlin Dr. med Johannes Petermann, der Chefarzt
der Chirurgischen Klinik der Städtischen Krankenhäuser in Dortmund Dr. med Ernst Wild der leitende Arzt der Kilinik
für Naturheilkunde am Gerhard-Wagner-Krankenhaus zu Dresden Dr. med. habil.
Alfred Brauchle, der Facharzt für Frauenkrankheiten
und Geburtshilfe Dr. med Hans Stadler in
Geiselgasteig bei München, der Facharzt Dr. med Oskar
Weski in Berlin W 15, der Leiter des
Pharmakologischen Laboratoriums der Schering A.-G. Berlin Dr. phil Max Dohrn, der Direktor der
Krupp-Werke Dr. Ing. Erich Müller in Essen, der leitende Regierngsdirektor
Dr.-Ing. Friedrich Brandes in Kiel, der Wehrwirtschaftsführer Dipl.-Ing. Krt Tank in Bremen, der Privatgelehrte Dr. phil. Hans Hermann Kritzinger in Berlin-Steglitz, der Oberregierungsrat vom
Reichskommissar beim Oberprisenhof Berlin Dr.jur.
Berthold Wildmann, der Oberassistent am Geologisch-Paläontologischen Institut
der Universität Berlin rer. nat. Wilhelm Dietrich.
Anmerkung:
Laut den Berliner
Adreßbücher und Einwohnerverzeichnissen ist Dr. Hans Hermann Kritzinger zwischen 1933 – 1943 nachzuweisen. Seine
Anschrift wird in diesen Jahren stets gleichlautend angegeben: Kritzinger Hans Herm Dr Astronom
Steglitz Sedanstr 16.
Abschrift/K.
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
Partei-Kanzlei
Führerhauptquartier, den 10.7.43
Der Leiter der
Parteikanzlei München 33,
Führerbau
Eo/Z
Herrn
Persönlich
Reichsleiter
Rosenberg,
Berlin-Charlottenburg
2,
Bismarckstr. 1.
Betrifft:
Professor Hermann Kritzinger
Sehr geehrter Herr Rosenberg !
Sie übergaben mir am 21.5. eine den Okkultisten Hermann Kritzinger betreffende Niederschrift: Kritzinger
erhielt nach dem „Völkischen Beobachter“ von 1.2. mit anderen um die Lösung von
Kriegsaufgaben besonders verdienten Männern der Wissenschaft den Titel Professor.
Meine Nachforschungen ergaben, daß der Vorschlag, den Okkultisten den
Professor-Titel zu verleihen, vom Oberkommando der Kriegsmarine ausgegangen
ist; Kritzinger soll mit einem ganzen Stab
sogenannter Pendler sich um die Auspendelung von Geleitzügen bemüht haben!
Ich werde festzustellen versuchen, ob auch nach dem Wechsel der
Marineleitung diese Pendelei fortgesetzt wird.
Im übrigen soll Herr Kritzinger ein guter
Bekannter des Admirals Canaris sein.
Heil
Hitler !
Ihr
gez: Bormann
Anmerkung:
Zum
„Pendelinstitut“ siehe Ellic Howe
„Uranias Kinder: Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich, S.
317 - 319“.
Ilse Hess
Bad Oberdorf
Haus Bürgle
8
Fernruf Hindelang
13. Oktober 1944
Einschreiben!
Reichsführer
SS
Heinrich Himmler
Berlin SW 11
Prinz Albrechtstr. 8
Feld-Kommandostelle
……………….
……………….
Sie als Chef der deutschen Polizei haben zwar seit Langem Zauberei,
Wahrsagerei usw. usw. verboten, - und ich steh ja Gott sei Dank eher in dem
Ruf, überirdische Dinge in diesem Zusammenhang abzulehnen – aber hat
Ihnen nicht auch vor Jahren schon jemand von jener
Nostradamusprophezeiung erzählt, nach der „der Russe an den Toren des Reiches
stehen würde, im Rhein Blut fließen müsse, bis urplötzlich Ausgang 1944 der
Umschwung kommen würde“. Nur dürfe der „Feind niemals seinen Fuß auf die
Lüneburger Heide setzen, dann wäre das Reich verloren“ – würde das aber
vermieden, und käme vorher noch der Mann aus dem Westen zurück, dann würde man
den Bären (also den Russen) zuerst vernichten, dann den Löwen (also England)
und das „Reich der Mitte“ würde einer langen und grossen
Zukunft entgegensehen.
Jetzt denken Sie nicht, ich habe Ihnen den Brief wegen dieser ollen
Weissagung geschrieben – ich hab sie vor zwei Jahren schon einmal gehört, hab
damals wegen der Lüneburger Heide gelacht – jetzt erscheint sie einem ja immerhin
als nicht so absurd – und hab als den Mann aus dem Westen den alten Herrn
Pétain angesehen. Ich brauch auch keine alte Prophezeiung, um mich im Glauben
und der Zuversicht zu stärken – aber sicherlich giebt
es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich unser Verstand nicht träumen lässt,
die vielleicht einmal von uns begreifen werden. Heute, wo sie noch „Zauberei“
sind, soll man sie sicher nicht Herr werden lassen über sich. Aber seit der
Gedanke an meines Mannes Rückkehr sich so festgefressen hat in mir, erscheint
mir doch manchmal der “Mann as dem Westen“ der Prophezeiung!
Anmerkung:
Der
Brief von Ilse Hess, die Ehefrau von Rudolph Hess, an Heinrich Himmler umfaßt 5
Maschinen beschriebene Seiten. Darin appelliert sie in weiten teilen an seinen
Einfluß dafür Sorge zu tragen, ihren Ehemann „von drüben herauszuholen“.
Der
zitierte Text dokumentiert in aller Deutlichkeit, daß Nostradamus
Prophezeiungen in einer völlig übersteigerten Form im Umlauf waren.
Berlin, den 5. Januar 1945
Herr Leiter Pers
Betr: Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes und
der
Kriegsverdienstmedaille an Angehörige
der Antikomintern.
1.) Karl Baumböck
Bln.-Schöneberg
Badische Str. 2
I. Kriegsverdienstkreuz I. Klasse ohne Schwerter
Herr Baumböck hat als Generalsekretär der Antikomintern praktisch seit Jahren die gesamte Leitung der
Antikomintern. Er hat mit eigener Initiative und
großen Fleiß sämtliche Propagandamaßnahmen auf dem antibolschewistischen und
bis zum Herbst des Jahres 1943 auch auf dem antijüdischen Sektor durchgeführt.
Diese
Propagandamaßnahmen liefen sehr häufig im Rahmen großangelegter politischer
Aktionen, die für den Kriegsverlauf von ausschlaggebender Bedeutung waren. B.
hat sich für seine Aufgaben immer voll und ganz eingesetzt. Er hat außerdem die
Antikomintern über die schwierigsten Situationen, in
die sie infolge mehrfacher Ausbombungen geraten war, glücklich hinweggebracht,
so daß heute in der Antikomintern über ein
schlagkräftiges Propagandainstrument verfügt werden kann.
II.
Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ohne Schwerter
1.) Dr. Alexander Centgraf
Schlieben
über Herzberg, Klater
Herrenstr.
10
Dr. Alexander Centgraf ist seit mehreren Jahren
freier Mitarbeiter der Antikomintern. Er hat
vorwiegend bei kriegswichtigen Sonderaktionen der Antikomintern
mitgearbeitet; so z.B. „Nostradamus“-Aktion. Centgraf hat die ihm übertragenen Aufgaben mit ausserordentlichem Können und Fleiß sowie der
erforderlichen Diskretion durchgeführt.
- 2 -
Auszug aus dem Geschäftsverteilungsplan
des Wirtschafthauptamtes 1945 zu Dr. Werner Wilmanns
Planungsamt
|
Name Vorname |
Geb.- Datum |
Beruf |
Heimat- anschrift |
13) 1) Letzt. Tätigkeitsort 2) Vermutl.
Aufenthalt |
|
Wilmanns, Dr. Werner
√ Ziemann, Arnold
√ Zimmermann, Dr. Max
√ |
23.4.12 4.8.99 9.4.84 |
Ref. Ref. Ref |
? Wilmdorf ? Bln NW 18, Kaiserin Auguste–Allee 97c Leipzig W 35, Baum- garten–Crusiusstr.3 |
Anfang 1945 einberufen 1) Bln–Kürfürsten-
damm 57 1) Bln–Kürfürsten-
damm 57 |
Anmerkung:
Die Wohnanschrift Dr.
Werner Wilmanns war auch anhand starker Vergrößerungen nicht einwandfrei lesbar
zu reproduzieren. In der zweiten Zeile ist jedoch „Wilmdorf“ zu erkennen. Dies
deutet darauf hin, daß Dr. Wilmanns zur Zeit der Erstellung dieses Schriftstückes,
also 1945, im Berliner Stadtteil Wilmersdorf lebte.
In den „Berliner
Einwohnerverzeichnissen“ ist der volle Name Dr. Werner Wilmanns zwar
nachzuweisen, aber eine sichere Zuordnung zum Mitarbeiter der Informationsstelle
IV ist nicht gegeben.
Soweit aus den
erhaltenen Beständen im PAAA und der „Akten zur Deutschen auswärtigen Politik , 1937 – 1941“ ersichtlich, wurde die Tätigkeit
der Informationsstelle 1943 gänzlich eingestellt. Dr. (Werner) Wilmanns
wechselte daraufhin als Referent des Planungsamtes wieder ins Wirtschaftshauptamt
bis er Anfang 1945 von der Wehrmacht eingezogen wurde. Sein weiteres
Schicksal war nicht zu ermitteln, und da er auch nicht im Gedächtnisprotokoll
von Anna Theresia Krafft van de Koppel als Zeuge benannt wurde, ist davon auszugehen,
daß er nicht bis Kriegsende überlebte.
Anmerkung:
Der Familienname Wipfelder auf dem Briefkopf (Seite 1) ist anhand der „Berliner
Einwohnerverzeichnissen“ nicht nachweisbar.
Aufgrund einiger Anfragen, weshalb ausgerechnet dieses
wichtige Dokument nicht in vollem Umfang wiedergegeben wird, muß hier auf das
IFZ verwiesen werden. Das Institut vertritt die prinzipielle Auffassung, daß
die Veröffentlichung „ihrer Dokumente“ unerwünscht sei und gegen die
Nutzungsbedingungen des Hauses verstoßen würde. Wer also über den Gesamtinhalt
des Gedächtnisprotokolls verfügen möchte, muß sich an das IFZ wenden.
Kurzer
Lebenslauf und Begleitumstände, die der Verhaftung K. E. Krafft’s
vorausgingen.
...................
...................
Im
Herbst wurde mein Mann eines Tages angerufen von Herrn Wilmanns aus dem Auswärtigen
Amt mit der Bitte, die Arbeit eines Herrn X. über Nostradamus, mit der er nicht
zufrieden war, zu korrigieren. Er hat den Vorschlag zunächst abgeschlagen, da
er bereits genug zu tun hatte. Nach anhaltendem Drängen sagte er zu, sich die
Arbeit anzusehen, die er jedoch zurückwies mit der Begründung, er könne die
Sache nicht korrigieren, er müsse sie neu verfassen, woran er aber gar nicht
dachte. Dr. Wilmanns bat ihn nun eindringlich, er möge nun ein
Kommentar zu den Prophezeiungen schreiben, wozu K. E. Krafft schließlich seine
Einwilligung gab aus der mir gegenüber ausgesprochenen Überlegung heraus:
“Ich kann der Welt damit einen Sinn bekunden, “der jedoch keineswegs besteht
aus der Vorwegnahme künftigen Geschehens, sondern ein Zeugnis vom Bestand
überzeitlicher Welten und Kräfte, trotzdem die Prophezeiungen meist Not und
Ungemach bekunden...“, wie er sich in der Einleitung der oben erwähnten
Fotokopie dieser Prophezeiung ausdrückt. Das Buch erschien unter dem Titel: “Comment Nostradamus voit-il l’avenir de l’Europe, “ als er
sich schon in Haft befand. In Deutschland durfte das Buch aber nicht verbreitet
werden. Vor Abschluß desselben kam es einige Male zu einem Zusammenstoß mit
Dr. Wilmanns, da meinem Mann zugemutet wurde, geschichtliche Daten und
Ereignisse und ihre unwillkommene Deutungen zu ändern. Er weigerte sich kategorisch
und sagte, daß er seinen Namen nicht dafür hergäbe. Schließlich kam es zu
einer Einigung, indem nur mehr verlangt wurde, die unwillkommenen Verse und
ihre Deutungen wegzulassen. Dadurch bekam das Buch einen einseitigen Charakter.
...................
...................
Anmerkung:
Der obige Auszug stammt
aus dem 17 Maschinen beschriebenen Seiten umfassenden Gedächtnisprotokoll,
das die Ehefrau von Karl E. Krafft, Anna Theresia van de Koppel, am 12.03.1954
dem Münchner IFZ überreichte. Alle Dokumente dieses Archivs, die sich auf
seine Person beziehen, sind unter der Signatur ID 105/1 einzusehen.
Ihre Darlegungen sind
insgesamt als eine seltsame Mixtur aus nachweisbaren Fakten und Halbwahrheiten
zu werten. Dies ist jedoch insoweit verständlich, als daß sie im Rahmen eines
angestrebten Entschädigungsprozesses keine Angaben machen konnte, die ihren
Mann im nachhinein kompromittiert und belastet hätten.
Beispielweise widerlegt
der Inhalt des Dokumentes 4 ihre Behauptung, ihr Ehemann sei im Herbst 1940
von Dr. Wilmanns angerufen worden, um ihn zur Kooperation geradezu zu
nötigen; dies geschah bereits am 06.05.1940 in einer Art und Weise, die nicht
den Schluß zuläßt, daß die Aufforderung zur Kooperation durch den Abteilungsleiter
der Informationsstelle, Dr. Rahn, mit erheblichen Druck erfolgte.
Des weiteren ergeben
sich aus Dokument 5 keine offensichtlichen Indizien dafür, daß Karl E. Krafft
das Gespräch mit Dr. Wilmanns in einer zwanghaften Atmosphäre führte. Seine
vertrauensselige Mitteilung, wonach Hans Hermann Kritzinger
versucht hätte, bei ihm Nostradamus–Material
herauszulocken, beruhte auf seiner Eigeninitiative.
Auch ist der erhaltenen
Korrespondenz des A. A. zur Urheberschaft des Buches „Hoe zal deze oorlog endigen?“ zu entnehmen, daß er
mit seiner Anfrage vom 16.04.1940 vier Exemplare dieses
Buches über das A. A. anforderte und auch erhielt. Die Dokumente der Informationsstelle
belegen also, daß er schon weit vor dem Herbst 1940 mit Beamten des A. A. in
Kontakt stand.
Auszug aus „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1937 – 1941,
Serie D, Band 10, Seite 496“ zur
Informationsstelle IV, Referatsleiter Dr. Wilmans
aus dem Wirtschaftshauptamt.
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