Inhalt
Prolog
Die Auslandsausgabe der DAZ
Elisabeth Noelle und das Propagandaministerium
Die „Publikationsgeschichte“ der Dissertation
Promotionsverfahren im Schnelldurchgang
Meineidliche Erklärung?
Nostradamus-Artikel der DAZ vom 16.06.1925
63 Jahre danach noch ewiggestrig
Knurrende Wölfe
Anmerkung Siegfried
Höxter
Schlussbetrachtung
Dokumentation
Qellen
Pünktlich zu ihrem 90. Geburtstag präsentierte
Elisabeth Noelle-Neumann ihre Lebensgeschichte in dem autobiographischen Buch
„Die Erinnerungen, 2006“. Gewiß keine literarische Perle, geschweige denn eine von
fesselnder Dramatik und brennender Leidenschaft überquellende Vita. Diese
wirkt viel eher als hätte die Autorin alles, was sie jemals äußerte oder
publizierte, für das Leserpublikum genießbar zubereitet. Mit den eigenen
Erinnerungen durch den Garten der Geschichte wandelnd, schloß
die Autobiographie mit vollkommener Selbstzufriedenheit über die eigenen Leistungen
im Leben. Nun ja…, man sollte sich allem, was nicht authentisch zu sein
scheint, mit Vorsicht nähern, insbesondere dann, wenn es sich um die
Autobiographien von Mitgliedern gesellschaftlicher Eliten handelt.
Man wird überrascht sein, auf welch kurzem Wege
sich die Legende von der „Pythia vom Bodensee“, die Jahrzehnte lang als
beispielhafte Erfolgsstory der Nachkriegszeit forciert wurde, als
sentimentales Ammenmärchen entzaubern läßt. Auch ganz ohne Einsichtsnahme in Elisabeth
Noelle-Neumanns Privatarchiv, die am 25.03.2009 das Zeitliche segnete!
Ihr Ableben kann jedoch kein Argument dafür
sein, daß sie als letzte
Wort behält.
Vor der Veröffentlichung ihrer Autobiographie
fiel sie in mehreren Interviews, die sie gab, mit äußerst befremdlichen
Äußerungen auf und erregte erstaunte Verwunderung, wobei ihre ungefragten Nostradamus–nostalgischen Kriegserinnerungen noch am
„gehaltvollsten“ erschienen. Wahrscheinlich aufgrund fehlender Neugierde oder
mangelndem (aber angebrachtem) Mißtrauen haben es
ihre Interviewer ein um das andere Mal versäumt, Elisabeth Noelle–Neumann diesbezüglich genauer auf den Zahn zu
fühlen, um herauszufinden, was es damit auf sich hat.
Doch die „grand dame der Demoskopie“ erinnerte sich sicherlich noch an
lange an Zeiten, in denen die Leute keine Scheu davor hatten, ihr derbe an den
Karren zu fahren, wenn sie allzu sehr über die Stränge schlug.
Eine Märchentante aus Allensbach hat
1974 zwar die Buchhändler für deren Geld das Fürchten gelehrt, indem sie mit
Suggestivfragen und solchen, die niemand beantworten kann, mit vorurteilsbeladenen Fehldeutungen, mit ständiger Vermengung
ermittelter Tatsachen und bloßer Meinungen, alle Statistiken ignorierend das
Schreckbild eines „Zerfalls der Lesekultur“ zeichnete und zum Kampf gegen den
„Freßfeind“ Fernsehen blies.«
Trotz dieser höchst fragwürdigen
Erhebungsmethoden wurden 1993 unter dem Titel »Der befragte Leser« die
inzwischen vollkommen veralteten Ergebnisse aus den Jahren 1968 bis 1974
nochmals veröffentlicht, allerdings in einer Aufmachung, die Aktualität
vorspiegelt und erst auf den zweiten Blick das wahre Alter preisgibt. (Zitat:
Heinz Steinberg, Nachwort zum Buchtag, 1981, Nr. 7/8, S. 638–639)
Doch zurück zu den zwanghaften
„Nostradamus-Erinnerungen“:
Beim Lesen der fraglichen Interviews und einem
inhaltlichen Abgleich mit ihrer Autobiographie sticht sofort ins Auge, daß Elisabeth Noelle-Neumann das im obigen Zitat von Heinz
Steinberg beschriebene Strickmuster mit nur einer einzigen Ausnahme
konsequent einhielt: „Ich bleibe bei dem, was ich immer schon erzählt
habe, bis es gefressen wird.“ Mag sein, daß diese
äußerst fragwürdige Einstellung oft zum gewünschten Ziel führte. Aber in
diesem Fall löste Elisabeth Noelle-Neumann, die sich gerne in der Opferrolle
sieht, einen klassischen Bumerangeffekt aus und strapaziert damit die
grundsätzliche Glaubwürdigkeit ihrer Autobiographie. Dort machte sie nachweislich
falsche Angaben zu einem sehr sensiblen Punkt, der in den vergangenen
Jahrzehnten immer wieder Anlaß zu heftigster Kritik
war: ihr Werdegang während der Nazidiktatur!
Die Analyse von spezifischen Stichwörtern in
ihren Nostradamus-Einlassungen, die sich auf das Jahr 1940 beziehen, förderte
erst bei genauem Hinsehen ein Detail zutage, das sich letztendlich als
Falschinformation entpuppte.
Denn Elisabeth Noelle-Neumann behauptete
wiederholte Male, daß ihr am 16.06.1940 in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) erschienener
Nostradamus-Artikel seines heiklen Themas wegen zuerst der Zensurstelle des
RMVP vorgelegt wurde. Das RMVP stimmte der Veröffentlichung des Artikels in der
Auslandsausgabe der DAZ zu, jedoch nur Ereignisse betreffend, die schon
eingetreten seien.
Aber eine Auslandsausgabe der DAZ wurde zu
keinem Zeitpunkt aufgelegt und vertrieben. Demzufolge war dieser Artikel
vorrangig für die Inlandspropaganda bestimmt und kann aufgrund der besonderen
Umstände, die im Haupttext
dieser Arbeit beschrieben wurden, ausschließlich vom RMVP in Auftrag gegeben
worden sein.
Anmerkung:
1. Bei der oben erwähnten Ausnahme handelt es sich um die Nennung des Namens Sieburg (Friedrich Carl Maria Sieburg) im Interview mit Wolfgang Hagen (siehe unten), der innerhalb der nazistischen Kriegspropaganda zumindest in erhaltenen Archivdokumenten bisher noch nicht zweifelsfrei nachzuweisen war. Sollte dieser Fall jedoch tatsächlich eintreten, so wäre das als unausgesprochenes Eingeständnis darüber zu verstehen, daß Elisabeth Noelle-Neumann über ein spezifisches Hintergrundwissen verfügte, das sie nicht preisgab. Dieses Hintergrundwissen beruht jedoch zwingend auf Personen, die in der nazistischen Nostradamus-Propaganda involviert waren. Die Namensnennung von Sieburg war indes alles andere als willkürlich gewählt, denn sie arbeitete im Jahre 1943 mit ihm zusammen in der Frankfurter Zeitung.
2. Die DAZ wurde seit jeher in Berlin produziert und vertrieben. Bis 1945 sind eine Reichsausgabe, eine Ausgabe Groß-Berlin, eine Ausgabe Norddeutschland und eine Ausgabe Süddeutschland nachgewiesen. Richtig ist lediglich, daß die DAZ auch ins Ausland vertrieben wurde.
So findet sich z. B. im „Reichsoffzierblatt“, Jahrgang 19 (1940) vom 05.04.1940, Nr. 10 folgender Werbetext zur DAZ:
Briefe über Briefe
müßten
Sie Ihren Freunden im Ausland schreiben, wenn Sie alles
Wissenswerte aus Deutschland mitteilen wollten. Machen sie es
sich einfacher. Bestellen Sie für Ihre Freunde im
Ausland die
Deutsche Allgemeine
Zeitung
etc. pp
Bestellungen bitten wir an den Auslands-Vertrieb der Deutschen
Allgemeinen
Zeitungen Berlin W68, zu richten.
Die von Elisabeth Noelle-Neumann gelieferte
Falschinformation zur DAZ warf allerdings die dringend zu beantwortende Frage
auf, was sie tatsächlich für eine Beziehung zu Goebbels Ministerium
unterhielt, dessen Nostradamus-Propaganda zum Zeitpunkt des Erscheinen ihres
Artikels in der DAZ auf Hochtouren lief.
Die definitive Antwort darauf ist anhand der
erhaltenen Promotionsakte, die im Archiv der Humboldt Universität Berlin
verwahrt wird, ebenso banal wie bezeichnend: Elisabeth Noelle-Neumann schrieb
nur kurze Zeit vor Erscheinen des Nostradamus-Artikels in der DAZ ihre Dissertation mit Unterstützung des
Propagandaministeriums! Dieser Umstand wurde spätestens am 07.02.2005 in einem
Seminarvortrag der Humboldt Universität Berlin bekannt, der frei
zugänglich einsehbar ist.
Transkribierte
Originaldokumente aus der Promotionsakte Elisabeth Noelle (erstellt am
20.03.2010)
Einen konkreten Hinweis darauf, mit wessen
Unterstützung Elisabeth Noelle genau ihre Dissertation schrieb, lieferte sie
aber schon im Vorwort selber.
„Schließlich
danke ich dem Referenten im
Propagandaministerium Dr. Fröhlich, durch
dessen Vermittlung mir das aktuelle Material über die amerikanischen
Massenbefragungen seit Kriegsausbruch zugänglich gemacht wurde.“ (Zitat:
Elisabeth Noelle, Amerikanische Massenbefragungen über Politik und Presse,
S.3“
Noch am 26.12.2006 behauptete sie in einem
Interview mit WELT.de, daß Joseph Goebbels erst auf ihre Dissertation (in alle
Prüfungsfächern mit „sehr gut“ benotet!) aufmerksam geworden sei, nachdem sie
schon bei der Zeitung DAS REICH, also nach ihrer Promotion vom 17.09.1940,
angestellt war. Auch in ihrer Autobiographie „Die Erinnerungen“ findet sich auf S.
103 – 104 eine sehr ähnliche Darstellung.
Um jedoch Elisabeth Noelles Verbindung zum RMVP
besser einordnen zu können, ist es notwendig,
das Institut für Zeitungswissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr.
Emil Dovifat an der Friedrich-Wilhelms-Universität
genauer zu hinterfragen.
Emil Dovifat war seit
1928 leitender Mitarbeiter dieses Institutes der Philosophischen Fakultät und
Doktorvater von Elisabeth Noelle. Spätestens im Jahre 1935 mutierte es unter
seiner Regie zu einer nationalsozialistischen Kaderschmiede des Reichsministeriums
für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und Goebbels Propagandaministerium.
Denn diese beiden Ministerien sowie drei große Berufsverbände der Presse
waren Hauptfinanzgeber des Institutes für Zeitungswissenschaften.
Von dieser Warte aus gesehen erscheint es nur
folgerichtig, daß sich das RMVP massiven Einfluß auf einzelne Dissertationsarbeiten von Studenten
vorbehielt, und diese schon vor ihren Abschlüssen zur späteren Mitarbeit im
Ministerium verpflichtete.
Transkribierte
Originaldokumente aus der Personalakte Prof. Dr. Emil Dovifat
Anmerkung:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte
Emil Dovifat zu den Mitbegründern der Freien
Universität Berlin und der CDU!
In ihrer Autobiographie machte Elisabeth
Noelle-Neumann weiterhin geltend, daß der Verlag Diesterweg, der ihre Dissertation nach der Promotionsprüfung
vom 14.03.1940 publizierte, sie im Spätsommer 1940 anrief, weil dieser
beabsichtigte, eine Neuauflage zu drucken. Aber vorher müsse sie auf Forderung
des Propagandaministeriums einiges ändern. Sie habe dann gesagt, daß sie nichts ändern wolle, und deshalb hätte es auch
keine zweite Auflage gegeben. (siehe „Die Erinnerungen“, S. 84)
Aber dies war nicht das erste Mal, daß sie sich zu diesem strittigen Punkt äußerte:
Ein halbes Jahr nach dem Erscheinen meiner
Doktorarbeit im Moritz Diesterweg Verlag im Winter
1940 waren die 2000 Exemplare der ersten Auflage vergriffen. Dovifat sagte mir,
das Propagandaministerium – oder das Auswärtige Amt? – gebe zur zweiten
Auflage nur die Genehmigung, wenn ich am Text einiges ändere. Ich sagte gleich,
daß ich das nicht wolle. Dovifat
versuchte auch nicht, mich zu Änderungen zu überreden. Ich wäre auch sehr
erstaunt gewesen, das hätte überhaupt nicht zu meinem Bild von ihm gepasst. Die
zweite Auflage unterblieb also. (Zitat: Emil Dovifat: Studien und Dokumente
zu Leben und Werk, 1998, S. 18)
Mit ihrem Unwillen, den Änderungsforderungen
Folge zu leisten, suggerierte sie dem Leserpublikum ihrer Autobiographie den ersten
Konflikt mit dem RMVP, der sich im Jahre 1940 zugetragen haben soll. Dies ist mit den einfachen Mitteln einer Katalogrecherche zu verwerfen.
Noch
im Jahre 1940! erschienen gleich zwei Ausgaben
der Dissertation, herausgegeben von zwei unterschiedlichen Verlagen.
1. Amerikanische Massenbefragungen über Politik und Presse
Elisabeth Noelle-Neumann. - Limburg a.d. L.: Limburger Vereinsdr.,
1940
Besondere Merkmale:
a) Auf dem Deckblatt dieser Ausgabe finden sich die Promotionsdaten
Elisabeth Noelles. Dort heißt es:
INAUGURAL-DISSERTATION
zur
Erlangung des Doktorgrades
der
Philosophischen Fakultät der
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin
Vorgelegt
von
ELISABETH
NOELLE, cand. phil.
Tag der Prüfung: 14.
März 1940
Tag der Promotion: 17.
September 1940
b)
Auf der letzten Seite der Dissertationsschrift findet sich desweiteren
auch ein Lebenslauf, was der damaligen
Promotionsordnung (einzusehen im Archiv
der HU Berlin) entsprach.
c) Diese Ausgabe ist identisch mit jener, die sich
auch in Elisabeth Noelles Promotionsakte unter Blatt 72a findet.
d)
Das Exemplar aus der Berliner Staatsbibliothek unter der Signatur Diss. 1940/697 weist auf dem Deckblatt
folgenden Stempelvermerk auf:
Nur in beschr. Anzahl f. d. Austausch
Somit ist nachgewiesen, daß
die Ausgabe der Limburger Vereinsdruckerei die Erstausgabe der
Dissertationsschrift war. Diese ging nach der Publikation als Pflicht - bzw.
Nachweisexemplare an zahlreiche Institutionen, und sind auch heute noch für
jedermann einsehbar.
2. Amerikanische Massenbefragungen über Politik und Presse
Elisabeth Noelle - Frankfurt : Diesterweg, 1940
Die Zweitauflage der Dissertationsschrift von
Elisabeth Noelle erschien in „Zeitung und
Zeit“, einer Publikationsreihe der „Deutschen Gesellschaft für
Zeitungswissenschaft“ unter dem Titelblatt-Aufmacher „Meinungs – und Massenforschung in U.S.A.“ Die Promotionsdaten und der
Lebenslauf fehlen in der Diesterweg-Ausgabe, nach
Elisabeth Noelle-Neumanns falscher Aussage die erste Auflage von 2000
Exemplaren, aber ansonsten stimmen beide Schriften inhaltlich exakt überein.
In welchem zeitlichen Abstand beide Ausgaben
im Laufe des Jahres 1940 erschienen, war nicht exakt festzustellen. Tatsache
ist jedoch, daß das RMVP das Erscheinen einer
Zweitausgabe weder untersagte noch sonst wie behinderte, wie von Elisabeth
Noelle-Neumann wiederholte Male dargestellt wurde!
Transkribiertes
Originaldokument aus der Promotionsakte Elisabeth Noelle (erstellt am
01.11.2011)
Auch hier stellt sich abschließend die Frage,
was Elisabeth Noelle-Neumann damit bezweckte, der Öffentlichkeit einen Konflikt
mit dem RMVP vorzugaukeln, der lediglich auf einer manipulierten Darstellung der
Publikationschronologie ihrer Dissertation beruht, die schon immer im Handumdrehen
zu widerlegen war.
Aufgrund der verfügbaren Daten, die o. g.
Promotionsakte enthalten, entsteht geradezu der Eindruck, daß
Elisabeth Noelle-Neumann regelrecht im Schnelldurchgang durch die Promotion geschleust
wurde. In einem Zeitraum von nur einem Monat und vier Tagen! durchlief
sie das Promotionsverfahren bis zur Promotionsprüfung (mündliche Prüfung) mit
der Gesamtbenotung sehr gut!
Verwunderlich umso mehr, als daß sich Elisabeth Noelle-Neumann den autobiographischen
Darstellungen zufolge nach allen Regeln der Kunst durch das Studium und die Abschlußprüfungen schlich.
10.02.1940
Abgabe der Dissertation durch Elisabeth Noelle
02.03.1940
Begutachtung der Dissertation durch Prof. Dr. Dovifat abgeschlossen und mit der Bewertung sehr gut vorgeschlagen. Nur ein Verbesserungsvorschlag wurde gemacht. Im Gutachten heißt es dazu:
„Seite 236 wird bei der Forderung enger Fühlungsnahme zwischen Volksführung
und Volksmassen zu berücksichtigen sein, welche Aufgabe hier gerade der NSDAP
anvertraut ist. Die Seite 236 genannten Äußerungen des Reichsministers Dr.
Goebbels sind zweckmäßig durch die Ausführungen des Führers zu ersetzen, die er
in seinem Buch „Mein Kampf“ über die öffentliche Meinung gemacht hat.
Elisabeth Noelle schreibt hierzu in ihrer Autobiographie:
Mein
Doktorvater Emil Dovifat nahm die Arbeit entgegen,
las sie und hatte nur einen einzigen Korrekturvorschlag. Ich hatte den berühmten
amerikanischen Journalisten Walter Lippmann zitiert, der 1922 ein glänzendes
Buch zum Thema öffentliche Meinung geschrieben hatte. Lippmann war Jude. Dovifat erläuterte mir nun, es gebe an der Universität die
strikte Anweisung, jüdische Autoren entweder gar nicht mehr zu zitieren oder,
wenn man wenn man auf das Zitat nicht verzichten könne, hinter dem Autorennamen
den Zusatz «Jude» anzufügen. Da ich für Lippmann wegen seines großartigen
Buches eine fast grenzenlose Bewunderung hegte, entschied ich mich dafür, das
Zitat mit dem Zusatz «Jude» in der Arbeit zu belassen. Dies ist später als
Beleg für meinen angeblichen Antisemitismus herangezogen worden. Tatsächlich belegt
es eher das Gegenteil. Die Alternative wäre gewesen, den Hinweis auf Walter
Lippmann zu streichen. (Zitat „Die Erinnerungen“, S. 83)
06.03.1940
Vom Dekan der philosophischen Fakultät mit dem Prädikat sehr gut zur Promotionsprüfung zugelassen.
14.03.1940
Promotionsprüfung (mündliche Prüfung) in Geschichte,
Zeitungswissenschaften, englisch-amerikanisch abgelegt und in allen drei Prüfungsfächern
mit sehr gut bestanden.
Elisabeth Noelle reichte gemäß der damals
gültigen Promotionsordnung für die Philosophische Fakultät am 09.02.1940 eine
eidesstattliche Erklärung zu ihrer Dissertation ein, in der sie erklärte:
Transkribiertes
Originaldokument aus der Promotionsakte Elisabeth Noelle (erstellt am
20.03.2010)
Aus einem nicht zu rekonstruierenden Grund muß ein Jahr später etwas bei der „Parteiamtliche
Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums“ ruchbar geworden sein.
Diese beabsichtigte eine Erwähnung Elisabeth Noelles in der NS-Bibliographie
und richtete deshalb am 17.04.1941 eine Anfrage an den Dekan der Philosophischen
Fakultät, Hermann Grapow, mit der Bitte um Auskunft
darüber, ob die Dissertation „Amerikanische
Massenbefragungen über Politik und Presse“ in Verbindung mit amtlichen
Stellen entstanden sei.
Der Dekan Grapow
leitete diese Anfrage am 18.4.1941 an Elisabeth Noelle weiter, die zu diesem
Zeitpunkt bei der Zeitung „Das Reich“
als Schriftleiterin angestellt war.
Elisabeth Noelle antwortete dem Dekan Grapow erst am 30.04.1941 und bestätigte, daß sie ihre Dissertation mit Unterstützung des
Propagandaministeriums geschrieben habe. Am 03.05.1940 erfolgte die Rückmeldung
Grapows an die „Parteiamtliche Prüfungskommission
zum Schutze des NS-Schrifttums“ und gab bekannt, daß
die Dissertation in Verbindung mit dem Propagandaministerium entstanden sei.
Anmerkung:
Die erhaltenen Aktenbestände aus NS 11 ( Parteiamtliche Prüfkommission)
des Bundesarchivs R enthält keine Dokumente zu Elisabeth Noelle und sind als
überaus spärlich zu bezeichnen
Die Folge dieser Korrespondenz: Elisabeth
Noelles Dissertation wurde nicht in die „Nationalsozialistische
Bibliographie, 1941“, eine Publikationsreihe herausgegeben vom
„Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums“, aufgenommen.
1942 erschien das Beiheft Nr. 4 mit dem Titel „Hochschulschriften,
Verzeichnis von Dissertationen und Habilitationsschriften“. Aber auch hier
wird der Name Elisabeth Noelle und ihre Dissertation nicht erwähnt.
Diese relevante Einzelinformation könnte ein
Hinweis darauf sein, daß die NS-Zensurbehörden der
Auffassung waren, Elisabeth Noelle habe eine falsche eidesstattliche Erklärung
zur Erstellung der Dissertation abgegeben, in der ausdrücklich darauf
hingewiesen wird, daß diese ohne fremde Hilfe
anfertigt wurde und keiner anderen Stelle zur Begutachtung vorlag.
In der NS-Zensurbehörde wird man sich
selbstverständlich die Frage gestellt haben, weshalb das RMVP aktive
Hilfeleistung bei der Erstellung einer Dissertation gewähren sollte, ohne den
genauen Inhalt vor der Promotionsprüfung vorgelegt zu bekommen und abzusegnen.
Dies würde jedoch bedeuten, daß Elisabeth Noelle eine
meineidliche Erklärung abgab, die ihren Doktortitel in Frage hätte stellen
können.
Schlußfolgerung: Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß Elisabeth Noelle anläßlich
der Anfrage der „Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums“
unter Zugzwang und in Erklärungsnöte geriet. Deshalb ist es auch nicht weiter
verwunderlich, daß sie sich zwei Wochen Zeit ließ,
diese zu beantworten. Zwei Wochen waren Zeit genug, um sich zurückzuversichern.
Die Formulierung der Antwort auf Dekan Grapows
Anfrage liest sich indes wie eine Flucht nach vorn. Sie konnte sich ja sicher
sein, daß sie vom RMVP protegiert werden würde. Denn
die erste, in ihrer Autobiographie geltend gemachten Querele um die Drucklegung
einer Zweitauflage ihrer Dissertation, die sich im Spätsommer 1940 mit dem
RMVP zugetragen haben soll, ist unabstreitbar widerlegt.
Seit dem Interviewgespräch von Wolfgang Hagen mit Elisabeth Noelle-Neumann,
das im Jahre 1996 geführt wurde, ist bekannt, daß
zweit genannte Person die Urheberschaft für diesen Artikel beansprucht, denn dieser
wurde anonymisiert abgedruckt. Weshalb sie diese Kriegstrophäe überhaupt für
sich beansprucht, bleibt völlig unklar. Wie bei Alexander Centgraf zog insbesondere diese
Einlassung eine intensive Recherche zu ihrer Person nach sich.
Alexander Centgraf war circa für ein Jahr
Kommilitone von Elisabeth Noelle. Er studierte ebenfalls an der Friedrich-Wihelms-Universität Zeitungswissenschaften bei
Prof. Dr. Dovifat und promovierte im gleichen Abschlußjahrgang.
Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Kommilitonen ist, daß
diese auch schon vor Abschluß der
Universitätsprüfungen als freie Mitarbeiter der DAZ Artikel schrieben, die namentlich
gekennzeichnet veröffentlicht wurden. Außerdem begaben sich beide Personen in
einem zeitlich nicht sehr großen Abstand in die Preußische bzw. Berliner
Staatsbibliothek, um dort „Nostradamus zu lesen“.
Daß sich beide Personen persönlich kannten, dürfte damit
zweifelsfrei außer Frage stehen. Und deshalb ist zumindest denkbar, daß genau so gut Alexander Centgraf
der tatsächliche Verfasser des fraglichen Artikels gewesen sein könnte.
Der Inhalt des Artikels ist an sich nicht weiter von Belang, weil dieser
auch heute keinen weiteren Anstoß erregen würde ;
interessant wird es erst in den letzten Zeilen. Dort heißt es:
Deutsche Allgemeine Zeitung, 16.06.1940
Die Prophezeiungen des
Nostradamus
…….. Etwa siebzig Jahre
nach der Errichtung der Republik in Frankreich, also gegen 1940, wird
Deutschland „dem grossen Kontrakt“ von Versailles ein
Ende machen. „Frankreich, Du bist zu weit gegangen! Du hättest mit Dir reden
lassen sollen!“ ruft Nostradamus seinem Vaterlande zu. Deutschlands Feldzug
wird mit überraschender Schnelligkeit, unvermuteter Kraft und unwiderstehlicher
Kühnheit geführt werden. Paris wird erobert, und die französische Hauptstadt muß nach dem Süden Frankreichs verlegt werden.
Es ist verständlich,
dass man in Frankreich nicht nur gegen die Fünfte Kolonne, sondern auch gegen
die „Kolonne Nostradamus“ kämpfen zu müssen glaubt.
Der Ausspruch, der von Nostradamus stammen soll
und einen Krieg mit Frankreich für das Jahr 1940 prophezeit, wurde in der
gleichen Zeitung schon 15 Jahre vorher am 12.11.1925 wortwörtlich abgedruckt.
Aber zum Zeitpunkt des wiederholten Abdruckes besaßen diese Zeilen einen
extrem hohen propagandistischen „Nachrichtenwert“, denn der sog. Frankreichfeldzug war zu diesem Zeitpunkt fast abgeschlossen.
Wie der Verfasser Walsing
zu seinen Aussagen im Jahre 1925 kam, war in keinster
Weise zu eruieren! Aber wie der Verfasser des Artikels vom 16.06.1940 dazu kam
liegt auf der Hand: die entscheidenden Zeilen wurden schlicht und ergreifend
abgeschrieben! Damit sollte bei den Lesern der Eindruck erweckt werden, daß sich aktuelle Ereignisse abspielen, die erstens lange
Zeit vorher schon prophezeit wurden und zweitens, daß
deshalb die Kriegsniederlage Frankreichs ein Sieg des Nationalsozialismus sei,
der die Befreiung von der Versklavung der Versailler Verträge errang.
Deutsche
Allgemeine Zeitung, 12.11.1925, Nr. 534
Ein Zukunftsroman der europäischen
Menschheit
…….. Bisher hat man vergebens nach einem
Schlüssel gesucht, der eine chronologische Ordnung ermöglichen könnte, bis es kürzlich
skandinavischen Forschern gelungen ist, zu einem überraschenden Resultat zu
kommen. Das Buch des Nostradamus enthält nämlich außer den Werken einen in
Prosa geschrieben Brief an den damaligen König von Frankreich; Heinrich II. Der
Inhalt dieses anscheinend gänzlich wirren Briefes erkannten diese Ausleger
als eine Reihe knapp gehaltener Voraussagen politischer Ereignisse,
beginnend mit dem Jahre 1815. Da hiervon inzwischen mehr als hundert Jahre
vergangenen sind, gibt die Deutung der sich auf diese Zeit beziehenden Aussagen
eine ganze Reihe von Anhaltspunkten für die Zukunft, und man hat als Ergänzung
passende Verse des Buchs mit gutem Erfolg entsprechend geordnet. Das sich
danach ergebende Bild stellt einen Zukunftsroman der europäischen Menschheit
dar, wie er phantastischer kaum ausgemalt werden kann, und der den Dichter
oder Propheten, wie man es nun nehmen will, in die erste Reihe der Verfasser
dieser Art von Romanen stellt.
Etwa siebzig Jahre nach der Errichtung
der Republik in Frankreich, also gegen 1940, wird Deutschland „dem grossen Kontrakt“ von Versailles ein Ende machen. „Frankreich,
Du bist zu weit gegangen! Du hättest mit Dir reden lassen sollen!“ ruft Nostradamus
seinem Vaterlande zu. Deutschlands Feldzug wird mit überraschender Schnelligkeit,
unvermuteter Kraft und unwiderstehlicher Kühnheit geführt werden. Paris wird
erobert, und die französische Hauptstadt muß nach dem
Süden Frankreichs verlegt werden. Ein alter Staatsmann, der schon früher am
Ruder war, wird Frankreich zwanzig Monate blutig und tyrannisch regieren; sein
Nachfolger jedoch große politische Fehler, und ein Abkömmling des alten Königshauses
besteigt den Thron.
Die anderen europäischen Staaten mischen
sich nicht in die deutsch – französischen Auseinandersetzungen, denn alle
haben koloniale Sorgen, hauptsächlich infolge des Erstarkens des Islam........
Der Hinweis auf die „Nostradamus-Kolonnen“
wiederum ist eine offene Anspielung auf einen Artikel, der nur 20 Tage zuvor am
27.05.1940 im Verlautbarungsorgan der NSDAP erschien. Der Verfasser des
Artikels war ein gewisser Dr. Th. Böttiger.
Interessant ist hierbei zu beobachten, daß Elisabeth Noelle, die gerade erst bei einer Zeitung als
Volontärin ins Berufsleben einstieg, den Begriff „Nostradamus-Kolonnen“
übernahm. Dies ist als sehr starker Hinweis zu verstehen, daß
sie in einem hohen Maße in die Planungen des RMVP eingebunden war, zumal sie nur kurze Zeit davor eine Dissertation
einreichte, die sie mit Unterstützung dieses Ministeriums verfaßte.
Völkischer Beobachter, 27. Mai 1940, Nr. 48, Seite 2
Die Kolonne des Nostradamus
Von unserem
diplomatischen Berichterstatter
…….. Der kleine, schmierige Jude Mandel,
der jetzt in Frankreich das Volk bespitzelt, hat inzwischen eine neue Kolonne
entdeckt. Es ist die „6. Kolonne“, die „Kolonne des Nostradamus“. Gegen
sie führt das „Oeuvre“ schwerstes Geschütz auf. Ein Mitarbeiter des Blattes ist
im Laufe eines einzigen Tages von, wie er schreibt, „drei Damen von bester
Gesellschaft“ angesprochen worden, die sich vollen Ernstes über die Voraussagen
des Nostradamus unterhielten. „Man soll uns doch mit diesen vermaledeiten
Voraussagen des Nostradamus in Ruhe lassen“, heißt es weiter. „Wo jetzt
Franzosen in Artois, in der Picardie,
in den Ardennen und in Lothringen ihr Blut vergießen, sei es nicht angebracht,
von der Zerstörung von Paris und anderen Salbadereien des alten Verrückten zu
reden. Neben der fünften Kolonne gebe es leider in Frankreich noch eine sechste
Kolonne, die „Kolonne des Nostradamus“. Die soll jetzt ihren Mund halten,
fordert das Blatt, und der Name Nostradamus soll nicht ausgesprochen werden.
Nötigenfalls müsste man mit schärfsten Strafen gegen die Bewunderer und
Anhängerinnen des Michel Nostradamus vorgehen. Die
Moral gewisser französischer Mitbürger sei zurzeit ziemlich gebrechlich. Daher
müsse man sie gegen das irrsinnige Geschwätz einer Bande von Dummköpfen, die
sich ihrer Dummheit nicht bewusst sind, schützen.
Der von 1503 bis 1566 lebende Pariser
Astrologe Michel de Notredame (Nostradamus) hatte in
einer berühmten Prophezeiung für das Jahr 1940 die Zerstörung von Paris und die
Vernichtung Englands angekündigt. „Daß Damen
der besten Gesellschaft“ seinen Prophezeiungen mehr vertrauen, anstatt
wie Herr Reynaud auf das „Wunder“ in Gestalt von
General Weygand zu vertrauen, wirft in der Tat ein
bedenkliches Licht auf die „Moral gewisser Leute“……..
Ein bedenkliches Licht auf die Moral gewisser
Leute……? Diese Feststellung trifft in der vollen Bedeutungsschwere auf
Elisabeth Noelle-Neumann zu. Denn sie beanspruchte nicht nur eine äußerst
fragwürdige Kriegstrophäe der nazistischen Kriegspropaganda für sich, sondern
schob obendrein noch einen fast nicht zu übertreffenden dummdreisten Kommentar
mit aktuellem Bezug hinterher.
Nach dem Lesen von Nostradamus in der
Preußischen Staatsbibliothek will sie schon gewußt
haben, daß der Krieg für Deutschland verloren gehen,
Hitler ein böses Ende nehmen und seine Leiche niemals gefunden werden würde ect. Diese begnadete Nostradamus-Erleuchtung hatte sie im
Jahre 1940.
Eine zweite Erleuchtung gab sie am 24.04.2003
in der Zeitung DIE WELT zum Besten, als sie „Nostradamus Prophezeiungen bei dem
Krieg mit den Arabern angekommen“ sah. Im Interviewgespräch mit Wolfgang Hagen,
wo sich Elisabeth Noelle-Neumann zwischen 1996 und 1998 auch zu Nostradamus
ausließ, war davon noch nicht im entferntesten
die Rede!
Wie denn auch? Selbst Elisabeth Noelle-Neumann kochte
nur mit Wasser – allerdings mit sehr abgestandenem – und gibt damit ihre eigene
Reputation der Lächerlichkeit preis. Fast exakt 63 Jahre lang übte sie
Abstinenz und schrieb nichts mehr über Nostradamus, weil ihr der Geschmack
daran gründlich verloren gegangen sei. Aber just in dem Augenblick, als sich
dieser wieder einstellte, ging sie nach altbewährter und vor allen Dingen äußerst
publikumswirksamer Manier vor – offene Kriegshetze aus der untersten Schublade
in einer nicht unbedeutenden Zeitung! Und das nur vier Wochen nach Beginn des
Dritten Golfkrieges am 20.03.2003, also nachdem die Ereignisse schon
eingetreten waren! Dabei zwingt sich einem fast unweigerlich der Eindruck
auf, daß Elisabeth Noelle-Neumann gedanklich wieder
jene Direktive des RMVP ausführte, die sie im Mai 1940 schon einmal erhalten
hatte.
Eigentlich unnötig zu erwähnen, daß man nicht sehr tief graben muß,
um auch ihrer zweiten Nostradamus-Erleuchtung auf die Schliche zu kommen. Denn
dem obigen Zitatende aus dem Nostradamus-Artikel der
DAZ vom 22.11.1925 folgt eine lange Litanei über einen Jahrhunderte währenden
kriegerischen Konflikt zwischen Christentum und islamischer Welt; ein
Horrorszenario, dem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fast alle
erfolgreichen Nostradamus-Autoren folgten!
Wirklich bedauerlich, daß
Elisabeth Noelle-Neumann es versäumte, jenen gefälschten
Nostradamus-Vers kurz nach dem 11.09.2001 in einer großen Zeitung zu zitieren,
der per Internet weltweit kolportiert wurde. Dann wäre jedem sehr schnell und
deutlich klar geworden, woher sie ihr exklusives Wissen bezog.
Aber kehren wir in jene Tage zurück, als nach dem Ende des Krieges alles
in Trümmern lag und allerorts gehungert, geflucht und mit den Zähnen geklappert
wurde. Gewiß – auch die Fabrikantentochter hatte
einige temporäre Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Doch der Kelch der
bittersten Armut ging der „Autobiographie“ nach zu urteilen an Mademoiselle
vorüber. Ende 1946 bezog sie mit Erich Peter Neumann jenes Anwesen in
Allensbach am Bodensee, das dem „Institut für Demoskopie“ bis heute als
Residenz dient.
Aus den Augen, aus dem Sinn?
Nicht für den US-amerikanischen Geheimdienstableger Information-Control-Service, fernab im ausgebombten Berlin.
Dieser forderte in etwa zeitgleich ein Gutachten vom Deutschen Verlag über
Elisabeth Noelles Presseaktivitäten in der Zeit von 1941/42 an, in dem man am
03.12.1946 zu folgendem Urteil kam:
(Zitat: BArch R, RK (ehemals BDC) D0062,
Vollständiges Dokument liegt als Kopie vor!)
8.
Die in tatsächlicher Hinsicht
breit angelegten und reich bebilderten Artikel-Serien der Noelle im “Reich“
hatten eine äußerst gefährliche propagandistische Wirkung auf die deutsche
Öffentlichkeit und haben das ihre zur Aufrechterhaltung und Stärkung der faschistischen Kriegsmoral beigetragen.
9.
Es erscheint daher untragbar
für die deutsch-demokratische Pressepolitik, der Elisabeth Noelle weitere
publizistische Wirkungsmöglichkeiten zu gestatten.
Kommentiertes Kapitel „Hochheim“
in „Die Erinnerungen, S.147 - 150“ :
Ahnungslos? um die Vorgänge in Berlin, aber dafür allen
Unbehaglichkeiten und materiellen Mängeln zum Trotz, konnte es sich das Ehepaar
Noelle-Neumann leisten, regelmäßig vom Bodensee nach Hochheim im Taunus zu
reisen, um dort bei Siegfried Höxter (siehe Anmerkung), deutscher Standortkommandant der US-Truppen, zu Gast zu
sein. Eines Tages hörte Elisabeth Noelle-Neumann, daß
die Amerikaner in Nauheim eine Gruppe von Wissenschaftlern zusammenstellte, die
Umfragen organisieren sollten. Sie beabsichtigte dort als Koryphäe auf diesem
Gebiet ihre Mitarbeit anzudienen. „Immerhin
wußte ich ja seit meinem Aufenthalt in Amerika
ziemlich viel über die Methoden der Umfrageforschung.“
An dieser Stelle in der „Autobiographie“ angelangt schafft es die
Verfasserin (oder der/die VerfasserInnen??) in einer
ansonsten tödlich langweiligen Abhandlung doch tatsächlich einen, wenn auch einfach
gestrickten, Spannungsbogen aufzubauen. Das Rezept des Handlungsschema:
Lieschen wird vom Geheimdienst der Besatzer bedroht, aber ein
ritterlicher Unbekannter verhindert, daß der
Prinzessin die Leviten gelesen werden!
Trotz einer angeblich eindeutigen Warnung Siegfried Höxters, daß sie in Nauheim in Gefahr sei, ließ sie sich nicht von
ihrem Arbeitseifer zum Wohle der Not leidenden Mitmenschen abbringen. Ob
Siegfried Höxter über den Zugang zu solch sehr spezifischen Informationen
verfügte und auch weitergab bleibt jedoch höchst zweifelhaft. Sehr merkwürdig
auch, daß der deutsche Stützpunktkommandant bei
seinen Bedenken keine Anstalten machte, Elisabeth Noelle-Neumann eine
Begleiteskorte mit auf den Weg zu gegen, die im Zweifelfall sofort hätte intervenieren
können. Stattdessen schrieb er ihr eine Telefonnummer auf, die sie vorzuzeigen
hatte, falls es zu ernsthaften Komplikationen kommen sollte.
Sodann brach Lieschen auf, kam in Nauheim an, und fand sich einem
Offizier gegenüber, dem in keinster Weise nach
belanglosen Höflichkeiten zumute war - das beabsichtigte Vorstellungsgespräch
wandelte sich abrupt in ein Verhör. Lieschen zog daher ganz pfiffig und
geschwind die Notbremse, überreichte die ominöse Zahlenfolge an einen dieser
gehässigen Köter und nach einem längeren Gekläffe auf der anderen Seite der
Leitung war der Spuk vorbei…. Wer nun die Wölfe ihrer leichten Beute beraubte,
darüber wunderte sich Lieschen, aber sie vernahm ein: „Zieh Leine.“ Lieschen
machte also flugs die Biege und konnte und wollte sich nie einen Reim darauf
machen, was dieses geifernde Zähnefletschen und dämliche Knurren eigentlich
sollte.
Unglaubhaft – aber es interessierte sie auch später nicht im
Geringsten!
Ihr war zwar bewußt, daß sie an einen Geheimdienst geriet, gleichzeitig kam sie
nicht auf den nahe liegenden Gedanken, daß es noch
eine alte Rechnung zu begleichen gab. Dabei hätte sie sich lediglich einige
Jahre zurück erinnern müssen, als sie sich 1937/38 als DAAD-Austauschstudentin
an der University of Missouri aufhielt, um den Vorfall in Nauheim zu begreifen.
Doch auf diesen nicht unwesentlichen Punkt in ihrem Werdegang geht Elisabeth
Noelle-Neumann in „Die Erinnerungen“ wohlweislich mit keinem einzigen verwertbaren
Wort ein. Nichtsdestotrotz wird davon noch sehr viel die Rede sein…!
Doch lassen wir Elisabeth Noelle-Neumann einmal selber zu
Wort kommen, was ihre demoskopische Pionierzeit betrifft:
Audio-Quelle:
NDR, Sendung 19.12.2011 http://www.ndr.de/info/audio97079.html
Anmerkung:
Zu
Siegfried Höxter sind drei biographische Beschreibungen verfügbar:
1) Zeitungsartikel „The Paris News“, 30.05.1943 (links, 2. und 3. Spalte)
2) CIA-interne Biographie unter dem Pseudonym Stephan
Haller
Verfasser
Patrick A. Beller, ca. 1959
Zum Zeitpunkt
der Abfassung als geheim eingestuft, mittlerweile freigegeben und als pdf-Datei auf der Webseite der CIA
herunter zu
laden (Abruf
08.12.11).
Stephan Haller
alias Siegfried Höxter
3) Siegfried Höxter, ein kämpferischer Sozialdemokrat
Verfasserin
Monica Kingreen in:
Verfolgung
und Widerstand in Hessen 1933-45
Hg. Renate Tesche-Knigge, Axel Ulrich
Eichborn, 1996
Elisabeth Noelle-Neumanns „Autobiographie“: ein einziger
Morast aus gezielten Falschdarstellungen, äußerst unintelligenten, weil einfach
nachzuweisenden Lügen und belanglosen Plappereien, die jedoch viel über den
Charakter einer Person aussagen, die für besondere Verdienste einst das
Bundesverdienstkreuz erhielt. Anstatt ihrer Nachwelt nach 93 Jahren Lebenszeit
eine klare Botschaft zu hinterlassen, belästigt sie ihr Leserpublikum permanent
mit:
ungemein sorgfältig gepackten Care-Pakete
und einem überfahrenen Dachs, der als Tierleichen-Gulasch in einer schönen
Porzellanterrine herhalten musste,
(kulinarische Abenteuererlebnisse im Nachkriegsdeutschland,
andere sucht man vergeblich)
Körben, die sie austeilte und wen sie abstoßend fand,
(interessanter wäre gewesen, wen sie wann, warum alles
nicht abblitzen ließ)
ihrem Ehemann Erich Peter Neumann, der Alkoholiker wurde und
glücklicherweise
verstarb, bevor man ihn die Psychiatrie einweisen musste,
(die Euthanasie läßt grüßen)
vertauschte Tischkarten,
(wer sich so benimmt ist laut Knigge nicht
gesellschaftsfähig)
anderer Leute Schränke voller Pullover,
(hat die sich etwa in Kartoffelsäcke gehüllt?)
angeblichen Bettgeschichten und intimen Details Dritter,
(immer zu kurz gekommen oder überhaupt nicht?)
organisierten Drohanrufen,
(Viel Feind, viel Ehr war auch mal der reisserische
Titel eines TV-Interviews mit Guido Knopp)
einem 10 Kilo Sprengsatz im Institut für Publizistik an der
Uni Mainz,
(definitiv als infame Lüge zu werten, denn es waren 100 kg
TNT)
Hier ein Schuß dirty talking, da noch etwas
boshaftes Getratsche, als Sättigungsbeilage eine linksextremistische Bombe,
viel demoskopische Fachidiotie und noch viel mehr zusammen geschusterte
rechtfertigende Selbstinszenierungen. Und fertig ist die Laube… dachte sie
sich?
Ob diese literarische Edelmischung aber tatsächlich einzig
und allein aus der Feder der Elisabeth Noelle-Neumann stammt muß offen bleiben. Aber es drängt sich doch die zwingende
Frage auf, was man sich überhaupt dabei dachte, ein derart unzulänglich
abgefasstes Machwerk zum Druck freizugeben. Denn – so sollte man meinen –
renommierte Persönlichkeiten, die ihre Reputation zu hüten haben wie den
eigenen Augapfel, achten stets darauf, daß man nicht
aufgrund unbedachter Verbalentgleisungen ohne Weiteres ans Kreuz genagelt und
gevierteilt werden kann. Andernfalls wäre diesen jegliche geistige Zurechnungsfähigkeit
abzusprechen. Möglicherweise trifft eine eher schlichte Erklärung am ehesten
zu. Demnach könnte der Vater des Gedankens ganz gemäß dem Göringschen Motto
während der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse gewesen sein:
Nach mir die Sintflut, Hauptsache gut gelebt!
statt.. !
Und wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich „Die Erinnerungen“
als klassisches Lehrbeispiel dafür etabliert, wie man als Märchentante in
keinem Fall auftreten sollte, wenn man in guter Erinnerung bleiben möchte. Sich
nämlich selber zum Gespött der Leute zu machen und dabei auch noch zu glauben,
man gäbe eine erstklassig zeitlose Vorstellung.
Elisabeth
Noelle-Neumann und Nostradamus zwischen 1996 - 2006
1. Die Erschaffung der
Demoskopie Wolfgang Hagen im
Gespräch mit Elisabeth Noelle-Neumann
Anmerkung:
Aufgrund der
belanglosen Überlänge des Interviewtextes wurden hier nur jene Passagen
wiedergegeben, die einen konkreten Nostradamus–Bezug
aufweisen.
2. Nostradamus und ich Die Welt
Anmerkung:
Der kursiv markierte
Teil aus „Die Welt“ vom 24.04.2003 wurde vom Verfasser
wörtlich aus jenem Artikel übernommen, den Elisabeth Noelle-Neumann in der DAZ
vom 16.06.1940 schrieb!
3. Ich habe die
Engel gesehen Tagespiegel
4. Was ist das
Wichtigste im Leben, Frau Noelle-Neumann?
Welt.de
5. Die
Erinnerungen, S. 95 – 96
Autobiographie Elisabeth Noelle-Neumann
1. Die Erinnerungen,
Elisabeth Noelle-Neumann
Herbig Verlag, 2006
2. Promotionsakten
Elisabeth Noelle, Nr. 915
Archiv der Humboldt Universität Berlin
3. Personalakte Prof.
Dr. Emil Dovifat, Nr. 215
Archiv der Humboldt Universität Berlin
4. Nazi oder
Karrierist?
Über
die wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit Elisabeth Noelle-
Neumanns im Dritten Reich, Online-Dokument 07.02.2005
http://amor.cms.hu-berlin.de/~h0444vhn/noeneut.pdf
5. Veröffentlichung von
Archivdokumenten zu Elisabeth Noelle-Neumann:
http://gurukul.ucc.american.edu/radiowave/noelle/noelle.htm
6. Bundsarchiv R,
Berlin
7. CIA Webseite
8. newspaperArchive.com
9. Benutzte
Quellen ohne Signaturangabe sind im Lesesaalbestand der Berliner
Staatsbibliothek einsehbar oder über den Katalog zu ermitteln.
10. Zeitungsartikel älteren Datums stammen aus der Berliner
Staatsbibliothek, die
neueren Datums aus dem Internet.