Archivdokumente

 

An dieser Stelle seien ein paar Worte vorausgeschickt, um der weit­verbreiteten Fehl­ein­schätzung entge­genzutre­ten, wo­nach die Ein­sicht in historische Archive einer Elite vorbe­hal­ten ist und sehr re­striktiv gehandhabt wird. Das Nutzungsrecht in derartigen Institutio­nen un­terliegt dem Bun­desar­chivge­setz und räumt grundsätzlich jedem, un­ab­hängig von Referenzen, aka­demischen Titeln oder offi­zi­ellen For­schungsaufträgen, die Einsicht in Ar­chivbestände ein.

Bei Antragstellung auf Nutzung ist lediglich der Zweck (wissen­schaftlich bzw. publi­zi­stisch) und das Thema einer Forschungsarbeit zu benennen sowie eine Erklä­rung zu unter­zeichnen, die ins­beson­dere zur Rücksichtsnahme auf Urheber– und Persönlich­keitsrechte Dritter verpflichtet. Dies bedeutet, daß grobe Verstöße gegen die Nutzungs­bedin­gungen auch den Ausschluß zur Folge ha­ben können.

Bei exakter Benennung eines Forschungsprojektes sind die Archi­vare dazu in der Lage, die Recherchen optimal vorzube­reiten, indem diese rele­vante Signa­turen ermit­teln, bestellen und schon beim er­sten Besuch der Lesesäle zur Ver­fügung stellen.

Darüber hinaus hat der Nutzer jederzeit die Möglich­keit, an­hand von oftmals um­fang­reichsten Findmittelbüchern, digitalisierten sowie Mikrofiche– und Zettelkatalogen alle er­denklichen Archivalien eigen­ständig zu er­mitteln, die aus den Magazinen vorge­legt wer­den sol­len. 

Prinzipiell gilt, daß die erhaltenen Bestände nach einer Sperrfrist von 30 Jahren der Öffentlichkeit zur Einsicht zugänglich gemacht wer­den müssen. Eine der wenigen Aus­nahmen ist z. B. dann gege­ben, wenn diese einen sehr schlechten Er­haltungszustand auf­wei­sen. Da solches Material jedoch oftmals laufend mi­kroverfilmt wird, ist ein derartiger Fall sehr unwahrscheinlich.

Auffällige Indizien für die Existenz von oftmals vermuteten Gift­schränken oder omi­nö­sen Geheimbeständen können hier selbst nach zahlrei­chen Recherchen in den un­ter­schiedlichsten Institutionen nicht benannt werden. Diese Beobachtung beschränkt sich je­doch auf Uni­versitäts– und Staatsbibliotheken sowie staatliche Einrichtungen, die histori­sche Archivbestände verwalten.

Die in der BRD sehr günstigen Bedingungen sind keineswegs selbstver­ständlich und ermöglichen oftmals Forschungsergebnisse, die auf Grund der Einzigartigkeit von Archi­valien auf keinem anderen Wege zu erzielen sind.

Nach Auskunft des PAAA sind über 40 % der privaten Nutzer Per­sonen nicht deut­scher Staatsange­hörigkeit. Die große Mehrzahl die­ser Nutzer recherchiert nach wie vor in den Aktenbeständen der Na­zidiktatur (1936 – 1945) und reisen dazu oftmals eigens nach Berlin!

Die Besucherstatistik des Bundesarchivs für das Jahr 2005 weist unter „ 3.1 Per­sönli­che Benutzungen“ 8446 Personen auf, welche die Archive für ihre Recherchen konsul­tierten. Auf diese Gesamtzahl entfallen 1358 Personen mit nicht deutscher Staatsangehö­rigkeit. Des weiteren wurden in dieser Institution insgesamt 63068 schriftliche Benutzungen und Beantwortungen von Emailanfragen  verzeichnet. Im Ver­gleich zur Jahresstatistik 2004 sind diese Zahlen na­hezu gleichbleibend hoch.

Ein besonders extremes Beispiel für restriktiven Umgang mit hi­storischen Ar­chiven ist das türkische Nationalarchiv „Milli Kütüphane“ in An­kara, das sich unweit des Mili­tär­hauptquartiers! be­findet. Selbst für international renommierte Historiker ist der Zugriff auf die rele­vanten Bestände gesperrt. Dies trifft insbesondere auf die Archiva­lien zu, die einen direkten Bezug zum Völkermord an den Armeniern vor, wäh­rend und nach dem Ersten Weltkrieg aufweisen.

 

Die erhaltenen Archivdokumente zur Nostradamus-Propa­ganda und den darin invol­vierten Einzelpersonen sind als ausge­spro­chener Glücksfall zu werten, da ein Großteil der Ak­tenbestände des RMVP und des PAAA, die vor und während des Zweiten Welt­krieges ent­standen, entweder vorsätzlich oder durch Kriegseinwir­kung (Bom­bar­dierun­gen, Was­sereinbrüche in Archiven ect.) vernichtet wurden. Beispielsweise gingen über 60 % der Aktenbestände des A. A. von 1936 – 1945 durch einen Unfall während eines Auslage­rungstrans­portes unwiederbringlich verloren. Bis heute sind Mitarbeiter des PAAA damit beschäftigt, Akten, die dabei nicht gänz­lich verbrannten, zu restaurieren.

Zu den Beständen des RMVP ist zu sagen, daß insbesondere die Vernichtung der Ge­heimakten schon Anfang Februar 1945 beschlos­sene Sache war. Im Vergleich zu den überlieferten General­aktenplä­nen ist der heute zugängliche Umfang des Signatu­renbe­standes R 55 als äußerst lückenhaft zu bezeichnen. So sind in den entsprechen­den Findmittelbüchern keinerlei Hinweise aufzufinden, welche die be­hör­deninternen Korre­spondenzen zur Nostradamus-Propaganda ent­halten, noch sind Dokumente ermittelbar, die Hinter­grundin­for­ma­tio­nen zu relevanten Personenzusam­menhängen in die­sem Kon­text liefern könnten. Auch ist davon auszugehen, daß das ge­samte Plakat – und Flug­blattarchiv sowie das Archiv der Geheim­sender vor Kriegsende ver­nichtet wurde.

 

Archivdokumente, die anhand der „Akten der Parteikanzlei der NSDAP, 1983“ ermittelt werden konnten, sind nicht mit vollständi­gen Bestellsignaturen anzugeben. Es können nur die Bestandssignaturen und das haltende Archiv für die einzelnen Dokumente benannt werden. Bei den „Akten der Parteikanzlei der NSDAP, 1983“ handelt es sich um ein mehrbändiges Index– und Regestenwerk mit einer dazugehörigen Mikrofichesammlung. Auf diese Edition, die einen sehr schnellen und unkomplizierten Zugriff auf gesuchte Ar­chivdokumente ermöglicht, wurde in der Berliner Staatsbibliothek zugegriffen.

 

Die nachfolgenden Dokumente werden als Transkriptionen und der chro­nologi­schen Reihenfolge ihrer Ent­stehung möglichst in vollem Umfang wiedergegeben. Gelöschte Scanfaksimiles werden nicht mehr hochgeladen!

 

Dokument I (private Quelle)

 

Das Originaldokument stammt nicht aus historischen Archiven! Es handelt sich dabei um ein Einladungsschreiben des Gemeindekir­chenrates zur Wiedereröffnung der Schliebener Martinskirche am 3.11.1934, unterschrieben mit Centgraf.  

 

 

Dokument 1 (Archiv der EKM) 

 

 

Magdeburg, den 8.März 1935

 

 

Beschluß

 

 

Der Pfarrer Alexander Centgraf in Schlieben, geboren am 8. März 1893 in Thale (Harz), ist verdächtig,

 

1.     In den Jahren 1928 bis 1934 mit der Krankenschwester Elfriede Buchholz, wohnhaft in Berlin, ein Liebesverhältnis unterhalten zu haben.

2.     während dieser Zeit auch mit anderen Frauen unerlaubte Beziehungen unterhalten zu haben.

3.     Elfriede Buchholz zur Abgabe unwahrer Erklärungen seiner vorgesetzten Behörde gegenüber veranlaßt zu haben.

4.     Über seine Beziehung zu Elfriede Buchholz Herrn Bischof Peter gegenüber unter der Abgabe seines Ehrenwortes unwahre Angaben gemacht zu haben.

 

Pfarrer Centgraf hat sich hierdurch der Achtung, des Ansehens und des Vertrauens, welche sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Es wird deshalb das förmliche Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Entfernung aus dem Amt gegen ihn eröffnet.

Ferner wird seine vorläufige Suspendierung vom Amte verfügt ( §§ 2, IV, 18, 41 des kirchlichen Disziplinargesetzes vom 16. Juli 1886 – kirchliches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 81.)

Zum Untersuchungsführer wird der Gerichtsassesor Dr. Dalhoff und zum Vertreter der Anklage Konsistoral – Rat Schulz bestimmt.

 

Vermerk bei XII Nr. 653

Aktenzeichen, SchliebenCentgraf Disziplinarakten

Abschrift geht zu den Personalakten

 

Magdeburg, den 8. März 1935

 

       Unterschrift

 

 

 

Anmerkung:

Die erhaltenen Konsistoriumakten zu Alexander Centgraf sind derart umfangreich, daß an dieser Stelle nur das maßgebliche Dokument wiedergegeben wird.

 

Dokument 2, (BArch – R 58/6201, Teil 3)

 

SD – Namenslisten „Deutsche Astrologen“ 

 

Anmerkung:

Die Namenslisten des SD (Sicherheitsdienst) entstanden im Laufe des Jahres 1936. Dieser Umstand ergibt sich aus einem tabellari­schen Lebenslauf des Astrologen Heinz Noesselt. Dort gab er für die Jahre 1935 / 36 seinen Wohnsitz in Gauingen auf der Rauhen Alb und Öhningen am Bodensee an. In den Namenslisten des SD wiederum findet sich ebenfalls ein Heinz Noesselt mit Wohnsitz in Gauin­gen. Erst im Oktober 1936 wurde Heinz Noesselt in Berlin – Kleinmachnow ansässig.

 

Die Verhaftungswelle, die sich gegen die esoterische und okkulti­stische Subkultur im NS-Staat richtete, ist als „Aktion Hess“ geläu­fig. Weitestgehend unbekannt ist je­doch, daß der SD spätestens ab 1936 begann, umfangreiche Namens– und Adressenli­sten von Astrolo­gen, Theo­sophen, Anthro­posophen ect. zu erstellen. Dabei wurde nicht unterschie­den, ob es sich um aktive Parteimit­glieder oder um po­li­tisch und sozial un­liebsame Personen handelte. Dieser Vor­gang ist in einer erhalte­nen Akte des RSHA gut nachzu­vollziehen, die Hunderte von Personen auflistet, die ins Visier des SD gerie­ten. Karl E. Krafft, Hans Hermann Kritzinger, Heinz Noesselt sowie einige andere Personen, die in Ellic Howes Buch genannt wur­den, sind in diesen Li­sten präsent, nicht jedoch Alex­ander Centgraf!!

Der frühen geheimdienstlichen Erfassung dieser Personen­kreise im Dritten Reich sowie der darauf folgenden Verhaftungs­welle im Rah­men der „Aktion Hess“ lag ein prinzipieller Charakter im Sinne der Staatsräson zugrunde. Man ging davon aus, daß diese Kreise dazu in der Lage sein könnten, im Auftrag oder auf Eigenin­itia­tive hin staatsfeindliche Propaganda zu produzieren und zu verbreiten, da diese vor Kriegsaus­bruch über weitreichende interna­tionale Orga­nisations- und Kommunikati­ons­strukturen verfügten.

Ein weiterer entscheidender Faktor, der zur „Aktion Hess“ führte, ist wohl in dem Um­stand zu sehen, daß stets gemutmaßt wurde, der zweite Mann im Nazistaat stünde unter massivem Einfluß von Okkulti­sten jeglicher Couleur.

  

Dokument 3, (BArch – R 58/6201, Teil 3)

 

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS                                                                                                   Düsseldorf, den 5.3.1938

Der SD-Führer des SS – Oberabschnittes West

 

                   

            II/2111 - 12   

                E - 233       

           

              Nk/Roe.

 

 

  An den

 

                                                                                                                       Reichsführer-SS

Chef des Sicherheitshauptamtes

Zentralabteilung II/2,                                                               Berlin.

 

 

 

 

 

Betr.: Pseudowissenschaften – Astrologie.

Vorg.: Ohne.

Anlg.: 4.

 

 

Es gelang der hiesigen Dienststelle, die beigefügten, in der Schweiz erscheinenden astrologischen “Wirtschaftsberichte und kulturpoliti­schen Studien“ zu ergreifen. Verfasser ist der “Statistiker“ K. E. KRAFFT“, Zürich, über dessen Arbeitsweise in Kürze berichtet wird.

Inzwischen wird um Mitteilung gebeten, ob an der Angelegenheit Interesse besteht.

 

 

                                                           Der SD-Führer des SS-Oberabschnitts West

                                                           iV.                                                                             

 

                                                                       (Handschrift unleserlich)

                                                                       SS-Hauptsturmführer

 

 

(Handschriftlicher Vermerk):

1.) Bericht über Krafft abwarten

 

Dokument 4, (BArch (ehemals BDC) NSDAP – Gaukartei, Alexander Centgraf)

 

Parteistatische Erhebung der NSDAP 1939  

 

Anmerkung:

Aus der erhaltenen Studentenkarte von Alexander Centgraf ist zu ersehen, daß er im Juni 1938 als Rottenführer  aus der SA ausschied. Deshalb ist seine SA–Mitgliedschaft in der „Parteistatistischen Erhebung 1939“ nicht mehr angegeben.

 

Dokument 5, (PAAA – R 66.658)  

 

Gesandter Frh. von Dörnberg                                                                                                                           Berlin am 8.3.1940

 

Aufzeichnung:

 

Dem Herrn Gesandten von Dörnberg wurde seitens einer Verwandten der beigefügte Schriftwechsel eines Herrn K. E. Krafft mit einem Angehörigen der Rumänischen Gesandtschaft in London sowie eine Stellungsnahme zu einem Artikel der Genfer Zeitung LA SUISSE überreicht. Der Schriftwechsel und die Stellungsnahme befassen sich in mehr oder weniger „wissenschaftlicher“ Weise mit okkultisti­schen und astrologischen Studien, die belanglos wären, wenn der Verfasser, Herr Krafft, nicht – bewußt oder unbewußt politische Dinge berührte, die schon aus propagandistischen Gründen nicht ohne Interesse sein können. Die Art und Weise wie Herr Krafft die Ansichten derjenigen Kreise, die die Nostradamus – Forschung für ihre Zwecke und Interessen in Anspruch nehmen, widerlegt, und gleichzeitig für das Reich propagandistisch ausbeutet, erscheint hier nicht ungeschickt. Vielleicht können die Bestrebungen des Herrn Krafft, sofern es dort für dienlich gehalten wird, noch intensiviert werden.

 

                                                                                  Herrn Geh. Rat Altenburg

                                                                                 

                                                                                  m. d. B. um Prüfung, ob

    gegen die Fortsetzung des Schriftwechsels Bedenken erhoben

 werden müssen.

                                                              

Dokument 5, (PAAA – R 66.658)  

  

LR. Dr. Rahn                                                                                                                                                            Berlin, den 19.März 1940

 

Die Informationsabteilung beabsichtigt seit längerer Zeit, die in einer zweck­entsprechen­den Lenkung und Auswertung des okkultisti­schen und astrologi­schen Schrifttums liegen­den Möglichkeiten einer Beeinflus­sung weitester Kreise der Bevölkerung des neutralen und feindlichen Auslands in den Dienst der Aus­landspropaganda zu stellen.

H. E. wäre Herr Krafft, der als Nostradamus – Forscher bereits einen Namen gewonnen hat, hierfür durchaus geeignet. Es darf daher er­gebenst gebeten werden, Herrn Krafft veranlassen zu wollen, mög­lichst bald in der Informati­onsabteilung vorzusprechen und sich bei dem Unterzeichnenden zu melden.

Bei dieser Gelegenheit könnte auch die Frage der Fortsetzung des Schriftwech­sels des Herrn Krafft mit einem Angehörigen der Rumäni­schen Gesandtschaft in London geklärt werden.

 

 

 

                                                                            

                                                                                             Hiermit: Herrn Ge­sandten

                                                                                             Freiherr von Dörn­berg  mit der Bitte

                                                                                             um entspre­chende weitere Veranlassung                                                     

 

Dokument 7, (PAAA – R 66.658)

 

Ref. Dr. Wilmanns                                                  Inf. 6593

 

Berlin, den 6. Mai 1940

 

1) Herrn

     

      Karl E. Krafft b. Holzapfel

      Berlin – Wilmersdorf

      Joachim – Friedrichstr. 54

 

 

Sehr geehrter Herr Krafft

 

Mir wurde von dritter Seite mitgeteilt, daß Sie sich lange Zeit mit No­stradamus – Stu­dien beschäftigt haben. Im Anschluss daran, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie sich an einen der nächsten Vormittage mit meinem Sachbearbeiter Dr. Wilmanns, den Sie per­sönlich und fernmündlich in der Kurfürstenstr. 137 über mein Vorzimmer errei­chen, in Verbindung setzen würden.

      

                                                

 

                                                  Heil Hitler

 

                                                  gez. Rahn

 

Dokument 8, (PAAA – R 66.658)

 

Ref. IV

 

Berlin, den 27. Mai 1940                                                                              

 

Herrn

    L. R. Dr. Rahn ergebenst

 

Betr.: Nostradamus – Broschüre

 

Ich habe mit Herrn Krafft Disposition der von ihm abzufassenden NOSTRADAMUS – Bro­schüre besprochen und ihn ab morgen für etwa eine Woche aus seiner Überset­zungstä­tigkeit beim DNB zur Fertigstellung des Manuskripts freigemacht. Ich rechne mit dem Ma­nuskript Anfang der nächsten Woche.

Durch Herrn Krafft höre ich, daß sich im Promi Herr Dr. Seifert eben­falls mit einer No­stra­damus – Broschüre beschäftigt ist, die ein Dr. Kritzinger schreiben soll. Herr Krafft behauptet, Herr Kritzinger hat versucht, Material beim ihm herauszulocken.

Da das Auswärtige Amt für die Auslandspropaganda zuständig und Herr Krafft auf dem NOSTRADAMUS – Gebiet ohne Frage hinrei­chend sachkundig ist, schlage ich vor, der Angelegenheit beim Promi nicht weiter nachzugehen.

 

                                                       

                                                              27/5

                                                                  

                                                                     Wi. (handschriftlich)

 

 

Anmerkung:

DNB war die amtliche Abkürzung für Deutsches Nachrichtenbüro, die Nachrichten­agentur der NS–Regierung. Die Nachrichtenbe­schaf­fung des DNB hatte auch einen ge­heimdienstlichen Charakter, denn große Mengen von aus der ganzen Welt über­sandten Meldun­gen unterlagen der Geheimhaltung und durften in keinem Fall veröf­fent­licht wer­den. Der Begriff Promi war die meist gebräuchliche um­gangssprachli­che Kurzform für Pro­pagandaministerium.

Zwischen dem A. A., dem RMVP und der Wehr­machtspropaganda kam es immer wie­der zu Kompetenzstreitigkei­ten, die insbe­sondere die Auslandspropaganda betra­fen. Diese äußerst komplexen Vor­gänge sind in zahlreichen Aktenvorgängen des BArch und des PAAA dokumentiert. Die politische Ursache dafür war ein sog. Füh­rer­be­fehl vom 08.09.1939, der diesen Bereich ausdrücklich dem A. A. über­trug, was zur Folge hatte, daß sich das RMVP und die Wehr­machtspro­pa­ganda übergan­gen fühlten und in ein teil­weise scharfes Konkur­renz­verhältnis zu einan­der traten (Vergl. hierzu Jo­seph Goeb­bels Ta­ge­bucheintrag 12. Juli 1940). Der Jahresbericht 1940 – 1941 des Reichspropagan­daamtes, Abteilung Ausland sah die Ursache im allgemeinen Desinteresse und Inkom­petenz des Auswärtigen Am­tes und zog folgendes Resümee:

 

....................

....................

 

In den Unterredungen, die zur Gründung des RPA. Ausland führten, stellte der Herr Reichminister für Volksaufklärung und Propaganda dem Amt die Aufgabe, durch Ein­satz des in der AO (Auslandsorgani­sation) gegebenen weltweiten Apparates eine wirk­same Breitenpro­paganda in den fremden Völkern sicherzustellen. Der Herr Reichsmini­ster be­tonte dabei, dass nur über ein Ansprechen der Massen pro­pa­gandistische Er­folge auf län­gere Zeit zu erreichen sei.

 

Das neue Amt (Reichspropagandaamt Ausland) stand damit sofort in einem unbeab­sich­tigten, aber scharfen Gegensatz zum Auswärti­gen Amt, das einmal die Notwendig­keit ei­ner Breitenpropaganda kaum zu erkennen scheint und zum anderen die gerade in dieser Hin­sicht im Zusammenwirken des RMVP mit der AO gegebenen Möglichkei­ten übersieht. (Zitat aus: BArch – NS 28/794)

 

....................

.................... 

 

Dokument 9, (PAAA – R 66.658)

 

NOSTRADAMUS – Propaganda

 

 

Die Prophezeiungen des NOSTRADAMUS über den Niedergang Englands spielen im Ausland bereits eine Rolle. In der Anlage wird eine kürzlich in der Schweiz erschienene Flugschrift beigefügt. Aus der anliegenden DNB – Meldung ist ersichtlich, daß ähnli­ches auch in Jugo­slawien verbreitet worden ist. Wie ich höre, soll auch eine Athe­ner Zeitung den NOSTRADAMUS – Komplex aufgegriffen ha­ben.

Es besteht Grund zur Annahme, daß die Schweizer und Belgrader Veröffentlichungen durch das Promi veranlaßt worden sind, das sich dadurch in die Auslandspropaganda einmischt.

 

Welche tiefgreifende Propagandawirkung mit den NOSTRADAMUS – Prophezeiungen zu erreichen ist, geht aus dem anliegenden Artikel des V. B. sowie der DNB – Meldung her­vor.

 

Die Frage, ob es zweckmäßig ist, NOSTRADAMUS – Prophezeiungen zu verwenden, habe ich mit Herrn Dr. Fesel vom SD – Hauptamt er­örtert. Herr Fesel bearbeitet dort die Fragen der geistigen Kriegs­führung, soweit sie in den Zuständigkeitsbereich des SD fal­len. Die Frage wurde von dort lebhaft bejaht und hinzugefügt, daß NOSTRA­DA­MUS höchstens Halbjude war.

 

Der Autor des hier zur Zeit vorliegenden Manuskripts ist schweizer Staatsbürger. Die Ver­öffentlichungen erscheinen propagandistisch zweckmäßig, sollten aber in einer Form er­folgen bei der die offizielle Beteiligung nicht ersichtlich ist.

 

 

                                                                            Wi.   (handschriftlich)

 

 

 

Anmerkung:

Wie wir von Ellic Howe wissen, rekrutierte Dr. (Heinrich) Fesel Karl E. Krafft zur Zu­sammenarbeit mit dem RSHA. Er war Beamter des SD und wird auch in dem Gedächtnisproto­koll von Anna Theresia Krafft van de Koppel als Ge­währs­person für ein angestrebtes Entschädi­gungsverfahren angege­ben

Das Dokument 8 ist ohne Abfassungsdatum, der Zusammenhang legt jedoch nahe, daß es Ende Juni 1940 von Dr. Wilmanns erstellt wurde. Denn der im Dokument er­wähnte und in der Anlage beige­fügte DNB–Bericht über die Wir­kung der Nostrada­mus–Propa­ganda in Jugo­sla­wien trägt das Datum vom 23.06.1940. In der beige­fügten Anlage befinden sich außerdem:

 

1. ein Nostradamus-Artikel des V.B. „Völkischer Beobachter“ vom 27.05.1940, Nr.148, S.2. Dieser Artikel bezieht sich im we­sentli­chen auf die Wirkung der No­stradamus-Propa­ganda in Frank­reich und trägt die Überschrift: „Die Kolonne des Nostra­damus“. (Vergl. dazu Tagebucheintrag Joseph Goebbels vom 26. Mai 1940. Da sich die Tagebucheinträge immer auf den Vortag beziehen, kannte Goeb­bels den Inhalt des Artikels zwei Tage vor dem Erscheinen.)

 

 

„Die Kolonne des Nostradamus“

 

Von unserem diplomatischen Berichterstatter

 

.................

.................

 

Der kleine, schmierige Jude Mandel, der jetzt in Frankreich das Volk bespitzelt, hat inzwi­schen eine neue Kolonne entdeckt.  Es ist die „6. Kolonne“, die „Kolonne des Nostrada­mus“. Gegen sie führt das „Oeuvre“ schwerstes Geschütz auf. Ein Mitarbeiter des Blattes ist im Laufe eines einzigen Tages von, wie er schreibt, „drei Damen von bester Gesell­schaft“ angesprochen worden, die sich vollen Ernstes über die Voraussagen des Nostra­damus unterhielten. „Man soll uns doch mit diesen vermaledeiten Voraussagen des No­stradamus in Ruhe lassen“, heißt es weiter. „Wo jetzt Franzosen in Artois, in der Picardie, in den Ardennen und in Lothringen ihr Blut vergießen, sei es nicht angebracht, von der Zerstörung von Paris und anderen Salbadereien des alten Verrückten zu reden. Neben der fünften Kolonne gebe es leider in Frankreich noch eine sechste Kolonne, die „Kolonne des Nostradamus“. Die soll jetzt ihren Mund halten, fordert das Blatt, und der Name Nostra­damus soll nicht ausgesprochen werden. Nötigenfalls müsste man mit schärfsten Strafen gegen die Bewun­derer und Anhängerinnen des Michel Nostradamus vorgehen. Die Moral gewisser französischer Mitbürger sei zurzeit ziemlich gebrech­lich. Daher müsse man sie gegen das irrsinnige Geschwätz einer Bande von Dummköpfen, die sich ihrer Dummheit nicht be­wusst sind, schützen.

Der von 1503 bis 1566 lebende Pariser Astrologe Michel de Notredame (Nostradamus) hatte in einer berühmten Prophezeiung für das Jahr 1940 die Zerstörung von Paris und die Vernichtung Englands angekündigt. „Daß Damen der  besten Gesellschaft“ seinen Pro­phe­zeiungen mehr vertrauen, anstatt wie Herr Reynaud auf das „Wunder“ in Gestalt von General Weygand zu vertrauen, wirft in der tat ein bedenkliches Licht auf die „Moral ge­wisser Leute“. (Zitat aus: Völkischer Beobachter, 27. Mai 1940, Nr. 48, Seite 2)

 

...............

...............

 

 

2. jeweils ein Originalexemplar der 1940 in Genf und Belgrad er­schienen Nostrada­mus–Broschüre.

 

 

Dokument 10, (PAAA – R 66.711)  

 

Herrn Legationsrat Dr. Rahn, Abt. Inf.

 

Betr. Manuskript Nostradamus.

 

 

Auf Grund einer mündlichen Absprache zwischen Herrn Wilhelm und Dr. Wilmanns bin ich damit einverstanden, dass das mir vorgelegte Manuskript im ausländischen Buchhandel, am besten in der Schweiz, untergebracht wird. Die erforderlichen Schritte bitte ich zu ver­an­lassen.

Ich  möchte zu erwägen geben, in dem Manuskript vor der Weitergabe die Stelle Seite 66 über das „deutsche Herz aus Troyanerblut“ noch einmal mit dem Verfasser zu überprüfen.

Mir scheint plausibler, den Hinweis auf Troya ins Verhältnis zu Griechenland zu setzen und darin eine Art Parallele zu Hitlers Herkunft aus Österreich im Verhältnis zum deutschen Altreich zu erblicken. Ausserdem wird es sich vielleicht empfehlen, noch folgende drei Verse mit hereinzunehmen, die vielleicht gerade in der Schweiz wirkungsvoll sein können:

 

 Z.6, 20  Die geheuchelte Union wird nicht von langer Dauer sein,

               Die meisten haben sich reformiert und verändert.

               Auf Schiffen wird ein hartnäckiges Volk sitzen.

               Dann wird ein neuer Leopard in Rom sein.

 

Z.1, 47  Die Gerüchte vom Genfer See werden mutlos machen.

              Es zieht sich Tage, Wochen, Monate und Jahre hin.

              Dann wird alles plötzlich fallen,

              Die Staaten verdammen die leeren Gesetze.

 

Z.6, 90  Die abscheuliche Verleumdung stinkt zum Himmel,

              Doch nach dem Ereignis erkennt man die Wahrheit.

              Von allen Seiten wird man sich entschuldigen,

              Auch wenn der große Neptun sich um Frieden neigt.

 

Die Deutsche Informationsstelle stellt unabhängig davon sofort eine kurze Flugschrift über Nostradamus zusammen, die im Rahmen der Informations – Schriften erscheint und nur im Ausland Verwendung finden soll. Zu diesem Zwecke ist das Manuskript entnommen worden, nachdem festgestellt wurde, dass Dr. Wilmanns im Besitze eines weiteren Exem­plars ist.

 

                                                                                                       (hand­schriftlich) Berber

                                                                                                          (Ge­sandter Berber)   

 

 

Berlin, den 23. Juli 1940                                                               

 

Dokument 11, (PAAA – R 66.711)    

  

Informationsabteilung                                                                                                                              Berlin, den 20. August 1940

Referat D IV ergebenst

                                                                                                       

 

In der Anlage wird das Manuskript K. E. Kraft „Nostradamus sieht die Zukunft Europas“ in 15 Exemplaren zur Verbreitung im Auslande übersandt. Wie aus dem anliegenden  Vor­gang ersichtlich, um dessen Rückgabe gebeten wird, hat das Manuskript Herrn Prof.  Berber vorgelegen.

Eine Verbreitung des Manuskriptes in Deutschland ( nicht Drucklegung für Auslandsaufla­gen ) ist nicht ins Auge gefasst, da sie voraus­sichtlich seitens des Promi als unerwünscht bezeichnet werden würde.

Klischierfertiges Material für Abbildungen und Wiedergabe der Prophezeiungen im Origi­nal wird in etwa 2 Tagen übersandt.

Der Verfasser, der als französischer Übersetzer im DNB tätig ist, fertigt eine französische Übersetzung selber an, die in aller Kürze vor­liegt.

Im übrigen darf darauf verwiesen werden, dass die Übersetzung des Textes in  Fremd­sprachen nicht ganz leicht ist. Vielleicht empfiehlt es sich deswegen die notwendigen Übersetzungen durchgängig im Auslande vornehmen zu lassen.

 

 

                                                                           ( handschriftlich ) Simon

 

Dokument 12, (BArch – R 55/409, Mikrofiche 2)

 

 

 

Bericht

 

                   

                                                                            Über die Tätigkeit der Abteilung Ausland

 

                                                                                           in der Zeit

 

                                                                                vom 1. Januar bis 31. August 1940

 

 

 

 

I.

 

Sendungen für das Ausland

 

………………

……………...

 

 

c) die Geheimsender unter Dr. Raskin

 

 

……………….

...................

 

2) Ist für alle Sendungen in das Ausland ( mit Ausnahme der Geheimsendungen ) eine einheitliche  Durchgangsstelle in den Länder­schriftleitungen des Drahtlosen Dienstes geschaffen worden, die eine Abstimmung der verschiedenen Sendungen aufeinander gewährleisten.

 

………………

……………… 

II.

 

Veröffentlichungen für das Aus-

land

 

 

Auf dem Gebiet des Schrifttums besteht die Tätigkeit der Abteilung in der Herausgabe von Büchern und Broschüren unter Mitwirkung am Manuskript und Druck und in der Verteilung in eigener oder fremder Regie hergestellter, zum Teil im Buchhandel käuflich erworbener Bü­cher und Schriften, wobei sie sich der dem Ministerium gehörenden Terramare – Versandstelle bedient.

Seitdem einmal Massenproduktion und Massenversand von Kriegsbroschüren zu Be­ginn des Krieges auf die Informations – Ab­teilung des Auswärtigen Amtes unter Professor Berber und dem Ge­sandten Altenburg übergegangen war, hat es die Abtei­lung Ausland unter­lassen, hiermit in Wettbewerb zu treten, was nur den Schaden ver­schlimmert hätte, der durch die Überschwemmung des Auslandes mit Makulatur ange­richtet worden ist. Einzelne Auslandsempfänger haben zwischen 30 und 50 Exemplare der gleichen Schrift erhalten.

Die Zentralkartei für den Versand hatte sich zudem das Auswärtige Amt gesi­chert. Die Auslandsabteilung hat sich unter diesen Umstän­den darauf beschränkt, nur wenige Schriften herauszubringen.

Gegenüber dem unentgeltlichen Propagandaversand von Schrif­ten wurde der Druck, Verlag und Vertrieb von Schriften im Ausland selbst durch ausländische Verlage und ausländische Buchhandlun­gen der Vorzug gegeben. Es fanden dieserhalb in Zu­sammenarbeit mit dem Auslandsreferat der Abteilung Schrifttum verschiedentlich mit allen an Auslandspublikationen interessierten Stellen Besprechungen statt, um Aus­landspublikati­onsmöglichkeiten zu erschließen. In der Zukunft wird dies die gegebene Publikationsform für Propaganda­schriften zu bilden haben.

Der wahl – und ziellose Versand durchschnittlicher Schriften, von denen ein propa­gan­distischer Effekt nicht zuverlässig erwartet wer­den kann, wurde abgestellt. Zusam­men mit der Abteilung Schrifttum wurde eine regelmäßige Buch – und Schriftenpla­nungs – Konfe­renz ein­gerichtet, in der alle überflüssigen Buchvorhaben von vornherein unterbunden werden können.

 

Herausgegeben wurde im laufenden Jahr:

 

1) Die NOSTRADAMUS – Schrift, in einer Gesamtauflage von 83000, die sich vertei­len: auf eine französische (20000), eine holländische (5000), eine italienische (10000), eine serbische (10000), eine kroatische (25000), eine rumänische (5000), ein schwe­dische (5000) und eine englische Ausgabe für USA (3000).

 

2) Catholicus: “Gods will is gerechtigheid“.

                   Eine Zusammenfassung von Prophezeiungen

                   aus der Offenbarung des Johannes, die den 

                   Untergang von London voraussagen.

 

...................

...................

 

9) Eine schwedische Ausgabe der Schrift von Stael von Holstein: “ Unsere Neutrali­tät,“ mit einem Vorwort des ehemaligen Oberbefehls­ha­bers der schwedischen Ma­rine.

                     Es behandelt das Thema: Kann England siegen?,            

                     der Seekrieg und die Neutralen.

 

10) Eine schwedische Ausgabe des Teils II der Schrift von Stael von Holstein: “Unsere Neutralität“,

                     Behandelt den Abwehrkampf der Neutralen gegen die   

                     englische Unterdrückungspolitik.

 

11) Eine schwedische Ausgabe der Schrift von Stael von Holstein: “ Das neue Europa“.

                    Behandelt die veränderte Lage Europas und die Per-

                    spektiven, die sich hieraus für einen wirtschaftlichen

                    Kontinentalblock ergeben.

 

12) Eine englische Ausgabe der Schrift von Stael von Holstein: “Churchill und die Hal­tung Amerikas“.

                     Auszug aus den drei vorgenannten Schriften unter

                     der besonderen Berücksichtigung der amerikanisch-

                     en Interessen.

 

……………….

...................

 

FLUGBLÄTTER                                  Entworfen wurden einige Flugblätter

       UND                        zum Abwurf über Frankreich und England.   

   PLAKATE:

 

...................

...................

 

                                 

                                            gez. Dr. Brauweiler

 

 

Anmerkung:

Das gesamte Dokument umfaßt 22 maschinen geschriebene Sei­ten. Die angegebe­nen Auflagezahlen zur Nostradamus–Schrift be­zie­hen sich tatsächlich auf mehrere Titel, wo­bei italieni­sche, kroati­sche und rumänische Original­exemplare bisher nicht zu lo­kalisieren wa­ren.

Auch führten bisher alle Versuche, die Existenz des Titels „Gods will is gerechtig­heidnachweisen, zu keinem Erfolg. (Vergl. hierzu Jo­seph Goeb­bels Ta­ge­bucheintrag 23. Fe­bruar 1940).

 

Dokument 13, (PAAA – R 66.726)

 

Aufzeichnung

 

 

Der Inhalt der Broschüre “Hoe Zal Deze Oorlog endigen?“ (Den Haag 1940) deckt sich – abgesehen vom Vorwort – ganz genau mit zwei anderen Schriften, welche im Jahre 1940 ebenfalls über Nostrada­mus erschienen sind, und zwar

 

1.)  “Prédictions“ (Edition Ant. Genf)

       unter dem Titel (verdeutscht):„ Was wird zwischen dem Frühjahr    

       1940 und Frühjahr 1941 geschehen?“

 

2.)  “1940“ (Belgrad) – eine wörtliche Übersetzung der oben zitierten

       Genfer Veröffentlichung.

 

In den obigen beiden Schriften lassen sich nach Inhalt und Reihen­folge wörtliche Zitate aus H. H. Kritzingers “Mysterien von Sonne und Seele“ nachweisen (Berlin 1922). Ins­be­sondere deckt sich die in der holländischen Schrift verwandte Illustration (Wieder­gabe des Titel­blattes der Amsterdamer Ausgabe von 1668) mit einer Illustration des genannten Bu­ches.

Ich habe Gründe anzunehmen, dass zwar Dr. Kritzinger nicht der Verfasser der drei gleichartigen Propagandaschriften ist, wohl aber über deren Herkunft Bescheid weiss. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass sie aus dem Promi hervorgegan­gen sind.

Inhaltlich decken sich die Propagandaschriften nur zum Teil mit dem Inhalt meiner ei­ge­nen Nostradamus – Studie. Von über 20 dort zi­tierten Vierzeilern finden sich bei mir nur 6, davon 2 in bedeutend besserer Fassung. Umgekehrt finden sich von den in mei­ner Bro­schüre zitierten 37 Stellen und Vierzeilern in der „Konkurrenzschrift“ nur  9, da­von 3 in un­zulänglicher Übertragung.

Die Überschneidung der beiden Schriften erscheint demnach so ge­ring, dass eine ge­gen­seitige Konkurrenzierung nicht vorliegt.

 

Zusammenfassung:

 

Mögen die oben erwähnten Schriften aus Den Haag, Genf und Bel­grad einem Konkur­renzunternehmen zu den Bestrebungen des Aus­wärtigen Amts entspringen, so er­schei­nen sie doch weder nach Inhalt noch nach Qualität so gestaltet, dass sie einer gleichzeiti­gen Ver­öf­fentlichung meiner eigenen Studie ernsthaft im Wege stehen könn­ten.

Im übrigen gilt gerade im Bereich der Veröffentlichungen über No­stradamus nachweis­lich die Wahrheit des Sprichwortes: „Konkurrenz hebt das Geschäft“.

 

         

                                                          

                                                            Berlin, den 17. Oktober 1940

 

                                                                            K. E. Krafft (handschriftlich)

 

Anmerkung:

Das Gutachten von Karl E. Krafft zu möglichen Autoren anderer Nostradamus-Pro­pagandaschriften ist als internes Schreiben von der Inf IV des A. A. abgeheftet worden, und kann deshalb nur an Dr. Wilmanns, dem Leiter dieses Referates gerichtet gewesen sein.

 

Dokument 14, (IGPP – 20/9/181)

 

Titelblatt Nostradamus sieht die Zukunft Europas, 1940“ 

 

Anmerkung:

Eine vollständige Kopie der unveröffentlichten deutschsprachigen Ur­schrift liegt vor. Dieses maschinengeschriebene Manuskript wurde nach Auskunft des IGPP wahr­schein­lich zu Beginn der 1980er Jahre als Kopie von einer anonym gebliebenen Person an das In­stitutsar­chiv überreicht.

Unter PAAA – 66.658 liegt jedoch eine weitere Blaupausenkopie vor, die sich im Ab­gleich mit dem aus dem IGPP stam­menden Exem­plar als inhaltlich nahezu identisch er­weist. Außerdem befinden sich dort umfangreiche fotokopierte Materialien zur Er­stellung von Text­gra­phiken, die ebenfalls in identischer Form im vorliegenden Urma­nu­skript Ver­wendung fanden.

Die hier beschriebenen sehr spezifischen Umstände schließen deshalb zuverlässig jede Spekulation darüber aus, daß es sich bei dem anonym überreich­ten Exemplar an das IGPP um eine nachträg­liche Fälschung aus der Nachkriegs­zeit handeln könnte.

Das Deckblatt weist interessanterweise den Empfänger E. Hans Mahler in Zürich auf, ehemaliger Generaldi­rektor der Züricher Wa­ren­hauskette Glo­bus. Ellic Howe be­gegnete diesem im Laufe seiner Nachforschungen und der war durchaus bereit, über die Person von Karl E. Krafft zu sprechen. Er unterließ es jedoch tunlichst zu erwäh­nen, daß ihm sein Ex-Angestellter ein Nostradamus-Manuskript mit pronazistischen Tendenzen zu­sandte.

Karl E. Krafft war im Hause Globus von 1929 bis Mitte 1932 als psychologi­scher Be­rater der obersten Ge­schäftsführung tätig; sein schlechtes Betragen führte zu einer Kün­digung des Arbeitsverhältnis­ses. Jahre später versandte er sein Ma­nuskript nach Zürich, weil die Informationsstelle auch in der Schweiz eine Ver­öf­fentlichung be­ab­sich­tigte, was jedoch nicht nachweislich realisiert wurde.

E. Hans Mahler schien dazu deshalb eine sehr prädestinierte Adresse zu sein, da das Waren­haus Globus auch den eigenen in der Schweiz sehr populären Globi-Buchverlag betrieb, der heute noch existiert.

Am 25.10.2005 erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Artikel über die Person von Karl E. Krafft, der in sachlicher Hin­sicht als weitestgehend richtig zu werten ist. Obwohl dem Verfasser Frank-Rutger Hausmann das Urmanuskript von Karl E. Krafft vorlag – das Titelblatt des Urmanuskripts wurde ebenfalls abgedruckt – ging er in seinem Artikel „Natürlich liegt Troja in Tirol“ mit kei­nem Wort auf den prominenten Empfänger ein.

 

Der „Armenien-Arminien-Coup“ im Originalwortlaut 

 

Dokument 15, (PAAA – R 66.715)  

 

Durchschlag als Konzept                                                                                                                      Berlin, den 7. November 1940                                                                                                                                                                                                                                     

Zu Nr. D IV 4694 / LS. Betz

Auf den Bericht vom

25. v. M., nr. 785

 

Mit dem Vorschlag, auch eine flämische Ausgabe der Schrift „Nostradamus sieht die Zukunft Europas“ zu veranstalten, erkläre ich mich einverstanden und bitte, demgemäss das Weitere zu veranlassen.

Bei der Festsetzung der Auflagenhöhe ist zu berücksichtigen, daß die dort erscheinende französische Ausgabe nicht nur in Belgien, son­dern auch in Frankreich und der Westschweiz verbreitet werden soll, während die flämische Ausgabe zugleich für eine Verbreitung in Holland bestimmt ist.

 

                                                                                                          Im Auftrag

                                                                                                         (i. R. )  gez. Betz

 

1.) An

      die Dienststelle des

      Auswärtigen Amts

 

                         Brüssel

 

 

2.) WV. 4 Wochen

 

Dokument 16, (PAAA – R 66.658)

 

Abtl. Inf. IV                                                                                                                                                   Berlin, den 17. Januar 1941

 

Der Autor der von Herr Wilhelm bearbeiteten neuen NOSTRADMUS – Broschüre für die Informations – Schriften ist Herr Kritzinger, der die wiederholt im Ausland erschei­nenden Konkurrenz zu der Kraft’ schen Arbeit  für das PROMI bearbeitet hat.

Gegenüber den Missionsberichten über die Übersättigung des aus­ländischen Marktes mit NOSTRADAMUS – Schriften weist Herr Wil­helm darauf hin, daß die Informations­schriften nicht nur im Ausland, sondern vor allem auch in den Gefangenenlagern ver­teilt werden, und daß sie anders als die bisher im Ausland erschienenen NO­STRADA­MUS – Schriften von den Missionen als Beipack verwendet werden.

 

Dokument 17, (BSB – 2“Ay 353/80 – 9.1941)

 

Am 13.05.1941 ereignete sich für die grauen Eminenzen des RMVP und des A. A. ein in seiner Form wohl einzigartiger „worst case“ von Preisgabe sensibler Informationen in ei­ner Zeitung.

Denn das Zentralorgan des Deutschen Studentenbundes „Die Bewegung“ veröffent­lichte einen Artikel, in dem die großen Leistun­gen der Studentenschaft in der Propa­gan­damaschinerie an die große Glocke gehängt wurden, was einen Eklat ersten Ran­ges im RMVP und im A. A. zur Folge hatte.

Der äußerst redselige und mitteilungsbedürftige Autor dieses Arti­kels, Dr. H. (elmut) Eckert, gab zahl­reiche Einzelheiten über die Or­ga­nisationsstrukturen und Arbeitstei­lungen zur Erstellung und Verbreitung von Kriegspropaganda zum Besten. Auch wollte er nicht darauf verzichten, eine Schrift hervorzuheben, die im Propagandaein­satz als sehr wir­kungsvoll gewertet und von ihm selber verfaßt wurde. Der Titel „Der Genius urteilt über England“ wurde schließlich in mindestens sechs Sprachen über­setzt und zirkulierte weltweit. Der „Verteilungsplan Nr. 409“ in der PAAA – Akte 66.713 vom 06.09.1941 sah vorerst vor, 8000 deutsche, 4000 englische, 8000 französi­sche, 6000 spanische und 5000 italienische Exemplare dieser Schrift zu drucken und auszuliefern. Aus PAAA – 66.712 ist jedoch zu er­sehen , daß 1941 nochmals 30.000 Exemplare aufgelegt wurden und bis in die USA und nach Brasilien vertrieben wurden.

So wurde schon damals in begrenztem Umfang bekannt, daß die Informations­schriften­reihe, die von dem fingierten Europa–Verlag herausgegeben wurde, als das vor­rangigste Propagandamedium des A. A. betrachtet wurde.

Indes wählten die geistigen Avantgardisten von „Die Bewegung“ den denkbar un­gün­stigsten Zeitpunkt für die Publikation dieser Lo­besrede in eigener Sache. Denn Ru­dolph Hess Flucht, die bei den Sicher­heitsbe­hörden ohnehin für eine verschärfte Kri­senstim­mung sorgte, lag ge­rade erst drei Tage zurück.

Nach Erscheinen des Zeitungsartikels wurde Dr. Helmut Eckert „mit sofortiger Wir­kung beurlaubt“.

Die ursprüngliche Absicht des RMVP, „Die Bewegung“ sofort zu schließen, wurde nicht umgesetzt, denn das Erscheinen dieser Zei­tung ist bis zum Oktober 1942 nach­gewiesen.

Aus dem Dokument 18 zur „Affäre Dr. H. Eckert“ ist zu ersehen, daß die politisch Ver­antwortlichen des Reichsstudentenbundes ihren Einfluß bei den entsprechenden NS-Behörden zur Schadensbe­grenzung geltend machten.

Angesichts dessen, daß das RMVP Dr. Helmut Eckert Geheimnisverrat vorwarf, ging man auch mit ihm nicht allzu streng ins Gericht, denn nur kurze Zeit nach seinem schrift­stellerischen Betriebsunfall publizierte das „Institut für deutsche Studentenge­schichte, Würz­burg“ ein weiteres Buch aus seiner Feder:

 

Helmut Eckert, Studenten sind Soldaten: Zeugnisse v. Waffentaten u. Kriegsdienst dt. Studenten in 6 Jhn, Limpert Berlin, 1942“

 

Diese Buchpublikation weist darauf hin, daß ihm die Mitgliedschaft in der Reichs­schrifttumskammer nicht entzogen wurde, ohne die er keinesfalls hätte publizieren kön­nen!

Seine milde Behandlung ist wahrscheinlich ausschließlich auf den Umstand zurück­zu­führen, daß die Auslieferung der kompromittieren­den Ausgabe über die Landes­gren­zen hinweg rechtzeitig verhin­dert wurde und die ganze Angelegenheit somit ohne wei­tere po­liti­schen Konse­quenzen blieb.

 

 

Die umfassenden Arbeiten des studentischen Kriegsleistungskampfes

 

Von Dr.  H. Eckert

 

Durch Befehl des Reichsstudentenführers Mitte 1939 wurde dem Deutschen Studen­ten­tum mit der Schaffung des Kriegsleistungs­kamp­fes eine neue verantwortungsvolle Auf­gabe gestellt.....

Der ursprünglich als Kriegspropagandaeinsatz gedachte Arbeitsbe­reich ist bald über seine geplante Form hinausgewachsen und hat in­zwischen Gebiete umfaßt, die das deut­sche Studententum als be­wußte Träger neuer wissenschaftlicher Forschung zei­gen und als solche aus der studentischen Arbeit nicht mehr fortzudenken sind.

Es gilt, an dieser Stelle Rückschau über die bisherigen Arbeiten zu halten. In Zusam­men­arbeit mit dem Auswärtigen Amt wurden im Rahmen der amtlichen Informations­schriften Arbeiten herausge­bracht, die in allen wichtigen Sprachen erschienen und als das haupt­sächlichste Propagandamaterial des Auswärtigen Amtes im Ausland anzu­sprechen sind. Das den Schriften zugrunde liegende Material entstammt der Arbeit der Arbeitskreise. Die Verfasser sind sämtlich entweder Studenten oder vom Kriegslei­stungskampf dem Aus­wärti­gen Amt genannt worden. Sie behandeln Englands Aus­beutungskampf in Indien, die Not der Bauern in England und haben weiterhin Untersu­chungen über die soziale Frage, über Frauen und Kinderarbeit zum Thema.

Von den vom Auswärtigen Amt unter der Tarnung des Europa – Ver­lages herausge­brachten kleinen Informationsschriften, die in allen wesentlichen Sprachen weit ver­breitet sind, konnten sieben Hefte ausschließlich vom Kriegsleistungskampf gestellt werden.

Während des Frankreichfeldzuges wurden für das Auswärtige Amt umfangreiche Frank­reicharbeiten ausgeführt, die Themen wie  „Fran­zösische Selbstkritik“ und „Engli­sche Übergriffe“ gegenüber Frank­reich im Laufe der Geschichte umfaßten. Auf Wunsch des Auswärti­gen Amtes wurde ein Sendereinsatz West und ein Sendereinsatz Nord aufge­baut. Eine Reihe weiterer Arbeitskreise wurden herange­zogen. Das skandi­navische Mate­rial wurde vom Auswärtigen Amt ausgewertet, desgleichen die Ergeb­nisse des Einsatzes West, die in zwei Stoffsammlungen vom Auswärtigen Amt erfaßt wurden: „Die West­mächte als Feinde der Holländer, Flamen und Luxemburger“, „Die Verbundenheit der Westlande mit dem Deutschen Reich“. Ein in Köln zusätzlich durch­geführter Sonderein­satz von kurzfristiger Dauer hatte die Bestände des niederländi­schen Instituts durchzuar­beiten.

An der Zersetzungspropaganda des jetzigen Botschafters Abetz konnte der Kriegslei­stungskampf während des Krieges in  Frankreich teilnehmen. Sowohl die Geheimsen­der wie auch die über Frankreich abgeworfenen Propagandazeitungen “Paris Noir“ und „Le Journal de Cambronne“ erhielten Material von uns.....

In jüngster Zeit konnte noch eine andere wirkungsvolle Schrift zu­sammen mit der In­for­mationsstelle des Auswärtigen Amtes heraus­ge­bracht werden. „Der Genius urteilt über England“, deren Wert auch die Besprechung an dieser Stelle ausdrücklich her­vorhob.

Die Zusammenarbeit mit dem Propagandaministerium war sehr fruchtbar. Das Er­scheinen des von Reichsminister Goebbels durch Mini­sterialrat Dr. Ziegler herausge­gebenen Do­kumentenwerkes über die englische Demokratie ist der Mitarbeit des stu­dentischen Kriegs­lei­stungskampfes zu verdanken...... (Zitat: „Die Bewegung, 13. Mai 1941, 9. Jahrgang / Folge 18/19, S. 10“)

 

Dokument 18,  (PAAA – R 66.658)  

                               

Herrn Dr. Simon

 

Beiliegend übersende ich Ihnen die in der Planungssitzung bereits von mir erwähnte Inf. – Schrift Nr. 38 „Der Seher von Salon“. Es han­delt sich um die bereits von mir angekün­digte neue Nostradamus – Schrift, die das Heft Nr. 18 ergänzt und vor allem in Hinblick auf die Verwendung der französischen Fassung in den französischen Gefangenenlager hergestellt wurde.

 

 

Berlin, den 28.1.41

Dr.Bü/al                                                                                (handschriftlich) Büttner

 

Dokument 19, (BArch – NS 18/547)  

 

Vorlage

 

 

Das Propagandaministerium wird u. a. auch die Einstellung  des Zentralorgans des NSD-Studentenbundes

 

„ Die Bewegung “

 

veranlassen.

 

In diesem Zusammenhang habe ich vom Propagandaministerium nachstehenden Schrift­satz erhalten:

 

“ In dem beigefügten Exemplar des Zentralorgans des NSD-Studentenbundes Nr. 18/19 vom 13. Mai 1941 befindet sich ein Aufsatz des Leiters des studentischen Kriegslei­stungskampfes, Dr. H. ECKERT, über “Die umfassenden Arbeiten des stu­dentischen Kriegsleistungs­kampfes“. In diesem Artikel werden unzählige Einzelheiten über Qualität und Quantität  der deutschen Propaganda behandelt, unzäh­lige Kanäle der Propagandaarbeit werden aufgewiesen und dabei in unfaßlicher Weise politisch wichtige und geheime Tatsachen verra­ten. So wird u. a. gesprochen von den vom A. A. unter der Tarnung des Europa-Verlages herausgebrachten kleinen Informations­schrif­ten.....“

Weiter heißt es: “An der Zersetzungspropaganda des jetzigen Bot­schafters Abetz konnte der Kriegsleistungskampf während des Krie­ges in Frankreich teilnehmen. So­wohl die Ge­heimsender wie auch die über Frankreich abgeworfenen Propagandazei­tungen “Paris Noir“ und “Le Journal de Cambronne“ erhielten Material von uns.“

 

Es wird dann im weiteren eingegangen auf die mit dem Propagan­daministerium und die hier getätigte Zusammenarbeit. Ebenso wird hingewiesen auf die Materiallieferun­gen in Bezug auf die Besat­zungszeit des Rheinlandes; hierbei heißt es wörtlich: Es bedeutet ei­nen wichtigen Bestandteil der den Friedensschluß mit Frankreich vorberei­tenden Propa­ganda.“

 

Im weiteren gibt der Aufsatz eine Fülle von detaillierten Schilderun­gen zur Methode der deutschen Propaganda.

 

Handschriftliche Randbemerkung:

Die Veröffentlichung solcher Dinge ist natürlich maßlos schlecht! Sie kann entsetzlich schaden, zumal wegen der Tätigkeit Abetz ! Ein Glück, daß die Nummer gesperrt werden konnte ! Was sagt eigentlich Eckert selbst ?

 

 

- 2 -

 

Politisch-propagandistisch ist der Aufsatz einfach völlig unverständ­lich und in seiner Zu­sammenstellung überhaupt gar nicht vorstellbar. Sofortige telefonische Rücksprache mit dem Reichsstudentenführer Dr. Scheel führte dazu, daß von München aus sofort weitere Auslie­ferungen sowohl beim Eher-Verlag wie auch bei sämtlichen Postzei­tungsstellen ge­sperrt wird. Der verantwortliche Hauptschriftleiter der “Bewegung“, Dr. Heinz Wolff, ver­wies darauf, daß der Aufsatz ihm als offizieller Bericht eines Amtslei­ters der Reichsstu­dentenfüh­rung zu­gegangen ist und daher nicht mehr einer so stren­gen Prüfung unter­zo­gen werden konnte, wie sonst üblich. Redigiert sei der Auf­satz von einer Mitarbeiterin der Schriftleitung, der Schriftleiterin Renate Heid­ner.

 

Der Sonderbeauftragte des Reichsstudentenführers, Dr. Bähr, und ebenso der Stu­dent Harald Jahrl riefen an und legen Wert auf die ausdrückliche Feststellung, daß sie von die­sem Artikel nichts gewußt haben und ihn erst aus der fertigen Zeitung kennen lernten. Herr Dr. Bähr wies herbei darauf hin, daß sich die in diesem Artikel befindli­chen Angaben in einem vertraulichen für den Reichsstudentenfüh­rer Dr. Scheel be­stimmten Bericht be­finden, den dieser dem Stellvertre­ter des Führers seinerzeit über­geben hat.

 

Die Presseabteilung ist orientiert und wird ebenfalls von sich aus die Auslieferung so­fort sperren.

                                                          

                                                                 Heil Hitler !     

                                                        Gez. Dr. Heinrichsdorff

 

P.S. Soeben erfolgt ein neuer Anruf der Reichsstudentenführung. Der Reichsstuden­ten­führer Dr. Scheel teilt mit, daß er Dr. Eckert mit so­fortiger Wirkung beurlaubt hat. Der be­vollmächtigte Stellvertreter des Reichsstudentenführers im Kriege, Dr. Gmelin, wird mor­gen in Berlin im Auftrage Dr. Scheels mit dem Gesandten Professor Dr. Ber­ber sprechen.

 

 

Praktisch sei folgendes veranlaßt worden:

1. Die Abwehrstelle der Wehrmacht hat alle Auslandslieferungen ge­sperrt und versi­chert, daß bisher noch keine Exemplare ins Aus­land gegangen sind.

 

 

- 3 -

 

2. Das Postzeitungsamt München hat die Auslieferung für das ge­samte In – und Aus­land gesperrt.

 

3. Der Verlag hat alle Auslieferungen gesperrt.

 

Der Verlag schlägt vor, die Auslieferung ab Donnerstag wieder inso­weit freizugeben, daß bei der Auflage das einliegende Blatt von 4 Seiten, das den fraglichen Aufsatz enthält, fortgelassen wird, was technisch leicht möglich ist. Die Nummer würde dann erscheinen ohne den umstrittenen Aufsatz. Der Hauptschriftleiter der „Bewe­gung“ ist morgen in Ber­lin, um verschiedene Fragen zu klären.

 

                                                                       D.O “                         

 

 

                                               Tießler (handschriftlich)

 

Berlin, den 15. 5. 1941

Ti/Hu

 

Dokument 20, (BArch – R 58/1029)  

 

Geheimbefehl „Aktion gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften“ vom 04.06.1941  

 

Dokument 21, (BArch – NS 8/185)

 

                                                                         National Sozialistische Arbeiterpartei

 

 

 Der Stellvertreter des Führers                                                                                                    München 33, den 7. Mai 1941

                Stableiter                                                                                                                         Braunes Haus

 

 

                                                                                       Streng vertraulich!

 

 

 

                                                                                         Rundschreiben

 

                                                                             (nicht zur Veröffentlichung!)

 

 

 

An alle Gauleiter

 

 

Betr: Aberglaube, Wunderglaube und Astrologie als

          Mittel staatsfeindlicher Propaganda

 

 




In der letzten Zeit haben konfessionelle und okkulte Kreise durch bewusste Verbreitung von Wundergeschichten, Prophezeiungen, ast­rologischen Zukunftsberechnungen usw. wieder vermehrt Unsicherheit und Verwirrung in die Bevölkerung zu tragen versucht.

 

So werden in Wort und Schrift systematisch Hölle und Teufel, Fegefeuer und Weltuntergang mit allen Schrecken den Volksgenossen ein­dringlich dargestellt, sagenhafte Visionen und Wunderheilungen verbreitet und konfessionelle Weissager über die angebliche politische und militärische Zukunft durch Flüsterpropaganda ins Volk getragen.

 

Der Handel mit Heiligenbilder, Medaillen und Amuletten zu persönlichem Schutz gegen Fliegerbomben blüht und ebenso wie das konfes­sionelle Kettenbriefwesen. Bezeichnend ist ein Fall, in dem nach der Predigt eines Pfarrers vom Weltuntergang sich zahlreiche Frauen auch

 

-2-

 

aus weiterem Umkreis, Kerzen und Streichhölzer kauften, die sie vom Pfarrer weihen lassen.

 

Ferner nutzen Wahrsager, Hellseher, Sterndeuter und Kartenleger immer gerade jetzt die natürliche Spannung aus, mit der die Volks­genossen die weitere politische und militärische Entwicklung erwarten.

Es handelt sich hier um systematische konfessionelle Propaganda, teils um gedankenlose Nachschwätzerei sensationslüsterner Men­schen, die auf volksfeindliche Machenschaften von Elementen hereinfallen, die die Furchtsamkeit gewisser Menschen für ihre Macht und ihre Geschäfte  missbrauchen.

Diese Vorgänge zeigen, wie wichtig gerade während des Krieges die weltanschauliche Schulung und Aufklärung ist. Die Auffassung man­cher Gauleiter, sie hätten jetzt zu wenig Arbeit und bedürfen neuer Aufgaben, lehnt der Führer daher auch rundweg ab. Die Parteige­nossen, in erster Linie die Politischen Leiter, und unter ihnen besonders die Ersatzmänner während des Krieges, sind gegen jegliche Be­einflussung durch konfessionelle Wunderprediger und politisierende Wahrsager weltanschaulich und politisch zu festigen. Die auf wis­senschaftlichen Erkenntnissen der Rasse, – Lebens -  und Naturgesetze aufgebaute nationalsozialistische Weltanschauung muss solche Vergiftungsversuche unserer Feinde wirkungslos an den Parteigenossen abprallen lassen.

Die Hoheitsträger sind hierüber mündlich zu unterrichten.

Sie haben dafür zu sorgen, dass sich besonders auf dem Lande, kein Parteigenosse an der Weiterverbreitung politischer Weissagungen, konfessionellen Wunder – und Aberglaubens sowie okkulter Wundermittel beteiligt.

 

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Jedem derartigen Gerücht, das in ihrem Bereich auftaucht, haben sie entgegenzutreten. Erwiesene Urheber und systematische Verb­reiter solcher politischen Weissagungen und Gerüchten sind den zuständigen Stellen staatlicher Organe zur weiteren Verfolgung be­kanntzugeben. Wo notwendig, ist mit geeigneten nationalsozialistischen Parolen zu antworten, so dass  derartige Gerüchte nicht ernst­genommen werden. Darüber hinaus kann diese Frage auch in politischen Versammlungen von geeigneten Rednern in geschickter Form behandelt werden.

 

Die Partei kann und wird es nicht dulden, dass unverantwortliche Elemente durch mittelalterliche Methoden das unter Opfern und im langen Kampf erworbene Vertrauen des Volkes in die politische Führung mit allzu durchsichtigen Zielen zu beeinflussen versuchen.

 

 

Heil Hitler

 

(M. Bormann)

 

Dokument 22, (BArch – NS 18/60)

 

 

Aktennotiz für Pg. Gutterer

                                        

                                               über

                                                                                                         Pg. Imhoff

 

 

Ich habe in der Angelegenheit des Rundschreibens „Aberglaube, Wunderglaube und Astrologie“ als Mittel staatsfeindlicher Propaganda soeben mit München gesprochen.

 

Reichsleiter Bormann will mit dem Rundschreiben erreichen, dass die Prophezeiungen, die von den kirchlichen und okkulten Kreisen kommen, lächerlich gemacht werden.

 

Diese Prophezeiungen beziehen sich in erster Linie auf Festlegung von Terminen zum Friedensschluß.

 

Aus dem Rundschreiben geht weiter klar hervor, dass gegen den Unfug des Handelns mit Heiligenbildern, Medaillen und Amuletten zum persönlichen Schutz gegen Fliegerbomben sowie gegen das konfessionelle Kettenbriefwesen von Schulung und Propaganda entspre­chende Schritte unternommen werden.

 

Die Anordnung an die Gauleiter soll erreichen, dass sich kein Parteigenosse an der Weiterverbreitung politischer Weissagungen, kon­fessionellen Wunder-und Aberglaubens sowie derartigen Wundermitteln beteiligt. Die Gegenparolen – dies geht klar aus dem Rund­schreiben des Reichsleiters hervor – beziehen sich nicht Gegenvorträge auf okkultistischem Gebiet, sondern lediglich auf diese poli-

 

 

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tische Gerüchtemacherei und Amulettenunfug. Auch das Schreiben an den Minister bezieht sich auf dasselbe Gebiet, desgleichen die An­ordnung des Propagandaministeriums vom 4.6.1941 an die Reichspropagandaämter, die lediglich auf das Rundschreiben des Reichs­leiters Bormann an die Gauleiter hinweist.

 

Diese Fragen haben also gar nichts mit der soeben in der Besprechung behandelten Gebiet einer Gegenpropaganda in Fragen in der Art der Eubisch-Vortäge zu tun.

 

 

Berlin, den 11.6.1941

Ti/Hu

 

Dokument 23, (BArch – NS 8/185)

  

 

Lagebericht auf dem Gebiet des astrologischen

 

Schrifttums

 

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.

.

 

                                                                                                                                                                                             Anlage 7

 

NIEDERSCHRIFT

 

 

Betr. Kriegspropaganda durch Nostradamus

 

 

Auf Grund der hier beigefügten Niederschrift vom 30. Januar 1940 wurde durch Reichsleiter  Alfred Rosenberg die Entscheidung getrof­fen, dass Prophezeiungen des Michel Nostradamus parteiseitig nicht mehr zitiert werden dürfen.

Dessen ungeachtet haben bekannte Zeitschriften, und zwar “Der Reichswart“ und der “Märki­sche Adler“ zur Jahreswende 1940/41 je einen ganzseitigen Beitrag über diesen  Propheten mit Auslas­sungen über die gegenwärtige Kriegslage gebracht. Ausserdem aber sind die in der vorher erwähnten Niederschrift Abzüge einer Originalausgabe der Prophezeiungen des Nostradamus inzwischen tat­sächlich hergestellt und an führende Männer der Partei verteilt worden. Das Wesentliche hierbei ist, dass diesen Fotokopien eine gedruckte „Einführung zu den Prophéties“ aus der Hand eines bekann­ten Berufsastrologen beigefügt und damit die ganze Angelegenheit ins rein astrologische Fahrwasser geleitet wurde.

Der hier in Rede stehende Sterndeuter Karl Ernst KRAFFT ist der gleiche, der auch in einer Bro­schüre, die das Amt der Schrifttumspflege aus der Hand des Pg. Schulte – Strathaus erhielt, als der­jenige erscheint, der eine “wissenschaftliche Bereinigung“ der Astrologie durch­zuführen in der Lage wäre.

Wenn man den Prophezeiungen des Nostradamus folgen will, so begibt man sich damit restlos auf den Boden des Fatalismus, denn wie sollte sonst die Behauptung begründet werden, dass Orakel­worte aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Ereignisse des 20. Jahrhunderts also vollkommen festste­hend enthalten.

“Der Reichswart“ in seiner Folge 50 lässt sogar zu, dass der Verfasser jenes Aufsatzes, C. Loog, in vollkommen eindeutiger Weise den Ausdruck Nostradamus “Kapitän von Großdeutschland“ auslegt und somit die Person des Führers in die Sache hineinzieht. Loog lässt unter der Vorgabe, den Schlüssel zu den Prophezeiungen des Nostradamus zu besitzen, durchblicken, dass er jedes von dem Propheten angeblich vorher gesagte Ereignis entziffern könne, d. h. also mit anderen Worten, dass führende Männer sich nur an ihn zu wenden brauchten, um zu erfahren, was nach der Vorschau nunmehr zu erfolgen habe.

Kriegsprophezeiungen sind an und für sich schon höchst unerwünscht, wenn sie aber gar von mass­gebenden Stellen gefördert werden, dann muss man sie in Ansehung der kritischen Gesamtlage im Bereich der Astrologie als höchst bedenklich bezeichnen.

Wir bitten daher, für die Unterdrückung von Kriegsprophezeiungen im allgemeinen und solche des Nostradamus im besonderen nach­drücklichst einzutreten. Hinzuzufügen ist, dass von der DAF. eine Sonderausgabe in Höhe von einigen 100 Exemplaren der Prophezeiun­gen des Nostradamus heraus­gegeben wurde, die den führenden Persönlichkeiten der Bewegung zugestellt wurde.

  

Dokument 24, (PAAA – R 66.658)

 

Abteilung Inf. IV                                                                                                                                                 Berlin, 19. Juni 1941          

Dr. Wilmanns

                                                        

                   

                                                                                  Geheim!

      

 

An das Büro Inf.

 

Im Zuge neuer Entwicklungen ist astrologische Propaganda auch im Ausland bis auf wei­teres unerwünscht. Da gleichzeitig im Reich über­all dafür Sorge getragen wird, daß mit astrologischem Schrifttum kein Mißbrauch getrieben werden kann, sind in Zukunft sämtli­che Vor­gänge in der Inf. – Abteilung, die sich auf astrologische Propaganda be­ziehen, als Geheimsache zu führen. Ich bitte deswegen, fol­gende Vorgänge herauszu­suchen, als Geheimsache zu bezeichnen und entsprechend zu behandeln.

 

1. Alle Vorgänge, die sich auf Nostradamus – Propaganda, sowie  den Nostrada­mus – Kenner K. E. Krafft beziehen.

2. Berichte und Erlasse der Dienststelle Brüssel, betreffend der astrologischen Zeit­schrift DEMAIN.

3. Vorgänge betreffend der Schrift von Noesselt „Sterne helfen den Deutsche siegen“, so­wie entsprechender Schriftwechsel mit Herrn Noesselt, Berlin.

 

Anmerkung:

Die „neueren Entwicklungen, die astrologische Propaganda auch im Ausland“ zum un­erwünschten Gegenstand werden ließen, nämlich Rudolph Hess Flucht nach Eng­land, zog den Geheimbefehl „Aktion gegen die Geheimlehren und sogenannte Ge­heimwissen­schaften“ vom 04.06.1941 nach sich (siehe Dokument 20).

 

Dokument 25, (PAAA – R 66.658)

 

Abtl. Inf. IV                                                                                                                                                           Berlin 22. Oktober 1941

Dr. Wilmanns

 

Betr.: Astrologische Propaganda

 

Im vorigen Jahr sind von uns mit gutem Erfolg Bearbeitungen der Nostradamus – Pro­phe­zeiungen eingesetzt worden. In diesem Jahr hatte ich eine Broschüre fertig stellen lassen „Sterne helfen den Deutschen siegen“, die den bisherigen Kriegsverlauf unter astrologi­schen Gesichtspunkten zeigt, die zeigt unter welch günstigen Vorzei­chen die deutschen Offensiven gestanden haben und wie günstig die Vorzeichen der deutschen Heerführer sind. Die Schrift schließt auf Seite 88 ff mit Vorsagen für das Jahr 1941, die man bei eini­ger gläu­biger Fantasie und geschickter Auslegung sogar halten könnte.

 

In Vorbereitung war eine weitere Schrift, die auf die schlechten Vor­zeichen der engli­schen Politiker hinweist. Beide Autoren sind im An­schluß an die Angelegenheit Hess von der Geheimen Staatspolizei zusammen mit mehreren Hundert anderen Berliner Astrologen fest­gesetzt worden.

 

Bei der telephonischen Rücksprache mit der Geheimen Staatspolizei (Herrn Ehrhardt) wurde von dort der Standpunkt vertreten, daß Pro­paganda mit astrologischen Mitteln auch im Ausland unerwünscht seien. Die Arbeit an obigen Schriften sind alsdann vor­läufig ein­ge­stellt worden.

 

Im vorigen Winter ist im übrigen auf unsere Veranlassung in Brüssel die astrologische Zeitschrift „Demain“ unter der Zensur des dorti­gen Mi­litärbefehlshabers wieder eröffnet worden.

 

Hiermit Herrn Generalkonsul WÜSTER

 

Vorgelegt mit der Bitte um grundsätzliche Entscheidung:

 

1. ob in Zukunft im Ausland wieder Propaganda mit astrologischen Mitteln betrieben wer­den soll,

 

2. ob und in welcher Form wir uns mit der Geheimen Staatspolizei wegen einer gege­be­nenfalls zeitweisen Beurlaubung der für uns not­wendi­gen Autoren in Verbindung setzen sollen.

 

Anmerkung:

Bei den beiden in Dokument 24 genannten Autoren, die nach der Flucht von Ru­dolph Hess festgesetzt wurden, handelt es sich um Karl E. Krafft und den Astrologen Heinz Noesselt, über den eine umfangreiche Personenakte der Reichsschrifttumskammer existiert ( BArch (ehemals BDC), SSO Noesselt Heinz, 5.11.1900)

Von Karl E. Krafft wissen wir, daß er im Mai 1941 sein nie veröf­fentlichtes Manu­skript „Das Schick­sal des Bri­tish Empire“ fertigstellte, welches im PAAA vorliegt. Zwar waren über Heinz Noesselt und den Verwendungszweck der deutschsprachigen Propagandaschrift „Sterne helfen den Deutschen siegen“ keine Dokumente im PAAA aufzufinden, aber dieses Werk wurde von der In­for­mationsstelle in den Druck gegeben, denn in der BSB ist es unter der Signatur 50 MA 15322 be­stell­bar. Am 30.07.1941 füllte er ein Antragsformular auf Mit­gliedschaft in der Reichschrifttumskammer aus und die darin gemachten Angaben widerlegen die bisherige Annahme, daß es sich bei Heinz Noesselt um ein Autorenpseudonym für Hans Hermann Kritzinger handeln könnte.

 

Dokumente zu Heinz Noesselt sind im BArch R einzusehen.

 

Dokument 26, (BArch – NS 18/595)

 

Die Negativbeurteilung der NS-Zensurbehörden zum Manuskript „Martin Luther als Ju­denfeind“ ist Bestandteil eines erhaltenen Akten­vorganges, der insgesamt 19 Seiten um­faßt.

Aus dem Gesamtkontext geht hervor, daß der Verfasser sein Ma­nu­skript am 09.09.1941 selbst beim RMVP einreichte, und daß die­ses am 29.04.1942 mit einem Ver­merk aus der Münchner Reichs­kanzlei nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Au­ßerdem sind aus diesen Dokumenten zwei weitere Schriften ersichtlich, die Alex­ander Centgraf verfaßte und zur Prüfung vorlegte:

 

„Wo stünde Martin Luther heute?“

„Wahrheit statt Legende“

 

Da alle drei Titel zwischen 1940 – 1941 entstanden und heute nicht mehr nachweisbar sind, muß angenommen wer­den, daß diese nie in den Druck gingen. Ganz im Gegen­satz dazu wird der pu­blizierte Titel „Ein Jude treibt Philosophie“ in die­sem Ak­tenvorgang nicht ge­nannt und ist bis heute noch in zahlrei­chen Bi­bliothe­ken ein­zusehen.

 

 

 

Beurteilung

 

des Manuskripts „Martin Luther als Judenfeind“ von Dr. Alexander Centgraf.

 

Die von Centgraf vorgelegte Zusammenstellung ist m. E. nicht zu ei­ner Veröffentli­chung geeignet, da sie eine christliche Tendenzschrift darstellt.

 

Gerade wegen ihres volkstümlichen Charakters müssen an solche Schriften stärkste An­forderungen gestellt werden. Die Abhandlung Centgrafs ist aber völlig aus dem christli­chen Gesichtspunkt heraus geschrieben. Der Verfasser will,  wie er im Vorwort selbst an­gibt, mit seiner Darstellung weite und breite Kreise des evangelischen Kir­chenvolkes, de­nen bis heute die Mitteilung über die Judenfeind­schaft Luthers vorent­halten wurde, erfas­sen.

 

Zwar verspricht der Verfasser im Vorwort, den religiösen Blickpunkt der bisherigen Ver­öffentlichungen zu diesem  Thema zu überwin­den, dieser programmatischen For­derung wird der Verfasser jedoch in seinen Abhandlungen nicht gerecht.

 

Vor allem scheint mir die These des Verfassers, Luther sei der erste deutsche und viel­leicht größte Antisemit vor Adolf Hitler gewesen ( Vorwort )  und Luther sei der erste unter allen großen Deutschen, der das jüdische Problem vom rassischen Standpunkt aus be­trachtete habe, ( S.22 ) politisch deshalb so gefährlich, weil Centgraf in seiner Darstellung nachzuweisen sucht, daß die  aus rassischen Gesichts­punkten hergelei­tete  Gegnerschaft gegen das Judentum und die aus christlichen Gesichtspunkten er­wachsende Judenfeind­schaft sehr wohl sich vereinigen lassen und in Martin Luther be­reits eine tragfä­hige Verei­nigung gefunden habe.

 

In der Erhärtung dieser These scheint mir die bedenkliche Auswir­kung der Centgraf­schen Darlegung und ihre verschleierte politische Ab­sicht zu liegen. Der rassisch ge­gründete Antisemitismus und der christlich gefärbte Antisemitismus werden damit in eins gesetzt und die Forderungen des Nationalsozialismus als christliche Forderungen aufgezeigt.

 

Wenn Centgraf so ausführt, Luthers Hass gegen die Juden ent­springe also nicht zuerst seinem religiösen Empfinden, sondern sei­nem Blute ( S. 21 ), so wird damit in seiner Ab­handlung zum Aus­druck gebracht, daß rassische Erkenntnis und christliche Haltung durchaus zu vereinbaren seien.

 

Die christliche Gebundenheit des Verfassers spricht ja aus fast allen seinen Formulie­run­gen, wenn er sich an die christlichen Kreise wen­det ( S. 6 ) oder an die christliche Le­bensgesinnung appelliert oder zum Christenvolk spricht usw. Darüber hinaus formu­liert der Verfas­ser auf Seite 8 ausdrücklich, er wolle „die evangelischen Christen mit der un­verfälschten Meinung Luthers gegen die Juden bekanntma­chen“ und ihnen nachweisen, Luther habe festgestellt, daß das Evangelium über den Juden versage und jeder Bekeh­rungsversuch an einem Israeliten nichts weiter sei, als ein Versuch an einem un­tauglichen Objekt ( S.20 )

 

Auch die Schilderung auf Seite 7 unten – von dem deutschen Bau­ern, „der doch noch oft in seinem schlichten Gotteshaus inmitten des dörflichen Friedens seine Seele still werden läßt vor dem Ewigen“ – zeigen deutlich eine politische Absicht. Wie wäre sonst die For­mulie­rung „noch oft“ zu verstehen?

 

Auch die Darstellung der inneren Haltung Luthers zum Problem des Judentums ist m. E. nicht überzeugend ( S.19 ).

Ein Grund, eine Verteidigungsschrift dafür zu schreiben, daß Luther immer konsequent in der Judenfrage gedacht und gehandelt habe, besteht m. E. nicht. Letztlich vermag die Abhandlung Centgrafs das Bild eines in dieser Frage schwankenden Luthers nur zu be­stärken.

 

Die politische Absicht der Schrift liegt jedoch m. E. darin, den Rassengedanken mit dem Christentum zu versöhnen und in dieser Sicht hat der Verfasser recht, wenn er schreibt, daß das Judenpro­blem auch über die Zukunft des christlichen Glaubens und der christ­li­chen Idee überhaupt entscheidet. Wenn man statt Judenproblem Rassen­problem sagt, wird die Gefährdung, die der Verfasser mit sei­ner Ab­handlung bekämp­fen will, eindeutig sichtbar. Die Centgrafsche Schrift ist als eine reine christliche Ten­denzschrift, die den Nachweis erbringen soll, Rassenbewußtsein und Christentum seien grundsätz­lich verein­bar, abzulehnen.

 

 

                                                gez. Knöpfel

 

Dokument 27, (BSB, Ztg 1607 MR (Mikrofilm), Völkischer Beobachter 01.02.1943 

 

Verdiente Männer der Wissenschaft vom Führer ausgezeichnet

                                                                                        

                                                                                 Berlin, 31. Januar.

 

Der Führer hat aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages der Machtsübernahme eine Anzahl um die Lösung von Kriegsaufgaben besonders verdiente Männer der Wissenschaft den Titel Professor verliehen; es sind dies:

 

Der Generalarzt z. V. med. Richard Hamann in Berlin-Dahlem, der Generalarzt Dr. med Hans Müller in Berlin Wilmersdorf, der Leiter der Auslandsabteilung der Reichsärztekammer in Berlin, Dr. med. Hellmut Haubold, der Ministerialrat Dr. Eugen Stähle in Stuttgart, der Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des St.-Hedwig-Krankenhauses in Berlin Dr. med Johannes Petermann, der Chefarzt der Chirurgi­schen Klinik der Städtischen Krankenhäuser in Dortmund Dr. med Ernst Wild der leitende Arzt der Kilinik für Naturheilkunde am Gerhard-Wagner-Krankenhaus zu Dresden Dr. med. habil. Alfred Brauchle, der Facharzt für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe Dr. med Hans Stadler in Geiselgasteig bei München, der Facharzt Dr. med Oskar Weski in Berlin W 15, der Leiter des Pharmakologischen Laboratori­ums der Schering A.-G. Berlin Dr. phil Max Dohrn, der Direktor der Krupp-Werke Dr. Ing. Erich Müller in Essen, der leitende Regierngsdirektor Dr.-Ing. Friedrich Brandes in Kiel, der Wehrwirtschaftsführer Dipl.-Ing. Krt Tank in Bremen, der Privatgelehrte Dr. phil. Hans Hermann Kritzinger in Berlin-Steglitz, der Oberregierungsrat vom Reichskommissar beim Oberprisenhof Berlin Dr.jur. Bert­hold Wildmann, der Oberassistent am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Berlin rer. nat. Wilhelm Dietrich.

 

Anmerkung:

Laut den Berliner Adreßbücher und Einwohnerverzeichnissen ist Dr. Hans Hermann Kritzinger zwischen 1933 – 1943 nachzuweisen. Seine Anschrift wird in diesen Jahren stets gleichlautend angegeben: Kritzinger Hans Herm Dr Astronom Steglitz Sedanstr 16.

 

Dokument 28, (BArch – NS 8)  

 

Abschrift/K.

 

      Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

                               Partei-Kanzlei  

                                                         Führerhauptquartier, den 10.7.43

Der Leiter der Parteikanzlei        München 33,

                                      Führerbau 

 

                                              Eo/Z

 

 

Herrn                                                                  Persönlich

Reichsleiter Rosenberg,                                                                                                    

Berlin-Charlottenburg 2,

Bismarckstr.  1.

 

Betrifft:  Professor Hermann Kritzinger

 

 

 

Sehr geehrter Herr Rosenberg !

 

Sie übergaben mir am 21.5. eine den Okkultisten Hermann Kritzinger betreffende Niederschrift: Kritzinger erhielt nach dem „Völkischen Beobachter“ von 1.2. mit anderen um die Lösung von Kriegsaufgaben besonders verdienten Männern der Wissenschaft den Titel Pro­fessor.

Meine Nachforschungen ergaben, daß der Vorschlag, den Okkultisten den Professor-Titel zu verleihen, vom Oberkommando der Kriegs­marine ausgegangen ist; Kritzinger soll mit einem ganzen Stab sogenannter Pendler sich um die Auspendelung von Geleitzügen bemüht haben!

 

Ich werde festzustellen versuchen, ob auch nach dem Wechsel der Marineleitung diese Pendelei fortgesetzt wird.

Im übrigen soll Herr Kritzinger ein guter Bekannter des Admirals Canaris sein.

      

                                                                                                                     Heil Hitler !

                                                                                                                          Ihr

                                                                                                           gez:    Bormann

 

 

Anmerkung:

Zum „Pendelinstitut“ siehe Ellic HoweUra­nias Kinder: Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich, S. 317 - 319“.

 

Dokument 29, (BArch – NS 19) 

 

 

 

Ilse Hess

 

 

                                                                                                                                             Bad Oberdorf

                                                                                                                                             Haus Bürgle 8                                            

                                                                                                                                             Fernruf Hindelang

                                                                                                                                            

  13. Oktober 1944

                                                                                                                                            

                                                                                                                                               Einschreiben!

 

 

Reichsführer SS                       

Heinrich Himmler

Berlin  SW 11

Prinz Albrechtstr. 8

Feld-Kommandostelle

 

 

……………….

……………….

 

Sie als Chef der deutschen Polizei haben zwar seit Langem Zauberei, Wahrsagerei usw. usw. verboten, - und ich steh ja Gott sei Dank eher in dem Ruf, überirdische Dinge in diesem Zusammenhang abzulehnen – aber hat Ihnen  nicht auch vor Jahren  schon jemand  von jener Nostradamusprophezeiung erzählt, nach der „der Russe an den Toren des Reiches stehen würde, im Rhein Blut fließen müsse, bis urplötzlich Ausgang 1944 der Umschwung kommen würde“. Nur dürfe der „Feind niemals seinen Fuß auf die Lüneburger Heide setzen, dann wäre das Reich verloren“ – würde das aber vermieden, und käme vorher noch der Mann aus dem Westen zurück, dann würde man den Bären (also den Russen) zuerst vernichten, dann den Löwen (also England) und das „Reich der Mitte“ würde einer langen und grossen Zukunft entgegensehen.

Jetzt denken Sie nicht, ich habe Ihnen den Brief wegen dieser ollen Weissagung geschrieben – ich hab sie vor zwei Jahren schon einmal gehört, hab damals wegen der Lüneburger Heide gelacht – jetzt erscheint sie einem ja immerhin als nicht so absurd – und hab als den  Mann aus dem Westen den alten Herrn Pétain angesehen. Ich brauch auch keine alte Prophezeiung, um mich im Glauben und der Zu­versicht zu stärken – aber sicherlich giebt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich unser Verstand nicht träumen lässt, die vielleicht einmal von uns begreifen werden. Heute, wo sie noch „Zauberei“ sind, soll man sie sicher nicht Herr werden lassen über sich. Aber seit der Gedanke an meines Mannes Rückkehr sich so festgefressen hat in mir, erscheint mir doch manchmal der “Mann as dem Westen“ der Prophezeiung!

 

Anmerkung:

Der Brief von Ilse Hess, die Ehefrau von Rudolph Hess, an Heinrich Himmler umfaßt 5 Maschinen beschriebene Seiten. Darin appelliert sie in weiten teilen an seinen Einfluß dafür Sorge zu tragen, ihren Ehemann „von drüben herauszuholen“.

Der zitierte Text dokumentiert in aller Deutlichkeit, daß Nostradamus Prophezeiungen in einer völlig übersteigerten Form im Umlauf waren.

 

 

 

 

 

 

Dokument 30, (BArch – R 55/23552)  

                                                                                                                                             Berlin, den 5. Januar 1945

 

Herr Leiter Pers

 

Betr: Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes und

          der Kriegsverdienstmedaille an Angehörige

          der Antikomintern.

 

1.) Karl Baumböck

      Bln.-Schöneberg

      Badische Str. 2

 

I. Kriegsverdienstkreuz I. Klasse ohne Schwerter

 

           Herr Baumböck hat als Generalsekretär der Antikomintern praktisch seit Jahren die gesamte Leitung der Antikomintern. Er hat mit eigener Initiative und großen Fleiß sämtliche Propagandamaßnahmen auf dem antibolschewistischen und bis zum Herbst des Jahres 1943 auch auf dem antijüdischen Sektor durchgeführt.

Diese Propagandamaßnahmen liefen sehr häufig im Rahmen großangelegter politischer Aktionen, die für den Kriegsverlauf von aus­schlaggebender Bedeutung waren. B. hat sich für seine Aufgaben immer voll und ganz eingesetzt. Er hat außerdem die Antikomintern über die schwierigsten Situationen, in die sie infolge mehrfacher Ausbombungen geraten war, glücklich hinweggebracht, so daß heute in der Antikomintern über ein schlagkräftiges Propagandainstrument verfügt werden kann.

 

II. Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ohne Schwerter

 

1.) Dr. Alexander Centgraf

      Schlieben über Herzberg, Klater

      Herrenstr. 10

 

           Dr. Alexander Centgraf ist seit mehreren Jahren freier Mitarbeiter der Antikomintern. Er hat vorwiegend bei kriegswichtigen Son­deraktionen der Antikomintern mitgearbeitet; so z.B. „Nostradamus“-Aktion. Centgraf hat die ihm übertragenen Aufgaben mit au­sserordentlichem Können und Fleiß sowie der erforderlichen Diskretion durchgeführt.

- 2 -

 

Dokument 31, (BArch – DS E 0109)

 

Auszug aus dem Geschäftsverteilungsplan des Wirtschafthauptamtes 1945 zu Dr. Werner Wilmanns

 

                                                                

                                                                      Planungsamt

 

 

 

Name

Vorname

 

 

Geb.-

Datum

 

 

Beruf

 

 

Heimat-

anschrift

                                              13)

 

1) Letzt. Tätigkeitsort

2) Vermutl. Aufenthalt

 

Wilmanns, Dr.

Werner                      √

 

 

 

Ziemann,

Arnold                       √

 

 

 

Zimmermann, Dr.

Max                            √

 

 

 

23.4.12

 

 

 

 

4.8.99

 

 

 

 

9.4.84

 

Ref.

 

 

 

 

Ref.

 

 

 

 

Ref

 

?

Wilmdorf

?

 

 

Bln NW 18, Kaiserin

Auguste–Allee 97c

 

 

 

Leipzig W 35, Baum-

garten–Crusiusstr.3

 

Anfang 1945 einberufen

 

 

 

 

1) Bln–Kürfürsten-

             damm 57

 

 

 

1) Bln–Kürfürsten-

             damm 57

 

Anmerkung:

Die Wohnanschrift Dr. Werner Wilmanns war auch anhand starker Vergrößerungen nicht einwandfrei lesbar zu reproduzieren. In der zweiten Zeile ist jedoch „Wilmdorf“ zu er­kennen. Dies deutet darauf hin, daß Dr. Wilmanns zur Zeit der Erstellung dieses Schrift­stückes, also 1945, im Berliner Stadtteil Wilmersdorf lebte.

In den „Berliner Einwohnerverzeichnissen“ ist der volle Name Dr. Werner Wilmanns zwar nachzuweisen, aber eine sichere Zuordnung zum Mitarbeiter der Informations­stelle IV ist nicht gegeben.

Soweit aus den erhaltenen Beständen im PAAA und der „Ak­ten zur Deutschen auswärtigen Politik , 1937 – 1941“ ersichtlich, wurde die Tätigkeit der Informati­onsstelle 1943 gänzlich eingestellt. Dr. (Werner) Wilmanns wechselte daraufhin als Referent des Pla­nungs­amtes wieder ins Wirtschafts­hauptamt bis er Anfang 1945 von der Wehr­macht einge­zogen wurde. Sein weiteres Schicksal war nicht zu ermit­teln, und da er auch nicht im Gedächtnisprotokoll von Anna Theresia Krafft van de Koppel als Zeuge benannt wurde, ist davon aus­zuge­hen, daß er nicht bis Kriegsende überlebte.

 

Dokument 32, (SLA – Inventar der Briefe an Hermann Hesse, Ms L 83, Centgraf, Alexan­der, Dr.)

 

 

Anmerkung:

Der Familienname Wipfelder auf dem Briefkopf (Seite 1) ist anhand der „Berliner Einwohner­verzeichnissen“ nicht nachweisbar.

 

Dokument 33, (IFZ – ID 105/1)

 

Aufgrund einiger Anfragen, weshalb ausgerechnet dieses wichtige Dokument nicht in vollem Umfang wiedergegeben wird, muß hier auf das IFZ verwiesen werden. Das Institut vertritt die prinzipielle Auffassung, daß die Veröffentlichung „ihrer Dokumente“ unerwünscht sei und gegen die Nutzungsbedingungen des Hauses verstoßen würde. Wer also über den Gesamtinhalt des Gedächtnisprotokolls ver­fügen möchte, muß sich an das IFZ wenden.

 

 

Kurzer Lebenslauf und Begleitumstände, die der Verhaftung K. E. Krafft’s vorausgin­gen.

 

...................

...................

 

Im Herbst wurde mein Mann eines Tages angerufen von Herrn Wil­manns aus dem Aus­wärtigen Amt mit der Bitte, die Arbeit eines Herrn X. über Nostradamus, mit der er nicht zufrieden war, zu korri­gieren. Er hat den Vorschlag zunächst abgeschlagen, da er bereits genug zu tun hatte. Nach anhaltendem Drängen sagte er zu, sich die Arbeit an­zusehen, die er jedoch zurückwies mit der Begründung, er könne die Sache nicht kor­rigieren, er müsse sie neu verfassen, woran er aber gar nicht dachte. Dr.  Wilmanns bat ihn nun ein­dring­lich, er möge nun ein Kommentar zu den Prophezeiungen schreiben, wozu K. E. Krafft schließlich seine Einwilligung gab aus der mir ge­genüber aus­ge­spro­chenen Überle­gung heraus: “Ich kann der Welt damit einen Sinn bekunden, “der je­doch keineswegs be­steht aus der Vorweg­nahme künftigen Geschehens, sondern ein Zeugnis vom Be­stand überzeitlicher Welten und Kräfte, trotzdem die Prophezeiungen meist Not und Ungemach bekunden...“, wie er sich in der Einleitung der oben erwähn­ten Fotokopie dieser Prophe­zeiung ausdrückt. Das Buch erschien unter dem Titel: “Comment Nostradamus voit-il l’avenir de l’Europe, “ als er sich schon in Haft befand. In Deutschland durfte das Buch aber nicht verbreitet werden. Vor Abschluß desselben kam es einige Male zu einem Zu­sammenstoß mit Dr. Wilmanns, da mei­nem Mann zu­gemutet wurde, geschichtliche Daten und Ereignisse und ihre unwillkommene Deutun­gen zu ändern. Er weigerte sich ka­tego­risch und sagte, daß er seinen Namen nicht dafür hergäbe. Schließ­lich kam es zu einer Einigung, indem nur mehr verlangt wurde, die unwillkom­menen Verse und ihre Deutungen wegzulassen. Dadurch bekam das Buch einen einseitigen Charakter.

 

...................

...................

 

Anmerkung:

Der obige Auszug stammt aus dem 17 Maschinen beschriebe­nen Seiten umfassen­den Gedächtnisprotokoll, das die Ehefrau von Karl E. Krafft, Anna Theresia van de Koppel, am 12.03.1954 dem Münch­ner IFZ überreichte. Alle Dokumente dieses Ar­chivs, die sich auf seine Person beziehen, sind unter der Signatur ID 105/1 einzuse­hen.

Ihre Darlegungen sind insge­samt als eine seltsame Mixtur aus nachweisbaren Fak­ten und Halb­wahrheiten zu werten. Dies ist je­doch insoweit verständlich, als daß sie im Rah­men eines angestrebten Entschädigungsprozesses keine An­gaben machen konnte, die ihren Mann im nachhinein kompromi­ttiert und belastet hätten.

Beispielweise widerlegt der Inhalt des Dokumentes 4 ihre Be­hauptung, ihr Ehemann sei im Herbst 1940 von Dr. Wilmanns ange­rufen worden, um ihn zur Kooperation gera­dezu zu nötigen; dies ge­schah be­reits am 06.05.1940 in einer Art und Weise, die nicht den Schluß zuläßt, daß die Aufforderung zur Kooperation durch den Ab­teilungsleiter der Informationsstelle, Dr. Rahn, mit erheblichen Druck er­folgte.

Des weiteren ergeben sich aus Dokument 5 keine offensichtlichen Indizien dafür, daß Karl E. Krafft das Gespräch mit Dr. Wilmanns in ei­ner zwanghaften Atmosphäre führte. Seine vertrauensselige Mit­teilung, wonach Hans Hermann Kritzinger versucht hätte, bei ihm No­stradamus–Material herauszulocken, beruhte auf seiner Eigenin­itia­tive.

Auch ist der erhaltenen Kor­respon­denz des A. A. zur Urheber­schaft des Buches „Hoe zal deze oorlog endi­gen?“ zu entnehmen, daß er mit seiner Anfrage vom 16.04.1940 vier Exem­plare dieses Bu­ches über das A. A. anforderte und auch erhielt. Die Dokumente der In­formationsstelle belegen also, daß er schon weit vor dem Herbst 1940 mit Beamten des A. A. in Kontakt stand.

 

Dokument 34, (BSB – HA 7 En 953)

 

Auszug aus „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1937 – 1941, Serie D, Band 10, Seite 496“ zur Informationsstelle IV, Referatslei­ter Dr. Wil­mans aus dem Wirtschaftshauptamt.   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





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